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13 Kinder eingesperrt : Ein Fingerabdruck reicht für eine Schulgründung

  • -Aktualisiert am

Mit Spielzeugen: Nachbarn drücken am Haus der Turpins ihr Mitgefühl aus. Bild: AP

13 Kindern hat die Polizei in Kalifornien befreit, wo sie von ihren Eltern über Jahre im Haus festgehalten wurden. Der Vater hatte angegeben, sie zu Hause zu unterrichten. Der Fall heizt die Debatte über Heimunterricht an.

          Auffälligkeiten gab es schon lange. Bevor Louise und David Turpin im August 2014 das Haus an der Muir Woods Road in Perris bezogen, beobachtete ein Nachbar an ihrem früheren Wohnort Murrieta, wie sie ihre Kinder regelmäßig zwischen Mitternacht und drei Uhr durch das Haus marschieren ließen. Auch in der texanischen Kleinstadt Rio Vista, wo die Eheleute in den Jahren 1999 bis 2010 lebten, hatten ihre Erziehungsmethoden Aufmerksamkeit erregt. „Sie ließen ihre Kinder nie an die frische Luft, um zu spielen. Sie haben sie zuhause unterrichtet, bis sie von einer Minute zur nächsten fortgezogen“, erinnerte sich eine Nachbarin in der „Daily Mail“. Die Kinder sprachen angeblich kaum und durften ihre Namen nicht verraten. Die Käufer des Hauses fanden später Kratzspuren an den Türen, mit Fäkalien beschmierte Teppichböden und Schränke, die durch Belüftungsschächte offenbar zu Käfigen umgebaut worden waren.

          Kontrollen des Heimunterrichts sind in Kalifornien nicht vorgesehen

          Die Befreiung der 13 Kinder und jungen Erwachsenen aus dem „Horrorhaus in Perris“, wie der Bungalow an der Muir Woods Road inzwischen genannt wird, hat in den Vereinigten Staaten abermals die Debatte über Heimunterricht angeheizt. Während die stark unterernährten Geschwister im Alter von zwei bis 29 Jahren seit dem vorvergangenen Sonntag in kalifornischen Krankenhäusern mit Antibiotika, Vitaminen und Nährstoffen behandelt werden, fordern Organisationen wie die „Koalition für verantwortungsvolle Ausbildung zu Hause“ (CRHE) stärkere Kontrollen sogenannter Homeschooler.

          Der 56 Jahre alte frühere Ingenieur David Turpin hatte unter der Adresse des Bungalows an der Muir Woods Road vor vier Jahren auch die „Sandcastle Day School“ angemeldet. Kalifornien zählt zu den 15 amerikanischen Bundesstaaten, die bei der Eröffnung einer Privatschule in den eigenen vier Wänden oder gemieteten Räumen lediglich eine eidesstattliche Erklärung mit dem Fingerabdruck des Betreibers verlangt. Kontrollbesuche durch Vertreter von Schulbehörde oder Bildungsministerium sind nicht vorgesehen. Auch eine Überprüfung des Lehrplans findet nicht statt. Der Bundesstaat Texas, wo Louise und David Turpin vor dem Umzug nach Kalifornien vor acht Jahren lebten, verzichtet sogar auf eine Registrierung. Wie der Bezirksstaatsanwalt Mike Hestrin nach der Befreiung der 13 Geschwister in Perris berichtete, kannten sie weder Polizei noch Medikamente. „Die fehlenden Kontrollen geben den Leuten die Möglichkeit, Missbrauch zu verstecken“, sagte die CRHE-Sprecherin Kathryn Brightbill. „Wir sind der Ansicht, dass jeder Bundesstaat Gesetze haben sollte, die jährlichen Kontakt mit eigens beauftragten Berichterstattern vorsehen.“

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