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Amoktat nahe Chicago : Wieder ein junger Mann, wieder eine schwere Waffe

Polizisten nach den Schüssen im Highland Park Bild: Getty

Nach dem Angriff auf eine Parade zum Unabhängigkeitstag in Illinois mit sechs Toten hat die Polizei den mutmaßlichen Täter gefasst. Er hatte zuvor schon im Internet über eine ähnliche Tat fantasiert.

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          Wieder war es ein junger Mann, wieder finden sich im Internet Anzeichen für die Tat, wieder hat er eine Waffe genutzt, mit der man schnell viele Menschen töten kann – und die er wohl legal erworben hatte. Eine Videoaufnahme von Montagabend zeigt die Festnahme des 21 Jahre alten mutmaßlichen Täters auf einer Straße rund eine Viertelstunde vom Tatort entfernt. Rund acht Stunden vorher hatte er von einem Dach aus auf die Besucher einer Parade zum amerikanischen Nationalfeiertag in der Stadt Highland Park nahe Chicago gezielt und dabei mindestens sechs Personen getötet sowie 26 verletzt.

          Sofia Dreisbach
          Politische Korrespondentin für Nordamerika mit Sitz in Washington.

          „Wir gehen davon aus, dass diese Person für den Vorfall verantwortlich ist“, sagte ein Sprecher der Kriminalermittler des Bezirks nach der Festnahme. Die Ermittlungen liefen weiter, Anklage würde deshalb erst zu einem späteren Zeitpunkt erhoben. Das Fahndungsfoto zeigte einen jungen Mann mit schwarzen Haaren und Tattoos am Hals und im Gesicht. Der Mann, der als Musiker im Internet auch unter dem Namen „Awake the Rapper“ auftrat, veröffentlichte unter anderem ein Video unter dem Titel „Are you Awake“ (Bist du wach), das ihn als Comicfigur bei einem Angriff zeigt, in Kampfausrüstung und mit Gewehr. Eine Zeile lautet: „Ich muss es einfach tun, es ist mein Schicksal.“ In einem anderen Video mit dem Titel „Spielzeugsoldat“ liegt eine ähnliche Comicfigur bäuchlings in einer Blutlache, umringt von Polizisten mit gezogenen Waffen. Alle Profile in den sozialen Netzwerken sind inzwischen nicht mehr zugänglich.

          „Wie wird jemand so hasserfüllt?“

          Das Motiv des jungen Manns ist bisher nicht bekannt. Die Tat ähnelt der in ­Buffalo, als ein 18 Jahre alter Mann im Mai mit einem halbautomatischen Gewehr zehn Personen in einem Supermarkt erschoss – und der in Uvalde, als ein Achtzehnjähriger mit der gleichen Waffe 19 Grundschüler und zwei Lehrerinnen tötete. Wie sein Onkel dem ­Sender CNN berichtete, lebte der mutmaß­liche Täter von Highland Park in einer eigenen Wohnung hinter dem Haus seines Vaters. Er habe seinen Neffen noch am Sonntag gesehen und nichts Ungewöhnliches bemerkt. Die Bürgermeisterin von Highland Park, Nancy ­Rotering, äußerte nach der Festnahme, sie habe ihn als Kind gekannt. Er sei in der Pfadfindergruppe gewesen, die sie geleitet habe. „Er war nur ein kleiner Junge.“ Seine Beiträge im Internet zeigten jedoch einen „lang gehegten Plan und Wunsch, ein Blutbad anzurichten“. Das sei einer der Momente, in denen man sich frage: „Was ist passiert? Wie wird jemand zu so einem wütenden, hasserfüllten Menschen?“

          Auf der Videoaufnahme eines Be­suchers der Parade sind Dutzende Schüsse zu hören, auf einer anderen ist zu sehen, wie Menschen panisch fliehen. Viele berichteten hinterher, sie hätten die Geräusche erst für Feuerwerk oder Salutschüsse von Paradenteilnehmern gehalten. Ein Arzt, der nach dem Angriff erste Hilfe geleistet hatte, berichtete CNN von „unaussprechlichen“ Verletzungen „durch die Kraft dieser Waffe und der Kugeln“. Unter den Getöteten sind Jacki Sundheim, Mitarbeiterin einer jüdischen Gemeinde in Glencoe, und der 78 Jahre alte Mexikaner Nicholas Toledo, der vor zwei Monaten aus Mexiko zu ­seiner Familie nach Illinois gezogen war. Präsident Joe Biden zeigte sich am ­Montagabend „schockiert“ von dem Angriff in Highland Park. Er werde nicht aufgeben, die „Epidemie der Waffen­gewalt“ zu bekämpfen.

          Zwar hat der Präsident gerade erst ein Gesetz unterzeichnet, das unter anderem eine genauere Hintergrund­überprüfung von Waffenkäufern unter 21 Jahren vorsieht. Der langwierige Kompromiss mit den Republikanern umfasst jedoch kein ­Verbot für den Kauf halbautomatischer Gewehre für unter Einundzwanzig­jährige, wie der Präsident es nach Buffalo und Uvalde ge­fordert hatte. Bürgermeisterin Rotering sagte nach der ­Attacke in Highland Park, der Fokus müsse nun darauf liegen, „dass es auf unseren Straßen keine Kriegs­waffen gibt, die Menschen legal erwerben können, und mit denen sie dann Dutzende erschießen können“. Es müsse schwieriger werden, „ein Blutbad anzurichten“.

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