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Geldautomatensprengung : Das Netz der rasenden Holländer

  • -Aktualisiert am

Gesprengt: Die Zahl der Sprengattacken auf Geldautomaten nimmt weiter zu. Bild: dpa

Die Zahl der Sprengattacken niederländischer Banden auf Geldautomaten steigt wieder. Die Täter gehen blitzschnell und immer nach derselben Methode vor. Wer steckt dahinter?

          Die drei jungen Niederländer, die sich seit Montag vor dem Landgericht Düsseldorf verantworten müssen, sind nach Erkenntnissen der Ermittler skrupellose Grenzgänger. Sie sollen zu einer Bande gehören, deren Mitglieder regelmäßig nachts aus Holland anreisen, um bevorzugt in Nordrhein-Westfalen (NRW) Geldautomaten aufzusprengen. Der Hauptangeklagte soll nicht nur in Mönchengladbach, Recklinghausen, Ratingen, Castrop-Rauxel, Essen zugeschlagen haben, sondern auch im niedersächsischen Schüttorf und in Magdeburg (Sachsen-Anhalt). Seine beiden mutmaßlichen Komplizen waren laut Staatsanwaltschaft an jeweils einer der insgesamt sieben angeklagten Taten beteiligt. Die Gangster richteten erheblichen Sachschaden an und erbeuteten 600.000 Euro.

          Reiner Burger

          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Nach Erkenntnissen der Ermittler zählen die Männer zur sogenannten Audi-Bande, einer straff organisierten, arbeitsteilig agierenden Gruppe von Niederländern nordafrikanischer Herkunft, vor allem aus Amsterdam und Utrecht.

          Vor Gericht: Drei mutmaßliche Gangster der sogenannten «Audi-Bande» müssen sich in Düsseldorf vor dem Landgericht verantworten.

          Bei ihren Sprengattacken gehen die Täter immer nach derselben Methode blitzschnell und ohne Hemmungen vor: Tief in der Nacht dringen sie in die Räume mit Geldautomaten ein. Sie kleben die Automaten luftdicht ab und leiten Gas hinein, das sie dann mit einer Zündschnur zur Explosion bringen. Häufig sind die Detonationen so heftig, dass Wand- und Deckenelemente aus ihren Verankerungen gerissen werden. Wenige Augenblicke später sitzen die Täter schon wieder in ihren kurz vor den Taten gestohlenen PS-starken Autos und rasen davon. Auf rund 300 Personen beziffert das nordrhein-westfälische Landeskriminalamt (LKA) die Zahl der rasenden Holländer. „Sie haben aber keine festen Strukturen, sind in wechselnder Besetzung und unabhängig voneinander unterwegs“, sagt ein Sprecher des LKA. Das kriminelle Netz sei in der Lage, jederzeit Nachwuchs zu rekrutieren. So jedenfalls erkläre man sich, weshalb nach einem zwischenzeitlichen Rückgang die Zahl der Sprengattacken wieder zugenommen hat.

          Regionaler Schwerpunkt der Audi-Bande ist nach wie vor NRW. Aus einem Lagebild des Bundeskriminalamts (BKA) geht jedoch hervor, das zunehmend auch Hessen, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Brandenburg und Baden-Württemberg betroffen sind. Die Ausweitung könnte mit dem in NRW und Niedersachsen mittlerweile sehr hohen Fahndungsdruck zusammenhängen, mutmaßt das BKA. Tatsächlich existiert in NRW seit Herbst 2015 eine eigene LKA-Ermittlungsgruppe namens „Heat“. Intensiv arbeitet zudem die Staatsanwaltschaft Aachen mit den niederländischen Strafverfolgern zusammen. Seit mehr als einem Jahr gibt es sogar ein eigenes „Joint Investigation Team“, an dem auch die niedersächsische Polizei beteiligt ist. Zu den ersten Erfolgen dieses Teams zählte die Festnahme der drei Männer, die nun in Düsseldorf angeklagt sind.

          Gleichwohl stieg in NRW die Zahl der Attacken 2018 im Vergleich zum Vorjahr um 16 auf 106 – die meisten haben nach Einschätzung der Ermittler Mitglieder der Audi-Bande verübt, der kleinere Teil geht auf das Konto von Trittbrettfahrern. Allerdings bleiben die Versuche der Audi-Bande immer häufiger erfolglos. In 68 Fällen konnten die Automatensprenger 2018 keine Beute machen. Bei den seit Jahresanfang registrierten 41 Attacken in NRW war das bisher 23 Mal der Fall. „Wir führen das auf unseren Ansatz zurück, neben einem hohen Fahndungsdruck auch stark auf Prävention zu setzen“, sagt der LKA-Sprecher. Immer mehr Banken rüsteten ihre Automaten mit Lüftungsanlagen nach, die eine Sprengung unmöglich machten. Außerdem kämen auch Vernebelungsanlagen zum Einsatz.

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