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Wegen zunehmender Attacken : Die Bahn testet „Bodycams“

Die Bundespolizei testet „Bodycams“ bereits seit Februar. Nun sollen auch Sicherheitskräfte der Bahn damit ausgestattet werden. Bild: dpa

Immer mehr Bahnmitarbeiter werden im Dienst Opfer von Gewalt. Nun sollen in einem Pilotprojekt „Bodycams“ getestet werdern. Allerdings nicht vorrangig zur Beweissicherung.

          Angesichts zunehmender Gewalt auf Bahnhöfen und in Zügen testet die Deutsche Bahn jetzt Körperkameras für ihre Sicherheitskräfte. „Von Bodycams versprechen wir uns einen Rückgang der Gewalt“, sagte der Sicherheitschef der Deutschen Bahn, Hans-Hilmar Rischke, am Donnerstag in Berlin. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres wurden 950 Bahnmitarbeiter angegriffen, zehn Prozent mehr als im ersten Halbjahr 2015.

          Kerstin Schwenn

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Schwere Verletzungen seien zum Glück die Ausnahme. Mehr als zwei Drittel der Angriffe hätten Sicherheitskräfte zu erleiden. Deshalb setze die Bahn nun nicht mehr nur auf eine Schulung der Mitarbeiter in Gewaltsituationen, sondern auch auf technische Unterstützung.

          „Die Bundespolizei testet seit Februar den Einsatz“, sagte Thomas Striethörster, Präsident der Bundespolizeidirektion Berlin. „Die Akzeptanz bei den Beamten, das positive Interesse der Bevölkerung an der Technologie und erfolgreiche präventiv-polizeiliche Einsätze sprechen für Bodycams.“

          160 Millionen für Sicherheit

          Die Sicherheitskräfte der Bahn tragen die Körperkameras an der Brust, die aktuellen Bilder sind auf einem Monitor am Gerät zu sehen. Ein Angreifer sieht sich also während des Angriffs selbst. In Konfliktsituationen können die Sicherheitskräfte die Bilder auf Knopfdruck speichern. Die Bodycams sollen nicht nur Beweismaterial im Falle von Straftaten sichern, sondern vor allem Angreifer abschrecken.

          Der Pilotversuch ist bis zum Jahresende für die Berliner Bahnhöfe Ostbahnhof, Alexanderplatz und Zoologischer Garten geplant. Bewähre sich die Technik, sollten Sicherheitskräfte in ganz Deutschland damit ausgestattet werden. Dann würden Bodycams auch im Fußballfan-Reiseverkehr sowie im Reiseverkehr zu Volksfesten oder Veranstaltungen eingesetzt.

          Alle Regeln des Datenschutzes würden schon im Testbetrieb berücksichtigt. Strenge Regeln verringerten den Umfang des aufgezeichneten Videomaterials, sicherten die Verschlüsselung sowie den Datenzugriff ausschließlich durch die Polizei. Mitarbeiter mit Bodycams seien am Schriftzug „Videoüberwachung“ zu erkennen.

          In Deutschland sind 5000 Bundespolizisten und 3700 Sicherheitskräfte der Bahn im Einsatz. Die Bahn investiert dieses Jahr 160 Millionen in die Sicherheit. Etwa 700 Bahnhöfe sind mit 5000 Kameras ausgerüstet. Weitere 27.000 Kameras sind in Regionalzügen und S-Bahnen installiert. Bis 2023 wollen Bahn und Bundespolizei 85 Millionen Euro für den Ausbau der Videoüberwachung an Bahnhöfen ausgeben.

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