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Der Fall Mirco : Mal eben ein Kind entführt

Ein Fahrrad, eine Hose, ein T-Shirt, ein Schrei - - das sind die wenigen bestätigten, konkreten Hinweise, ... Bild: dpa

Die Fallanalytiker des BKA wissen: Fremde Gewlttäter suchen sich meist spontan ein Opfer, und meist genau in ihrer Region. Karin Truscheit erklärt, was dies im Fall Mirco bedeutet und mit welchen Methoden die Ermittler hoffen, den Täter aufzuspüren.

          Ein Fahrrad, eine Hose, ein T-Shirt, ein Schrei - das sind die wenigen bestätigten, konkreten Hinweise, die die Polizei im Fall Mirco hat. Seit mehr als einem Monat sucht sie nach dem Jungen, der seit dem 3. September eben nicht spurlos verschwunden ist. Wichtig sind diese Hinweise in zweierlei Hinsicht: zum einen für die Rasterung der Suche nach ihm. Zum anderen ermöglichen die Fundorte es, den regionalen Bezug des Täters näher einzugrenzen. „Er muss die Gegend genau kennen“, sagt Polizeisprecher Willy Theveßen von der Sonderkommission „Mirco“.

          Karin Truscheit

          Redakteurin im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Von Anfang an hat die Polizei hervorgehoben, dass der Täter offenbar aus der Region komme. „Zumindest hat er seinen Angelpunkt hier.“ Der Angelpunkt kann vieles sein: die Wohnung, der Arbeitsplatz, der Sportverein, die Stammkneipe. Besonders wichtig bei der regionalen Eingrenzung ist die Stelle, wo der Entführer auf sein Opfer traf. Mircos Fahrrad wurde kurz vor der Ortseinfahrt zu Grefrath gefunden, an der Mülhausener Straße. Es ist Mircos Heimweg. Das Rad lag in einer Böschung an einer Ackereinfahrt - zehn Meter sind noch asphaltiert, dann beginnt das Ackerland. In der Nähe ist auch ein Landeplatz für Fallschirmspringer. Hier biegen somit manchmal auch Fahrer ein, die gelandete Fallschirmspringer abholen.

          Der erste Kontakt zwischen einem fremden Täter und seinem Opfer ist für die geographische Einschätzung des Täterverhaltens immens wichtig. So sei es am Ort des „Initialkontaktes“ am wahrscheinlichsten, dass ein Täter seine Handlung an die Alltagsroutine gekoppelt habe, heißt es in der Untersuchung „Geographisches Verhalten fremder Täter bei sexuellen Gewaltdelikten“ der Fallanalytiker des Bundeskriminalamtes (BKA). Nicht zuletzt deshalb hatte die Polizei in Grefrath am Freitagabend vor einer Woche an dem Fundort des Fahrrads alle vorbeifahrenden Fahrzeuge fotografiert. Es könnte sein, dass der Täter oft, wenn nicht sogar täglich, dort vorbeikommt. Die Auswertung der Bilder dauert an. Zudem will ein Zeuge an dem Abend von Mircos Verschwinden dort auch ein dunkles Auto gesehen haben.

          ... die die Polizei im Fall Mirco hat.

          Im Vorbeifahren den Jungen am Feldrand gesehen

          Mirco ist - so schätzt die Polizei - wahrscheinlich ein spontanes Zufallsopfer gewesen. So könnte es sein, dass ein Autofahrer im Vorbeifahren den Jungen am Feldrand gesehen und sich spontan zu der Tat entschlossen hat. Auch in der Untersuchung des BKA wird die spontane Tat hervorgehoben: Bei Sexualstraftaten zum Beispiel handele es sich meist nicht um lang geplante Vorhaben. Die wenigsten würden bewusst zu einer Sexualstraftat „aufbrechen“. Sie ergreifen einfach eine „günstige Gelegenheit“ - zumeist in der vertrauten Region, dort, wo sie ihren Lebensschwerpunkt haben. Gerade für fremde Täter gelte daher oft das „Prinzip der Nähe“. Entscheidend für den Täter sei die Motivation, ein schutzloses Opfer, ein geringes Risiko, entdeckt zu werden, und die geographische Nähe: Gerade bei Serientätern lasse sich erkennen, dass die Häufigkeit der Taten abnimmt, je weiter man sich vom Wohnort des Täters entferne.

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