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In einer Dokumentation : Dänischer Erfinder Madsen gesteht erstmals Mord an Journalistin

Erfinder Peter Madsen im August 2017 Bild: AFP

Wegen des Mordes an der Journalistin Kim Wall ist der U-Boot-Bauer Peter Madsen schon zu lebenslanger Haft verurteilt worden. In der Dokumentation „Die heimlichen Aufzeichnungen mit Peter Madsen“ hat er die Tat gestanden.

          2 Min.

          Der dänische Erfinder Peter Madsen hat am 10. August 2017 die schwedische Journalistin Kim Wall an Bord seines privaten U-Boots Nautilus sexuell missbraucht, ermordet und ihre Leiche zerstückelt. Daran gab es auch ohne ein Geständnis des Täters nach Ansicht des Gerichts in Kopenhagen, vor dem dieser ungewöhnlich grausame Kriminalfall verhandelt wurde, keinen Zweifel. Madsen, der zuvor als Autodidakt mit selbstgebauten Weltraumraketen und U-Booten in Dänemark zu einer gewissen Berühmtheit gelangt war, wurde zu lebenslanger Haft verurteilt. Aus dem Gefängnis heraus hat er die Tat nun gestanden, mehr als zwei Jahre nach dem Ende des Prozesses – nicht den Behörden gegenüber, sondern in Telefonaten mit einem Fernsehjournalisten.

          Sebastian Balzter
          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Ausschnitte dieser Unterhaltung hat ein privater dänischer Fernsehsender am Mittwoch veröffentlicht; insgesamt sind nach Angaben des Senders 20 Stunden des Gesprächs auf Tonband aufgenommen worden, zunächst ohne das Wissen Madsens, aber mit einer nachträglichen Sendeerlaubnis. Die Mitschnitte sind die Grundlage einer fünfteiligen Dokumentarserie mit dem Titel „Die heimlichen Aufzeichnungen mit Peter Madsen“.

          Im ersten Teil behauptet der Neunundvierzigjährige, Kim Wall habe im Gespräch mit ihm damals „Knöpfe gedrückt“ und „einige Dinge berührt“, die ihm offenbar unangenehm waren. „Hat das dazu geführt, dass Sie sie umgebracht haben?“, wird Madsen daraufhin gefragt. „Ja“, lautet die Antwort.

          Madsen und Wall waren im Hafen von Kopenhagen zu einer gemeinsamen Fahrt mit der Nautilus aufgebrochen. Wall, die zum Zeitpunkt ihres Todes 30 Jahre alt war, arbeitete an einer Reportage über den exzentrischen Ingenieur und hatte ihn Monate zuvor um einen Interviewtermin gebeten; ihre Wohnung befand sich nur wenige hundert Meter von seiner Werkstatt und dem Liegeplatz des U-Boots entfernt.

          Das psychologische Gutachten, das im Zuge des Gerichtsprozesses gegen Madsen erstellt wurde, attestiert ihm psychopathische und narzisstische Züge und beschreibt ihn als pathologischen Lügner. Nachdem Wall im August 2017 vermisst gemeldet worden war, behauptete Madsen, er habe sie nach einer Havarie mit seinem U-Boot sicher an Land gebracht. Als ihre Leichenteile in der Ostsee gefunden wurden, sagte er, Wall sei bei einem Unfall an Bord ums Leben gekommen, er habe ihre Leiche im Meer entsorgt. Später änderte er seine Version nochmals und sagte, Wall sei nach einem plötzlichen Druckabfall an Bord gestorben. Zum Tathergang macht Madsen auch nun keine Angaben, „vielleicht“ habe er unter Schock gestanden.

          „Er versucht, sich herauszureden und seine Tat zu rechtfertigen“, kommentierte einer der bekanntesten dänischen Kriminologen die nun veröffentlichten Aussagen Madsens gegenüber der Zeitung „Ekstra Bladet“. Das komme in den Mitschnitten klar zum Ausdruck. Die ausufernd langen, streckenweise monologischen Telefongespräche mit dem Journalisten, für die es eine offizielle Genehmigung der Gefängnisleitung gab, habe Madsen zwar womöglich zur Selbstdarstellung nutzen wollen. Am Ende entlarve er sich aber selbst. In späteren Folgen der Dokumentarserie wird nach Angaben des Fernsehsenders auch noch zu hören sein, wie Madsen bekennt: „Es gibt nur einen einzigen Schuldigen, und das bin ich.“

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