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Verfolgungsjagden : Clan-Mitglieder in Berlin sorgen für Polizeieinsätze

Ein Polizeiwagen am Berliner Alexanderplatz (Symbolbild) Bild: dpa

Nach dem Tod eines Familienmitglieds in einem Berliner Krankenhaus haben Mitglieder eines Clans alles daran gesetzt, zum Spital zu gelangen: Sie durchbrachen Polizeikontrollen und lieferten sich Verfolgungsjagden mit den Beamten.

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          Sie flüchteten vor der Polizei und lieferten sich Verfolgungsjagden mit ihr, außerdem versammelten sie sich zu Dutzenden vor der Rettungsstelle eines Krankenhauses: Mitglieder eines Berliner Clans haben in der Nacht zum Dienstag für gleich mehrere Polizeieinsätze gesorgt.

          Markus Wehner

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Kurz vor Mitternacht war ein weibliches Mitglied der bekannten Großfamilie R. mit dem Rettungswagen in ein Krankenhaus in Kreuzberg eingeliefert worden. Die Frau starb wenig später. Nach Angaben der „Bild“-Zeitung soll es sich um die Mutter des Clan-Chefs Issa R. handeln. In der Rettungsstelle des Krankenhauses versammelten sich nach Polizeiangaben rasch 30 Angehörige, Polizeibeamte wurden herbeigerufen, damit die Abstandsregeln eingehalten wurden. Später soll die Menge auf 50 bis 60 Personen angewachsen sein. Zur selben Zeit fand eine Verkehrskontrolle in einer 30-Kilometer-Zone in der nahegelegenen Hermannstraße statt. Als ein Porsche mit erhöhter Geschwindigkeit in die Kontrolle fuhr, wollte ein Polizeibeamter ihn stoppen, musste aber zur Seite springen, da der Wagen nicht anhielt. Die Haltekelle ging dabei kaputt. Der Wagen wurde einem bekannten Clan-Mitglied zugeordnet.

          Rund dreißig Minuten später durchbrach ein weiterer Wagen mit mehreren Insassen, die offenbar ebenfalls zum Krankenhaus wollten, die Kontrollstelle. Auch dieser Wagen stoppte nicht, so dass der Beamte abermals zur Seite sprang, wiederum ging die Kelle zu Bruch. Die Polizei nahm die Verfolgung mit mehreren Fahrzeugen auf. Der Wagen kam zum Stehen, als er einen Polizeiwagen rammte. Die Insassen wurden vorläufig festgenommen, aber später wieder entlassen, der Fahrer in eine Gefangenensammelstelle gebracht. Die Polizei ermittelt wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr und  wegen eines Verkehrsunfalls nach der Flucht.

          Der Presssprecher der Gewerkschaft der Polizei Berlin, Benjamin Jendro, kritisierte das Verhalten der Clan-Mitglieder scharf. „Wer Rettungsstellen bei der Arbeit behindert, riskiert Menschenleben. Wer sich einer Verkehrskontrolle entzieht und nicht davor zurückschreckt, einen Menschen umzufahren, begeht ein versuchtes Tötungsdelikt“, sagte er.  Bei aller Verständnis für Trauer nach einem Todesfall müssten Gesetze eingehalten werden. Wer das klein rede, pflege genau die falsch verstandene Toleranz, „die uns zu den heutigen Problemen bei arabischen Clans in der organisierten Kriminalität gebracht hat“.

          Mitglieder der Familie R. hatten in den vergangenen Jahren immer wieder durch kriminelle Taten von sich reden gemacht. So wurden kürzlich zwei junge Männer aus der Großfamilie für den Diebstahl der Goldmünze „Big Maple Leaf“ aus dem Berliner Bode-Museum zu Jugendhaftstrafen verurteilt. Vor zwei Wochen hatte das Landgericht Berlin die Einziehung zweier Grundstücke in Berlin-Neukölln von Mitgliedern der Familie R. angeordnet, die im Sommer 2018 zusammen mit 75 weiteren Immobilien vorläufig beschlagnahmt worden waren. Nach Auffassung des Gerichts waren sie mit Erlösen aus Straftaten finanziert worden. Dazu gehört die Villa des Clan-Chefs Issa R. Eigentümer ist jedoch sein 26 Jahre alter Sohn Jusuf R., der derzeit in Haft sitzt. Jusuf R. hat gegen den Beschluss Beschwerde eingelegt.

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