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Bushidos Frau sagt weiter aus : „Mein Mann war ein Riesenarschloch zu mir in dieser Zeit“

Auf dem Weg zur Anklagebank: Arafat Abou-Chaker (rechts) am Mittwoch im Kriminalgericht Moabit Bild: sede.

Anna-Maria Ferchichi sagt weiter im Prozess gegen Arafat Abou-Chaker aus. Dessen Anwälte versuchen, die Zeugin mit Screenshots von WhatsApp-Nachrichten in Bedrängnis zu bringen.

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          Bushidos Anwalt hätte am Mittwoch im Landgericht Berlin gerne verhindert, dass dessen Frau auf eine Frage antwortet. Anna-Maria Ferchichi ließ sich aber nicht aufhalten. Kurz darauf sagte sie: „Mein Mann war ein Riesenarschloch zu mir in dieser Zeit.“ Ein Anwalt des Hauptangeklagten Arafat Abou-Chaker hatte vorher den Screenshot eines WhatsApp-Verlaufes von Oktober 2014 vorgelesen.

          Sebastian Eder
          Redakteur im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.

          Anna-Maria Ferchichi hatte sich damals bei Abou-Chaker, dem Manager ihres Mannes, gemeldet. Sie schrieb, dass er ja sicher wisse, dass sie und ihr Mann getrennt seien und sie gerade bei ihren Eltern in Bremen wohne. Sie wünsche sich, dass die Trennung friedlich über die Bühne gehe – es sehe aber nicht danach aus. Abou-Chaker antwortete, dass er das „übertrieben schade“ fände, aber dafür sorgen werde, dass „alles im Guten“ geklärt werde – „alles andere werde ich nicht zulassen“. Ein paar Tage später meldete sich Ferchichi laut dem Chatverlauf noch mal bei Abou-Chaker und fragte, ob sie mit ihm telefonieren könne. Er bejahte das, woraufhin sie schrieb, dass sie nicht wolle, dass ihre Kinder zu Scheidungskindern würden. „Ich auch nicht“, antwortete Abou-Chaker.

          Mit der unangekündigten Präsentation dieses Chats wollten Abou-Chakers Anwälte einen Widerspruch in einer Aussage von Ferchichi aufdecken. Am Montag hatte sie bei ihrem ersten Auftritt vor Gericht ausgesagt, dass es sie sich von ihrem Mann im Dezember 2014 – also zwei Monate nach dem Chat – vorübergehend getrennt habe, weil der sie bei einem Streit mit Abou-Chaker nicht verteidigt habe. Abou-Chaker habe sich von 2012 an immer mehr in einen religiösen Wahn hineingesteigert, den sie als Frau zu spüren bekommen habe. Der Anwalt von Abou-Chaker fragte nach dem Verlesen der Chatnachrichten am Mittwoch: „Warum haben Sie sich aus Bremen an Ihren Peiniger gewandt?“

          „Es gab kein Leben ohne ihn“

          Bushido war am Mittwoch nicht im Gerichtssaal. Aber weil er Nebenkläger ist, konnte sein Anwalt für ihn teilnehmen. Der war von der Verlesung des Chats nicht begeistert, es gehe um das nicht öffentlich gesprochene Wort: „Da sehe ich Probleme.“ Die Echtheit der Chats könne er außerdem nicht beurteilen, weil er die Screenshots noch nicht gesehen habe. Die Verifizierung übernahm dann allerdings die Zeugin selbst, indem sie bestätigte, sich an den Chatverlauf erinnern zu können – und darauf bestand, sich dazu zu äußern.

          Sie verwies darauf, dass sie am Montag ausgesagt habe, dass die Trennung ein schleichender Prozess gewesen sei und sie sich am liebsten schon im Sommer 2014 von ihrem Mann getrennt hätte. Tatsächlich hatte sie am Montag über die Zeit vor der Eskalation Ende 2014 gesagt: „Wenn Arafat gesagt hätte, du kannst ausziehen, hätte ich mir am nächsten Tag eine Wohnung gesucht.“ Abou-Chaker habe alle wichtigen Entscheidungen für Bushido getroffen, deswegen habe sie sich auch im Oktober 2014 an ihn gewandt: „Arafat hat entschieden, wo ich hinziehe. Deswegen habe ich ihm geschrieben. Es gab kein Leben ohne ihn.“ Die Trennung Ende 2014 sei aber „nicht 100 Prozent Arafats Schuld“ gewesen. Ihr Mann sei damals eben „ein Riesenarschloch“ gewesen – auch schon vor der Eskalation im Dezember.

          Kein Platz zum Parken

          Insgesamt waren die ersten zwei Tage der Aussage von Ferchichi in dieser Woche ein gutes Beispiel dafür, wie schleppend dieser Großprozess seit fast einem Jahr abläuft: Im Verhältnis zu der großen Bedeutung, die das Gericht diesem Fall alleine durch die Anzahl der Prozesstage gibt, geht es oft um banal wirkende Kleinigkeiten. Am Montag hatte Ferchichi von ihrer Wut darauf berichtet, dass der Manager ihres Mannes mal ein größeres Auto als sie bekommen hatte, am Mittwoch erzählte sie, wie sehr sie sich darüber aufgeregt habe, dass er vor seinem Haus auf dem gemeinsamen Grundstück in Kleinmachnow einen riesigen Parkplatz hatte – während vor dem Haus ihres Mannes kein Platz zum Parken gewesen sei. Dabei hätten beide Parteien doch gleich viel Geld in das Grundstück investiert.

          Geschäftlich hatte ihr Mann laut Ferchichi grundsätzlich nichts zu sagen. „Das hat alles Arafat gemacht und ihn vor vollendete Tatsachen gestellt.“ Bushido habe sofort springen müssen, wenn Abou-Chaker angerufen habe: „Er wurde oft nur zur Belustigung einbestellt, weil Arafat ihn vorführen wollte.“ Ihr Mann habe auch als „Frauenmagnet“ gedient. Sie selbst sei von Bushido dagegen sogar im Krankenhaus alleine gelassen worden, wenn Abou-Chaker angerufen und ihn zu einem Auftritt abkommandiert habe. Der Vorsitzende Richter fragte: „Der General hat befohlen, und der Soldat ist gesprungen?“ Ferchichi antwortete: „Es war viel schlimmer.“ Abou-Chaker habe den „pathologischen“ Drang dazu, die Menschen in seinem Umfeld zu kontrollieren. „Da leiden auch seine Brüder drunter.“

          Der älteste Bruder, Nasser Abou-Chaker, der genau wie zwei weitere Brüder mitangeklagt ist, habe das tyrannische Verhalten geduldet, weil Arafat durch Bushido viel Geld in die Familie gebracht habe. Er habe dafür als einziger der Brüder wirklich finanziell mitprofitiert. Bushido und sie seien dagegen von Arafat Abou-Chaker zurechtgewiesen worden, wenn ihr Urlaub zu teuer gewesen sei. „Er hatte anscheinend einen Blick auf unsere Privatkonten.“ Sie beschrieb das als „Dagobert-Duck-Syndrom“: „Wenn man viel Geld hat, bekommt man Angst, es zu verlieren.“

          Bei ihrer Aussage ist Ferchichi jetzt im Jahr 2017 angekommen – also kurz vor der Zeit, in der sich Bushido von Abou-Chaker trennen wollte. Im Januar 2018 soll es zu einem Treffen gekommen sein, bei dem Bushido eingesperrt, bedroht und verletzt wurde. Seine Frau verständigte danach die Polizei. Für Montag ist sie wieder als Zeugin geladen.

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