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Fall Claus-Brunner : Mordopfer stellte Stalking-Anzeige schon im Juni

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An einer Straßenlaterne in der Nähe der Wohnung von Gerwald Claus-Brunner hängt ein Wahlplakat des Piratenpolitikers. Bild: dpa

Piraten-Politiker Claus-Brunner soll den Tod von Jan Mirko L. sorgfältig geplant haben. Angeblich hat sein Opfer ihn schon vor Monaten wegen Stalkings angezeigt, die Ermittlungen kamen aber nicht voran oder wurden sogar eingestellt.

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          Der Berliner Pirat Gerwald Claus-Brunner hat die Tötung seines 29 Jahre alten Bekannten vermutlich genau geplant. Aus Aufzeichnungen einer Videokamera geht hervor, dass der 44 Jahre alte Claus-Brunner am Donnerstagabend vergangener Woche mit einer großen, schwarzen Kiste auf einer Sackkarre unterwegs war. „Bild“ und „B.Z.“ veröffentlichten am Freitag Fotos, auf denen Claus-Brunner an einem Kiosk in Berlin-Steglitz mit der Kiste zu sehen ist – in dem Stadtteil wohnte er bis zu seinem Suizid. Vermutlich war er zu dem Zeitpunkt auf dem Weg zu seinem Opfer Jan Mirko L..

          Laut Staatsanwaltschaft muss die Leiche von L. von dessen Wohnung im Wedding in die von Claus-Brunner transportiert worden sein, wo beide Tote am Montag entdeckt wurden. Zu der Sackkarre mit der Kiste wollte sich ein Sprecher am Freitag nicht äußern.

          Wie rbb am Freitag berichtete, hatte sich der 29 Jahre alte Jan Mirko L. durch eine Flut von SMS und What's App Nachrichten des Piraten-Politikers  belästigt gefühlt. Am 27. Juni war das spätere Opfer auf dem Polizei-Abschnitt 53 in Neukölln erschienen und hatte Anzeige wegen Nachstellung und Stalkings gegen Claus-Brunner erstattet. Die Bearbeitung der Anzeige übernahm später die zuständige Direktion 3 am Wohnort des Opfers im Wedding.

          Stalking-Verfahren eingestellt oder noch nicht abgeschlossen?

          Diese Informationen bestätigten Quellen auch dem Spiegel in seiner aktuellen Ausgabe. Die „Sachverhaltsprüfung“ gegen die Vorwürfe sei noch nicht abgeschlossen gewesen. Dazu hätte auch die Immunität von Claus-Brunner aufgehoben werden müssen: Bis zum vergangenen Sonntag war Claus-Brunner Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses und als solcher vor Strafverfolgung geschützt.

          Rbb berichtete dagegen, die Polizei räume ein, dass ein Anhörungsbogen erst etwa drei Wochen nach der Anzeige an das Stalking-Opfer verschickt worden sei. Als dieser für vier weitere Wochen unbeantwortet bleibt, stellte die Direktion das polizeiliche Ermittlungsverfahren ein. Der Fall war an die Amtsanwaltschaft abgegeben worden; dort liegt er noch heute.

          Claus-Brunner hat in einem Brief gestanden, den 29 Jahre alten Jan Mirko L. getötet zu haben. Die Staatsanwaltschaft geht von einem echten Schreiben aus und verfolgt den Fall nicht weiter. „Die Todesermittlungen sind abgeschlossen“, sagte der Sprecher. Claus-Brunner war als Pirat mit Latzhose und Kopftuch bekannt geworden.

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