https://www.faz.net/-gum-a15mq

Im Central Park : Anklage nach falscher Anschuldigung gegen Schwarzen

  • -Aktualisiert am

Setzte einen Notruf ab: Amy Cooper im Central Park Bild: AP

Ein schwarzer Vogelbeobachter hatte Ende Mai im Central Park eine weiße Frau aufgefordert, ihren Hund anzuleinen – woraufhin sie der Polizei meldete, dass er sie bedrohe. Jetzt wird die Frau wegen falscher Anschuldigungen angeklagt.

          1 Min.

          Die weiße Amerikanerin Amy Cooper, die bei einem Streit mit einem schwarzen Vogelbeobachter wegen ihres nicht angeleinten Hundes einen Notruf absetzte, muss sich vor Gericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft in Manhattan erhob am Montag Anklage wegen falscher Anschuldigungen gegen die Einundvierzigjährige. Während der Auseinandersetzung im Central Park hatte sie der Polizei von angeblichen Drohungen durch den Afroamerikaner Christian Cooper berichtet.

          Wie ein Video zeigte, das der Vogelkundler während der Auseinandersetzung Ende Mai aufnahm, hatte er Coopers Hund aber lediglich Leckerli angeboten, als sich die Bankerin weigerte, das Tier wie in der Parkordnung vorgeschrieben an die Leine zu nehmen. „Wir leben in einer Zeit, in der schwarze Männer wegen der Vorurteile gegenüber schwarzen Männern erschossen werden. Das lasse ich nicht zu“, sagte der Redakteur eines medizinischen Journals dem Sender NBC auf die Frage nach dem Grund für die Videoaufnahme.

          Wie von Cooper in ihrem Notruf verlangt, waren am Morgen des 25. Mai tatsächlich mehrere Beamte des New York Police Department in den Central Park ausgerückt. Zu einer Verhaftung kam es aber nicht. Als eine Schwester des Vogelbeobachters das Video des Streits später online stellte, wurde die Bankerin in sozialen Medien von Rassismusvorwürfen eingeholt. Die Investmentgesellschaft Franklin Templeton, bei der Cooper arbeitete, schickte ihr die Kündigung. „Ich habe zu emotional reagiert und falsche Schlüsse über Chris Coopers Absichten gezogen“, bat sie um Entschuldigung. Nach der Anklage drohen ihr bis zu zwölf Monate Haft.

          Coopers Anschuldigungen gegen einen Afroamerikaner befeuerten auch die Debatten über Rassismus und die Rolle der Polizei. Der Tod des schwarzen Türstehers George Floyd, der einige Stunden nach dem Streit im Central Park im etwa 2000 Kilometer entfernten Minneapolis (Minnesota) bei der Festnahme durch einen weißen Beamten starb, hatte in den vergangenen Wochen landesweite Proteste ausgelöst.

          Der Vogelkundler mahnte jetzt, die Auseinandersetzung im Central Park zum Anlass zu nehmen, Vorurteile zu überdenken. „Zu Beginn ging es nur um den Konflikt zwischen einer Hundehalterin und jemandem, der in einem Park Vögel beobachtete. Aber irgendwann hat Cooper das Ganze auf eine andere Ebene gehoben. Sie sollte überlegen, warum es dazu kommen konnte“, sagte der Siebenundfünfzigjährige. Bezirksstaatsanwalt Cyrus Vance forderte die New Yorker nun auf, ähnliche Erfahrungen anzuzeigen. Sein Büro werde alles tun, um Täter zur Verantwortung zu ziehen.           

          Weitere Themen

          Sudan erlebt Jahrhundertflut

          Tödliche Wassermassen : Sudan erlebt Jahrhundertflut

          Der Nil steht bei 17,5 Metern: Sudan kämpft gegen die schlimmsten Überschwemmungen seit drei Jahrzehnten. Mittlerweile hat die Regierung den Notstand ausgerufen. Doch die Flut ist nur eines von vielen Problemen.

          Topmeldungen

          Spontane Proteste gegen die Einschränkungen des öffentlichen Lebens in Madrid am Freitagabend.

          Corona in Spanien : Die Angst vor dem Notlazarett

          Die Infektionszahlen in der spanischen Hauptstadt explodieren und die Verwaltung weiß sich nur mit selektiven Ausgangssperren zu helfen. Das öffentliche Leben wird für einen Teil der Bevölkerung drastisch eingeschränkt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.