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In Rio de Janeiro verhaftet : Deutscher Diplomat unter Mordverdacht

Bild: Reuters

In Rio de Janeiro ist ein deutscher Diplomat nach dem Tod seines Ehemannes verhaftet worden. Der 60-Jährige steht unter Mordverdacht. Die genauen Todesumstände werden untersucht.

          2 Min.

          Der deutsche Diplomat Uwe Herbert H. ist am Samstagabend in Rio de Janeiro im Zusammenhang mit dem Tod seines belgischen Ehemannes Walter B. festgenommen worden. Der 60 Jahre alte Verwaltungschef und Vizekonsul des deutschen Generalkonsulats in Rio steht unter Mordverdacht. Einem Antrag auf seine Freilassung wurde trotz der diplomatischen Immunität von H. nicht stattgegeben.

          Tjerk Brühwiller
          Korrespondent für Lateinamerika mit Sitz in São Paulo.

          Vom Auswärtigen Amt hieß es, dass es in engem Kontakt mit den brasilianischen Ermittlungsbehörden stehe, die den Fall untersuchten. Aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes würden derzeit keine weiteren Informationen über H. oder Einzelheiten des Falles herausgegeben.

          Verhörvideo der Polizei von Medien veröffentlicht

          Die genauen Umstände des Todes sind Gegenstand von Ermittlungen. Nach den bisherigen Erkenntnissen, die an die brasilianischen Medien durchgesickert sind, hatte H. in der Nacht zum Samstag einen Notarzt alarmiert, weil sein 52 Jahre alter Ehemann auf der Terrasse des gemeinsamen Apartments nach seinen Aussagen schwer gestürzt sei.

          In einem Verhörvideo der Polizei, das später von einzelnen Medien veröffentlicht wurde, schildert H. in seiner Wohnung auf Englisch, wie er und sein Mann an diesem Abend auf dem Sofa gesessen hatten. Plötzlich sei sein Mann erschrocken aufgesprungen und Richtung Terrasse gerannt. Dabei sei er gestolpert und nach vorne auf den Kopf und das Gesicht gefallen. Er habe versucht, seinen regungslosen Partner anzusprechen. Dann habe er das Blut gesehen und den Notarzt gerufen.

          Nach den Aussagen von H. soll sein Mann unter dem Einfluss von Tabletten und Alkohol gestanden haben. Die beiden waren laut H. seit 23 Jahren ein Paar. Zuletzt soll es zwischen den beiden wegen einer möglichen Versetzung von H. zu Auseinandersetzungen gekommen sein. Als der Notarzt in der Nacht eintraf, konnte er nur noch den Tod des Belgiers feststellen.

          Fall an die Gerichtsmedizin übergeben

          Eine erste Bestandsaufnahme veranlasste ihn dazu, den Fall an die Gerichtsmedizin zu übergeben. Dort wurden am Körper von B. mehr als 30 Verletzungen festgestellt. Als Todesursache wird eine Blutung zwischen Gehirn und Nackengewebe vermutet, die als Folge eines Schädeltraumas durch einen stumpfen Schlag oder Aufprall entstanden sein dürfte.

          Bei der Spurensicherung in der Wohnung wurden Blutspuren am Boden und auf einem Sofa gefunden, die zuvor entfernt worden sein sollen. Die Erkenntnisse zogen die Richtigkeit oder Vollständigkeit der Aussage von H. in Zweifel. Als er am Samstag die Leiche seines Gatten abholen wollte, wurde der Diplomat verhaftet.

          Auf Fernsehbildern war der deutsche Diplomat zu sehen, wie er von der Polizei abgeführt wurde. In der Zeitung „O Globo“ analysierte ein Professor für Gerichtsmedizin den Autopsiebericht. Demnach soll die Leiche von B. etliche Hämatome an verschiedenen Körperteilen aufweisen, unter anderem auch an Unterarmen, Händen und Beinen, die nicht alle von dem von H. beschriebenen Sturz stammen können.

          Einige der Verletzungen, die teilweise auch älter sind, könnten laut dem Professor zudem von Gegenständen stammen. Nach Ansicht des Experten weist die Art und Verteilung der Verletzungen auf sadomasochistische Praktiken hin.

          Die Chefermittlerin in diesem Fall wies zudem auf Verletzungen im Brustbereich hin, die möglicherweise von Tritten stammen. Sie sagte, es bestehe dringender Verdacht auf einen gewaltsamen Tod von B.

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