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Schulen bedroht : Marzipan-Erpresser zu Haftstrafe verurteilt

  • Aktualisiert am

Experten des Kampfmittelräumdienstes durchsuchten im September 2016 die Muhliusschule in Kiel. Bild: dpa

Er legte vergiftete Marzipanherzen auf Schulhöfen in Kiel aus - dafür hat das Landgericht jetzt einen 38-Jährigen verurteilt. Der Erklärung des Angeklagten glaubten die Richter nicht.

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          Der sogenannte Marzipan-Erpresser von Kiel ist am Montag wegen versuchter räuberischer Erpressung zu einer Haftstrafe von vier Jahren und neun Monaten verurteilt worden. Das Landgericht sah es als erwiesen an, dass der 38-Jährige im September auf Schulhöfen in der Landeshauptstadt mit Insektiziden vergiftete Marzipanherzen ausgelegt hatte. Damit habe er seiner Forderung Nachdruck verleihen wollen, von dem Unternehmen Coop drei Millionen Euro in der Internetwährung Bitcoin zu erpressen, sagte der Vorsitzende Richter Ralph Jacobsen. Er betonte, das Besondere an diesem Fall sei, dass die Gesundheit von Schulkindern als Druckmittel eingesetzt wurde: „Die halbe Stadt war beunruhigt.“

          Die Kammer folgte mit ihrem Urteil der Auffassung der Staatsanwaltschaft, die sich ebenfalls für eine Verurteilung wegen versuchter räuberischer Erpressung aussprach. Der Verteidiger dagegen wollte eine Verurteilung lediglich wegen schwerer Nötigung. Die Angaben des Angeklagten, dass die Tat keine Erpressung sein sollte, sondern eine Art Testlauf für ein nicht entschlüsselbares Computerprogramm, das er später verkaufen wollte, glaubte die Kammer jedoch nicht. „Wir sind überzeugt, dass Sie Coop erpressen wollten“, erklärte Jacobsen.

          Das Gericht hatte zunächst versucht, eine Verständigung zwischen den Prozessbeteiligten herbeizuführen. Zu einem solchen sogenannten Deal kam es aber nicht, wie der Vorsitzende Richter betonte. Dass der Prozess dennoch nach nur einem Tag abgeschlossen werden konnte, lag nach Angaben der Staatsanwaltschaft vor allem an der guten Beweislage.

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