https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/kriminalitaet/die-erweiterte-dna-analyse-zieht-die-ermittlungskreise-enger-15882783.html

Steht im Koalitionsvertrag : Was ist denn jetzt mit der erweiterten DNA-Analyse?

Entscheidend für die Polizeiarbeit ist das individuelle Testergebnis im jeweiligen Fall: „Erhält man als Testergebnis einen individuellen Wahrscheinlichkeitswert von 70 Prozent für die Augenfarbe Blau, kann der Ermittler schlussfolgern, auch andere Möglichkeiten in Betracht zu ziehen. Liegt jedoch der individuelle Wahrscheinlichkeitswert für Blau in einem anderen Fall bei 97 Prozent, sollte der Ermittler länger an der Suche nach einer blauäugigen Person festhalten.“ Selbst 70 Prozent sind laut Andreas Stenger „besser als nichts“: „Ich würde mir doch wünschen, wenn ich bei einer Zeugenaussage zum Aussehen eines Tatverdächtigen mit einer Vorhersagewahrscheinlichkeit zu fast 70 Prozent davon ausgehen könnte, dass sie stimmt. Doch das ist bei weitem nicht der Fall.“

Der Einsatz der Methode sollte genauen Regeln folgen

Nach Ansicht Stengers liegen die Vorteile der DNA-Phänotypisierung auf der Hand. Daher spricht er sich dafür aus, die Methode nach bestimmten Regularien einzuführen: Dazu kann ein Richtervorbehalt ebenso gehören wie ein Straftatenkatalog, für welche Delikte der Einsatz in Frage kommt, verbunden mit einem intensiven Austausch der forensischen Genetiker mit Ermittlern darüber, wie die analysierten Werte zu interpretieren sind. Die Forensiker verwehren sich dagegen, dass „unberechtigte Ängste“ gegen die DNA-Analyse geschürt werden. Man könne, sagt ein Forscher, natürlich alle Vorteile mit der „Rassismus-Keule“ totschlagen.

Viele Länder in Europa haben sich schon für die Methode entschieden. Für das von der EU finanzierte internationale Forschungsprojekt VISAGE zur forensischen DNA-Phänotypisierung verweist Barbara Prainsack, Professorin für Politikwissenschaft an der Universität Wien und am King’s College in London, auf die Niederlande, auf Frankreich, Schweden, Spanien, Polen, die Tschechische Republik, die Slowakei und Ungarn, in denen einzelne Formen der erweiterten DNA-Analyse praktiziert werden. In den Niederlanden und der Slowakei seien spezifische Tests zur Phänotypisierung erlaubt. In den anderen Ländern betrachteten Experten sie als nicht verboten. In den restlichen EU-Ländern, auch in Österreich, sei die erweiterte DNA-Analyse verboten. Die Schweiz arbeite an einer Gesetzesänderung.

Ermittler und Wissenschaftler erinnern daran, dass vor 25 Jahren auch der DNA-Analyse zur Identifizierung zunächst mit Vorbehalten begegnet wurde. Heute ziehe sie kaum noch jemand in Zweifel.

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