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Chef der ’Ndrangheta : Flüchtiger Mafia-Boss zehn Jahre nach Duisburg-Morden gefasst

  • -Aktualisiert am

Der Tatort in Duisburg: Am 15. August 2007 wurden vor dem italienischen Restaurant sechs Menschen erschossen Bild: dpa

Der 44-Jährige gehörte zu den meistgesuchten Verbrechern in Europa. Jetzt wurde der Boss der ’Ndrangheta, Santo Vottari, in einem Versteck in Kalabrien entdeckt. Er soll auch an Morden in Duisburg 2007 beteiligt gewesen sein.

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          Fast zehn Jahre nach den Mafiamorden von Duisburg ist am Mittwoch Santo Vottari, einer der Mittäter, in einem Bunker unter seinem Haus in Kalabrien gefasst worden. Immer wieder habe man das Haus Vottaris durchsucht und bereits vier Verstecke ausheben können, teilten die Carabinieri im süditalienischen Reggio Calabria mit. Am frühen Mittwoch sei es dann endlich gelungen, den 44 Jahre alten ’Ndrangheta-Boss in einem bisher unentdeckten Verlies zu fassen. Er habe sich ohne Gegenwehr abführen lassen. Am Wochenanfang hatte in dem Ort Ricciolino di Benestare eine Demonstration unter Leitung der Kirche gegen die örtliche Mafia stattgefunden.

          Vottari gehörte zu den meistgesuchten Verbrechern Europas. Er war auch schon einmal zu 30 Jahren Haft verurteilt worden, konnte aber untertauchen. 2007 soll er an dem Mord an sechs mit seinem Clan zerstrittenen Mafiosi in Duisburg beteiligt gewesen sein. Die Verhaftung sei daher eine „besonders wichtige Operation“ gewesen, teilte Anti-Mafia-Staatsanwalt Federico Cafiero de Raho mit; „denn während die Massen auf die Straßen gehen, um gegen die Mafia zu demonstrieren, ist es dem Staat gelungen, einen lang gesuchten Mafioso endlich zu fassen.“ Offenbar lebte Vottari, wiewohl seit Jahren verfolgt, stets im selben verwinkelten mehrstöckigen Haus seiner Familie – unter einer Falltür, die von Maurern des Clans unsichtbar gemacht worden war.

          Für die Staatsanwaltschaft war Vottari einer der wichtigsten Protagonisten in der Auseinandersetzung zwischen den Clans Pelle-Vottari und Nirta Strangio aus San Luca, der im August 2007 zu den Morden vor der Pizzeria „Da Bruno“ in Duisburg geführt hatte. Der Haupttäter wurde später verurteilt und sitzt in Haft. Vottari wird zudem vorgeworfen, am ersten Weihnachtstag 2006 die 33 Jahre alte Maria Strangio, die Ehefrau eines verfeindeten Mafioso, getötet zu haben. Bei dem Anschlag mit einer Pistole waren drei weitere Personen verletzt worden. Die in der Region Kalabrien beheimatete ’Ndrangheta gilt als die mächtigste der italienischen Mafiaorganisationen, die längst auch in Deutschland und im Rest der Welt im Rauschgift- und Immobilienhandel aktiv ist. Italiens Verteidigungsministerin Roberta Pinotti gratulierte den Einsatzkräften für ihre „brillante Operation“.

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