https://www.faz.net/-gum-9dmon

Sexualstraftäter Marc Dutroux : Bereut er es wirklich?

  • -Aktualisiert am

Sexualstraftäter und Mädchenmörder Marc Dutroux bei der Urteilsverlesung des gegen ihn geführten Prozesses im Juni 2004 Bild: dpa

Der belgische Mädchenmörder Marc Dutroux schreibt Briefe an Opfer und Angehörige. Bereut er spät? Oder spekuliert er auf eine Freilassung?

          2 Min.

          22 Jahre sind die Schreckensbilder mittlerweile alt, die sich vielen Belgiern tief ins Gedächtnis eingeprägt haben. Sie zeigen ein heruntergekommenes Haus in einem Vorort der belgischen Industriestadt Charleroi. Dort wohnte der damals 39 Jahre alte arbeitslose Elektriker Marc Dutroux. Im Garten hinter dem Haus fanden Polizisten am 16. August 1996 die sterblichen Überreste der Mädchen Julie Lejeune und Mélissa Russo, an Händen und Füßen gefesselt und in Müllsäcken verscharrt.

          Nachdem die beiden acht und neun Jahre alten Freundinnen Ende Juni 1995 unweit ihrer Wohnungen bei Lüttich in einen weißen Lieferwagen gezerrt und entführt worden waren, schien sich das ganze Land an einer fieberhaften Fahndung zu beteiligen. Sogar an Autobahnbrücken prangten überdimensionale Bilder der Mädchen. Aber erst nach der Festnahme von Dutroux zeigte sich nach und nach das ganze Ausmaß seiner Verbrechen. Insgesamt sechs Mädchen und junge Frauen hatte er in den Jahren 1995 und 1996 in seine Gewalt gebracht. 2004 wurde er wegen der Entführung und Ermordung von vier zwischen acht und 19 Jahre alten Mädchen zu lebenslanger Haft verurteilt.

          2013 lehnte ein belgisches Haftprüfungsgericht einen Antrag von Dutroux ab, den Rest seiner Strafe unter Hausarrest absitzen zu können. Mit Hilfe seines Anwalts Bruno Dayez unternimmt Belgiens bekanntester Sexualstraftäter nun einen Versuch, spätestens 2021 ganz auf freien Fuß zu gelangen.

          Wie Dayez bestätigte, wird der inzwischen 61 Jahre alte Dutroux an die Eltern der vier Mädchen sowie an die damaligen Entführungsopfer Sabine Dardenne und Laetita Delhez in Kürze Briefe verschicken. Darin werde er seine Verbrechen bereuen und sich bereiterklären, auf Fragen schriftlich zu antworten oder die Opfer und Angehörigen auch persönlich zu treffen. „Es ist ein friedlicher Schritt. Statt miteinander umzugehen wie Hund und Katz, öffnen wir die Tür. Niemand hat etwas zu verlieren“, zitierte die Zeitung „Sudpresse“ den Anwalt.

          Als Dayez im Mai erstmals auf das geplante Schreiben Dutroux’ öffentlich hingewiesen hatte, war dies bei Angehörigen der Opfer auf Zurückhaltung gestoßen. Paul Marchal, dessen Tochter An zu den Todesopfern zählte, wunderte sich damals, dass sich Dutroux 23 Jahre nach der Entführung entschuldigen wolle. Es gehe wohl eher um eine clevere Strategie seines Anwalts. „In diesen Stufenplan passt es, Reue zu bekunden oder sich zu entschuldigen. Das wird dann als mildernder Umstand berücksichtigt. Und darauf hofft Dutroux nach all den Jahren offenbar noch“, sagte Marchal.

          25 Jahre lange Haft „unmenschlich“

          Dayez hatte bereits im Februar Aufsehen erregt, als er ein Buch mit dem Titel „Warum Dutroux freilassen?“ veröffentlichte. Darin vertritt er die These, dass eine mehr als Vierteljahrhundert dauernde Inhaftierung „unmenschlich“ sei und Folter gleichkomme. Insofern erschien das Buch nicht nur als spezifisches Plädoyer zugunsten seines heute 61 Jahre alten Mandanten, sondern auch als genereller Aufruf gegen lebenslange Inhaftierungen. Der Unterschied zur Todesstrafe liegt für Dayez allein darin, dass ein zum Tode verurteilter Häftling auf die Hinrichtung, ein zu lebenslanger Haft verurteilt Sträfling dagegen auf den natürlichen Tod warte. Aussicht, jemals wieder auf freien Fuß zu gelangen, hätten beide nicht.

          Jean-Denis Lejeune, dessen Tochter Julie im Haus Dutroux’ verhungert war, wandte sich schon im Mai im Fernsehsender RTL gegen eine vorzeitige Haftentlassung. „Einen wie Dutroux freizulassen hieße, die Sicherheit der Menschen in Gefahr zu bringen. Dieser Typ ist ein Psychopath“, sagte Lejeune. Dem widersprach Dayez: „Der Staat darf Straftäter nicht so behandeln, wie Straftäter mit ihren Opfern umgegangen sind.“

          Weitere Themen

          Wo Trump log und Biden flunkerte

          Faktencheck zur TV-Debatte : Wo Trump log und Biden flunkerte

          So ein Fernsehduell gab es in der amerikanischen Geschichte wohl noch nie: Donald Trump und Joe Biden kritisierten einander auf das Heftigste und warfen sich gegenseitig Versagen vor. Aber stimmte auch, was sie über den anderen sagten? Ein Faktencheck.

          2503 Neuinfektionen in Deutschland

          RKI-Zahlen vom Donnerstag : 2503 Neuinfektionen in Deutschland

          Zuletzt wurden in Deutschland im April mehr als 2500 Covid-19-Neuinfektionen an einem Tag gemeldet. Corona-Hotspots sind die nordhein-westfälischen Städte Hamm und Remscheid und der nordbayerische Rhön-Grabfeld-Kreis.

          Topmeldungen

          Angebot zur Amerika-Wahl : Lesen Sie F+ für nur einen Euro

          Die Präsidentschaftswahl in Amerika wird schicksalhaft. FAZ.NET macht Ihnen ein besonderes Angebot: Lesen Sie als Neukunde unsere komplette Berichterstattung für 1 Euro in der Woche.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.