https://www.faz.net/-gum-78098

Datenverkehr behindert : „Massivster Angriff dieser Art“

  • Aktualisiert am

Ziel des Angriffs war die Organisation Spamhaus, die eine Liste von Absendern von Spam führt. Bild: dapd

Durch den Hacker-Angriff auf die Organisation „Spamhaus“ wurde der Datenverkehr im Internet behindert. Das BSI sprach vom massivsten Angriff dieser Art.

          Ein Hacker-Attacke auf Internet-Knotenpunkte hat teilweise den Datenverkehr im Netz behindert. Die Angriffe richteten sich zunächst gegen einen Dienst zum Erkennen unerwünschter Mails. Später griffen die unbekannten Angreifer einen weiteren Dienstleister an und verstopften so die globale Datenautobahn. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) sprach am Mittwoch vom bisher massivsten Angriff dieser Art.

          Das ursprüngliche Ziel war die Organisation „Spamhaus“, die eine schwarze Liste von Absendern von Spam führt. Wer auf dieser Liste landet, dessen Nachrichten werden herausgefiltert. Das heißt: E-Mails solcher Absender bleiben im Spamfiltern hängen und landen nicht mehr in den Postfächern der Adressaten.

          Steckt niederländischer Anbieter hinter Attacke?

          Medienberichten zufolge begann die Attacke kurz nachdem Spamhaus einen niederländischen Anbieter von Speicherplatz auf seine Liste setzte. Spamhaus beschuldigte im Gespräch mit dem britischen Fernsehsender BBC die indizierte Firma, hinter den Angriffen zu stecken. Bei einer Computerattacke wie der gegen Spamhaus versenden die Angreifer eine Vielzahl von Anfragen, um die Server ihres Ziels außer Gefecht zu setzen. Im Fachjargon wird das ein „DDoS“-Angriff genannt, ein verteilter Angriff zur Abschaltung eines Dienstes.

          Um den eigenen Dienst aufrecht zu erhalten, holte Spamhaus sich Hilfe von der IT-Sicherheitsfirma Cloudflare. Diese verteilte die Datenströme auf ihre Rechenzentren weltweit und konnte damit den Ansturm verringern. Zudem begann Clouflare, verdächtige Anfragen herausfiltern, erklärte Timo Steffens vom BSI-Lagezentrum.

          Deutsche Internet-Nutzer wohl nicht betroffen

          Das merkten die Angreifer offenbar: Sie wandten sich nun auch gegen Cloudflare. Außerdem steigerten sie das Angriffsvolumen und jagten noch größere Datenmengen auf ihr Ziel. „Das sind in der Tat die massivsten DDoS-Angriffe, die uns bisher bekannt geworden sind“, sagte Steffens. Diese Flut an Datenströmen verstopfte die Leitungen von Cloudflare. Dies zog auch verschiedene Internet-Knotenpunkte in Mitleidenschaft und hatte Auswirkungen auf den regulären Datenverkehr im Netz. „In dem Maße hatten wir das vorher noch nicht beobachtet“, sagte Steffens.

          Da die Strategie der Angreifer jetzt bekannt sei, filterten Internetanbieter verdächtige Datenpakete inzwischen heraus, erklärte er. Derzeit sehe es nicht so aus, als seien deutsche Internet-Nutzer von der Attacke betroffen - allerdings sei es möglich, dass sie in Folge des zeitweisen Ausfalls von Spamhaus mehr unerwünschte Mails erhielten.

          Weitere Themen

          „Man kann es nicht mehr zurücknehmen“

          Bielefeld-Verschwörung : „Man kann es nicht mehr zurücknehmen“

          Achim Held hat vor 25 Jahren die Verschwörungstheorie in die Welt gesetzt, dass Bielefeld nicht existiert. Jetzt hat die Stadt eine Million Euro für den Beweis ausgelobt, dass diese Theorie stimmt. Was sagt der Erfinder dazu? Ein Interview.

          Topmeldungen

          Johnson in Paris : In Berlin war mehr Esprit

          Beim Besuch von Boris Johnson betont Präsident Macron die Einigkeit Europas – und bekennt sich zu seinem Ruf, in der Brexit-Frage ein Hardliner zu sein. Zugeständnisse will er gegenüber dem Gast aus London nicht machen – erst recht nicht beim Backstop.

          FAZ.NET-Serie Schneller schlau : Kind oder Porsche

          Die Frauen in Deutschland bekommen ihr erstes Kind deutlich später, im Durchschnitt sind sie mittlerweile älter als dreißig Jahre. Wie aber hängt die Kinderzahl mit dem Bildungsgrad zusammen? Und was kostet ein Kind eigentlich, bis es erwachsen ist?
          Alaa S. am Donnerstag vor Gericht in Dresden

          Messerattacke auf Daniel H. : Lange Haftstrafe im Chemnitz-Prozess

          Im Prozess um den gewaltsamen Tod des 35-jährigen Daniel H. hat das Landgericht Chemnitz den Angeklagten Alaa S. zu neuneinhalb Jahren Haft verurteilt. Der Prozess fand aus Sicherheitsgründen in Dresden statt.
          Nach der Uni wartet oft die Ungewissheit.

          Studium und Beruf : Zurück ins Elternhaus

          Der Übergang zwischen Studium und Beruf verläuft nicht immer reibungslos. Wenn erwachsene Kinder arbeitslos werden, sind oft die Eltern gefragt. Aber wollen und können die helfen?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.