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Vereinigte Staaten : Deutschem droht in Florida die Todesstrafe

  • -Aktualisiert am

Ein undatiertes Polizeifoto von Pascal Kaufmann Bild: dpa

In Florida muss sich ein Bayer vor Gericht verantworten, weil er seine drei Jahre alte Stieftochter vergewaltigt und getötet haben soll. Nun könnte es zu einer Hinrichtung mit der Giftspritze kommen.

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          Wenn es nach Jessica Haines Cassano ginge, könnte sich das Gericht in Florida den Prozess gegen Pascal Kaufmann sparen. „Dieser Typ sollte einen langsamen, schmerzhaften Tod sterben, weil er Hand an das arme Mädchen gelegt hat“, forderte die Amerikanerin bei Facebook, als der Bayer Ende November in Orlando verhaftet wurde. Die Vorwürfe gegen den Zwanzigjährigen aus Bernau am Chiemsee waren ungeheuerlich. Während seine Ehefrau Emma Liggett arbeitete, soll Kaufmann ihre drei Jahre alte Tochter Charlie zu Hause sexuell missbraucht und geschlagen haben. Nach einem Notruf war das schwer verletzte Mädchen in das Arnold Palmer Hospital for Children gebracht worden.

          Wie die Polizei wenige Stunden später mitteilte, hatten die Ärzte in Charlies Gehirn ein Blutgerinnsel entdeckt. Kaufmanns Version, das Kind aus einer früheren Ehe Emma Liggetts sei aus dem Bett gefallen, wurde weiter erschüttert, als die Ärzte verdächtige Verletzungen fanden. „Dass Charlie bei einem Sturz aus dem Bett solche Verletzungen erlitten haben soll, ist unwahrscheinlich. Ihre Kopfverletzungen deuten auf stumpfe Gewalteinwirkung hin“, schrieben die Ermittler des Orlando Police Department damals in ihren Bericht.

          Es gab Vergewaltigungsspuren

          Ein Arzt deutete an, Charlie habe einen Schlag auf den Hinterkopf erhalten. Zudem gebe es Vergewaltigungsspuren. Als die Dreijährige zwei Tage später starb, saß Kaufmann schon in einer Zelle des Gefängnisses in Orange County. Nach der Obduktion des Leichnams, die erst mehr als drei Monate nach Charlies Tod abgeschlossen wurde, erweiterte die Staatsanwaltschaft jetzt die Anklage. Bei dem Geschworenenprozess Ende Juni muss Kaufmann sich neben „Vernachlässigung eines Kindes“ und vierfachen sexuellen Missbrauchs auch wegen Mordes verantworten. Da Florida zu den 32 amerikanischen Bundesstaaten gehört, in denen die Todesstrafe verhängt wird, droht dem Bayern die Giftspritze.

          Wie amerikanische Medien meldeten, hatte Kaufmann seine zehn Jahre ältere Ehefrau schon als Jugendlicher bei Urlauben mit seinen Eltern in Florida kennengelernt. Im vergangenen August zog er aus dem Luftkurort Bernau am Südwestufer des Chiemsees in die Millionenstadt Orlando, um mit Liggett zusammenzuleben. Mitte November, eine Woche vor Charlies Tod, heiratete das Paar.

          Die Fotos, die Kaufmann in sozialen Netzwerken ausgelassen unter blauem Himmel und Palmen zeigten, boten aber ein trügerisches Bild. Charlies Vater, der Amerikaner Michael Brame, soll seine frühere Ehefrau wiederholt vor Handgreiflichkeiten ihres neuen Partners gewarnt haben. „Wenn er noch mal Hand an meine Tochter legt, bringe ich ihn um“, drohte Brame zwei Monate vor dem Tod des Mädchens. Wie Liggett später bei der Polizei zu Protokoll gab, hat sich Charlie vor ihrem Stiefvater gefürchtet. Angeblich bat das Mädchen mit den blonden Zöpfen und den braunen Augen immer wieder, nicht mit Kaufmann allein gelassen zu werden. Um Liggetts Bedenken zu zerstreuen, drehte der Bernauer Videos, die ihn ausgelassen mit der Dreijährigen zeigten – bei gemeinsamen Spielen und bei Versuchen, Charlie Deutsch beizubringen.

          Kaufmann wird Deutschland wohl nicht wieder sehen

          Was sich am 22. November gegen 22 Uhr kurz vor der Ankunft der Rettungskräfte an der Conway Road abspielte, soll nun der Mordprozess gegen Kaufmann klären. Nachbarn sagten der Polizei, der Bayer habe seltsam ruhig gewirkt, als er sie damals um ein Mobiltelefon für einen Anruf bei Emma Liggett bat. Charlie sei auf dem Weg ins Bad aus dem Bett auf den Teppichboden gefallen, während er im Wohnzimmer saß. „Mein Mann hat mich gerade angerufen. Ich bin auf dem Weg von der Arbeit nach Hause, weil er gesagt hat, dass mit meiner Tochter etwas nicht stimmt“, sagte Liggett damals den Einsatzkräften.

          Bevor die Angestellte wenige Minuten später zu der bewusstlosen Charlie in den Krankenwagen stieg, überraschte Kaufmann sie angeblich mit einer Erklärung, die nach dem Staatsanwalt auch die Jury aufhorchen lassen wird. „Ich werde ins Gefängnis gehen. Ich habe deiner Tochter etwas angetan“, soll er geflüstert haben. Bei der Anklageerhebung plädierte Pascal Kaufmann jedoch auf „nicht schuldig“. „Dass der Angeklagte je nach Deutschland zurückkehrt, ist unwahrscheinlich“, sagte der Jurist Bill Sheaffer jetzt dem amerikanischen Sender WFTV. „Selbst wenn der Staatsanwalt auf die Todesstrafe verzichtet.“

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