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Nach Fund 39 toter Chinesen : China kritisiert britische Behörden

Die britische Polizei transportiert den LKW ab, in dem im Osten Londons 39 tote Menschen gefunden wurden. Bild: AFP

Die britische Polizei hat eine vierte Person festgenommen. Dem Mann wird ebenfalls Menschenhandel und Totschlag vorgeworfen. China kritisiert derweil die britischen Behörden.

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          Nach dem Fund von 39 toten chinesischen Migranten in einem Lastwagen bei London hat die chinesische Parteizeitung „Global Times“ scharfe Kritik an den britischen Behörden geübt. Die Regierung in London habe offenbar keine Lehren aus der Tragödie von Dover gezogen, wo im Jahr 2000 die Leichname von 58 Chinesen in einem Lastwagen gefunden worden waren. „Man stelle sich vor, was für umfassende Maßnahmen europäische Länder ergriffen hätten, wenn Dutzende Europäer gemeinsam auf so tragische Weise getötet worden wären“, hieß es in dem Kommentar. Die Menschen in Europa müssten sich fragen, warum sie nicht in der Lage gewesen seien, eine Wiederholung einer solchen Tat zu verhindern. Großbritannien und andere beteiligte Länder sollten „ihre Verpflichtungen mit Blick auf die Menschenrechte einhalten und sich bemühen, chinesische Bürger vor Misshandlung und Tod zu bewahren“, schreibt die Zeitung.

          Friederike Böge

          Politische Korrespondentin für Ostasien.

          Die chinesische Regierung hob indes hervor, es sei noch nicht bestätigt, dass es sich bei den Opfern tatsächlich um chinesische Staatsbürger handele. Die britische Polizei verifiziere derzeit noch die Nationalität der Toten. Die Sprecherin des Außenministeriums Hua Chunying forderte eine „harte Bestrafung“ der Täter. Die chinesischen Botschaften in London und Brüssel stünden im engen Kontakt mit den dortigen Behörden und hätten diese zu raschen und umfassenden Ermittlungen aufgefordert. „Die chinesische Regierung misst diesem Fall große Bedeutung zu“, sagte sie. „Diese Tragödie sollte die Aufmerksamkeit der Welt auf illegale Einwanderung lenken.“ Die internationale Gemeinschaft müsse ihre Zusammenarbeit im Kampf gegen kriminelle Schlepper verstärken.

          In der chinesischen Öffentlichkeit wurde die Frage diskutiert, warum Bürger aus einem so entwickelten Land wie China ihr Leben in die Hände zwielichtiger Schlepper legen sollten. Kaum bekannt ist in China die Tatsache, dass viele der Opfer moderner Sklaverei in Großbritannien aus der Volksrepublik stammen. Laut einem britischen Regierungsbericht aus dem vergangenen Jahr steht China an vierter Stelle der Herkunftsländer der Opfer. In den meisten Fällen ging es um die Ausbeutung ihrer Arbeitskraft. Häufig sind die Opfer in ihrer Heimat verschuldet. Chinas Staats- und Parteimedien gingen auf diese Hintergründe am Freitag nicht ein.

          Unterdessen nahm die britische Polizei am Freitag zunächst zwei weitere Personen fest – später am Tag wurde der vierte Verdächtige festgenommen. Zu Beginn handelte sich um einen 38 Jahre alten Mann und eine Frau gleichen Alters. Ihnen würden Menschenhandel in 39 Fällen sowie Totschlag in 39 Fällen vorgeworfen, teilte die Polizei am Freitag mit. Der bereits zuvor festgenommene, in Nordirland wohnhafte Fahrer des Lastwagens, in dem die Leichname gefunden worden waren, stehe weiter unter Mordverdacht und bleibe in Haft, teilte die Polizei weiter mit.

          Auch der vierte Verdächtige, ein 48 Jahre alter Mann, stamme aus Nordirland und stehe im Verdacht, an Menschenhandel und Totschlag beteiligt gewesen zu sein, teilte die Polizei mit.

           

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