https://www.faz.net/-gum-75vx5

„Dating Game Killer“ : Das Raubtier mit den tausend Bildern

  • -Aktualisiert am

Frauenmörder: Rodney Alcala verteidigte sich auch in New York selbst Bild: REUTERS

Der als „Dating Game Killer“ berüchtigte Rodney Alcala ist wegen eines weiteren Mordes verurteilt worden. Die Polizei befürchtet, dass der 1979 festgenommene Serienmörder bis zu 130 weitere Verbrechen begangen hat.

          3 Min.

          Rodney Alcala schien sich seiner Sache so sicher, dass er auch vor einem Auftritt in der beliebten Fernsehshow „The Dating Game“ nicht zurückschreckte. Als der amerikanische Vergewaltiger und Mörder die Lehrerin Cheryl Bradshaw im September 1978 vor der Kamera der Kuppelsendung mit erotischen Anzüglichkeiten umwarb, willigte die Neunundzwanzigjährige strahlend ein, einen Tag mit dem dunkelgelockten Fotografen zu verbringen. „Wir werden eine tolle Zeit zusammen haben“, hatte Alcala der Lehrerin vor einem Millionenpublikum versprochen. Dass Bradshaw damals nach dem Ausschalten der Kamera auf die gewonnenen Tennisstunden und den Besuch eines kalifornischen Freizeitsparks mit dem vermeintlichen Junggesellen verzichtete, rettete ihr wohl das Leben. „Er war mir irgendwie unheimlich“, erinnerte sich Bradshaw 30 Jahre später, als Alcala mit immer mehr Morden in Verbindung gebracht wurde.

          Ein Gericht in Manhattan verurteilte den Neunundsechzigjährigen jetzt zu einer Mindeststrafe von 25 Jahren Gefängnis, weil er im Juni 1971 die Flugbegleiterin Cornelia Crilley in ihrer Wohnung an der Upper East Side sexuell missbraucht und erwürgt hat. Nach anfänglichem Leugnen gestand Alcala zudem, sechs Jahre später auch die Tochter des Nachtclub-Besitzers H D Hover, das Model Ellen Hover, getötet zu haben. Wie die Dreiundzwanzigjährige in ihrem Tagebuch notierte, hatte sie Alcala im Jahr 1977 in New York getroffen. Von einer Verabredung zum Mittagessen mit dem vermeintlichen Studenten kehrte sie nie zurück.

          Mit Eisenstangen gequält

          Während Crilleys Angehörige im Saal des Manhattan Criminal Court erschienen waren, ersparte sich Hovers Familie die „Chronologie der Verbrechen“, die der stellvertretende Staatsanwalt Alex Spiro vor der Festsetzung des Strafmaßes verlas. Nach den Schilderungen, wie Alcala seine Opfer mit Eisenstangen quälte und die Frauen und Mädchen anschließend vergewaltigte, brach neben Crilleys Schwester Katie Stigell auch die Richterin Bonnie Wittner in Tränen aus. Wie Alcala das Gericht vor dem Urteil wissen ließ, hat er die zwei Morde nur gestanden, um bald nach Kalifornien zurückkehren zu können.

          An der Westküste erwartet den als „Dating Game Killer“ berüchtigten Serienmörder die Todesstrafe, zu der er im März 2010 bei einem sechswöchigen Prozess in Santa Ana bei Los Angeles verurteilt wurde. Zwei frühere Todesurteile wegen der Ermordung der Schülerin Robin Samsoe hatte der Oberste Gerichtshof Kaliforniens zuvor wegen Verfahrensfehlern aufgehoben. Wie die Justizbehörden beim dritten Versuch nachwiesen, hatte der hochbegabte Absolvent der Universität von Kalifornien in Los Angeles (UCLA) vor der zwölf Jahre alten Samsoe, deren Leichnam im Juni 1979 in einem Wald in Huntington Beach gefunden wurde, schon eine Krankenschwester aus Malibu, eine Studentin aus Burbank, eine Rechtsanwaltsgehilfin aus Santa Monica und die Schülerin Jill Barcomb ermordet.

          Barcombs unbekleideter Leichnam war im November 1977 während Dreharbeiten in der Nähe der Villa des Schauspielers Marlon Brando am Mullholland Drive im Norden von Los Angeles entdeckt worden. Alcala hatte der Achtzehnjährigen mit einem Stein den Schädel zertrümmert und sie mit ihrer Strumpfhose erwürgt, nachdem er sie vergewaltigt hatte. Obwohl DNA-Spuren keinen Zweifel an der Schuld des gebürtigen Texaners lassen, bereitet er nach amerikanischen Medienberichten derweil einen Berufungsantrag vor, um der Giftspritze ein drittes Mal zu entgehen.

          Ein Ausdruck von Überheblichkeit

          Nach dem Fund von 1000 Fotos, die nach Alcalas Festnahme im Jahr 1979 in einem Lagerraum in Seattle im Bundesstaat Washington entdeckt wurden, befürchtet das Huntington Beach Police Department bis zu 130 weitere Verbrechen. Die Ermittler werten die Aufnahmen von Frauen, Mädchen und Jungen als Trophäen, die der frühere Filmstudent zur Glorifizierung seiner Taten aufbewahrte. Die Veröffentlichung von 120 Bildern auf der Website der Polizei vor drei Jahren ließ Hunderte Amerikaner anrufen, deren Angehörige vor Jahrzehnten verschwanden. Die Behörden in Washington untersuchen inzwischen, ob Alcala auch die 13 Jahre alte Antoinette Whitaker und die 17 Jahre alte Joyce Gaunt tötete. Whitakers Leichnam war im Juli 1977 auf Knien und Händen in Pose gesetzt in Seattles Stadtteil Lake City gefunden worden. Einige Monate später entdeckten Spaziergänger Gaunt mit zertrümmertem Schädel im Seward Park.

          „Alcala ist voller Wut, die er an der Gesellschaft auslässt“, sagte die amerikanische Profilerin Pat Brown dem Sender CNN. Sein Zorn sei durch die Absage der „Dating Game“-Teilnehmerin Bradshaw, mit ihm einen Tag zu verbringen, vermutlich weiter geschürt worden. Den Fernsehauftritt des Täters wertete Brown ebenso als Ausdruck von Überheblichkeit wie Alcalas Gewohnheit, sich vor Gericht selbst zu vertreten. „Serienmörder sind wie Raubtiere, die ihre Beute gekonnt umgarnen. Alcala glaubt, er halte die Fäden weiter in der Hand.“

          Weitere Themen

          Bisher 300 Hochhausbewohner getestet

          Liveblog zum Coronavirus : Bisher 300 Hochhausbewohner getestet

          350 Personen nach Gottesdiensten in Vorpommern isoliert +++ Niederländische Farmen müssen Nerze töten +++ RKI: 407 bestätigte neue Fälle +++ Medikament Hydroxychloroquine bei Studie durchgefallen +++ Alle Entwicklungen im Liveblog.

          330 Tonnen Kraftstoff beseitigt

          Diesel-Katastrophe in Sibirien : 330 Tonnen Kraftstoff beseitigt

          21.000 Tonnen ausgetretener Diesel-Kraftstoff verunreinigen nach einem Leck in einem Kraftwerk die Naturgebiete am Nordpolarmeer. Ein Bruchteil davon wurde nun von Spezialisten entfernt. Die Katastrophe hätte wohl verhindert werden können.

          Topmeldungen

          Tourismus : Schweiz buhlt um Deutsche

          Den Eidgenossen fehlen die ausländischen Gäste, vielen Hotels droht der Konkurs. Nun wollen sie bei deutschen Touristen punkten – mit praktischen und geldwerten Angeboten.
          Gut gelaunt mit amerikanischen Soldaten am Truppenstützpunkt Ramstein: Amerikas Präsident Donald Trump im Jahr 2018.

          Trumps Abzugspläne : Ein weiterer Tiefschlag

          Sollten Tausende amerikanische Soldaten Deutschland verlassen, würde das vor allem dem Pentagon selbst zu schaffen machen. Für das transatlantische Verhältnis aber verheißt es nichts Gutes.

          Solidarität mit George Floyd : Gemeinsam gegen Rassismus

          In Deutschland protestieren Zehntausende in mehreren Großstädten gegen Rassismus und Polizeigewalt. Allein in München gehen mehr als 25.000 Menschen auf die Straße. Auch in anderen Ländern kommt es zu Protesten – entgegen der Empfehlung der Behörden.
          Nicht nur Gnabry (links) und Goretzka trafen für den FC Bayern in Leverkusen.

          4:2 in Leverkusen : Der FC Bayern ist eine Klasse für sich

          Die Münchner meistern die wohl größte Hürde, die auf dem Weg zum Titel noch zu nehmen war, mit dem klaren Sieg in Leverkusen souverän. Die fußballerische Perfektion erinnert an die besten Phasen unter Pep Guardiola.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.