Bushido sagt weiter aus : „Ich war paralysiert auf dieser Couch“
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Erst, als der sonst eher besonnene große Bruder Nasser ihn schließlich zur Mäßigung angehalten habe, habe Arafat Abou-Chaker sich beruhigt. Allerdings nur, um jene Sätze zu sagen, die schon oft zitiert worden sind, weil sie auch in der Anklageschrift aufgeführt sind: „Pass auf: Ich werde deinen Vater ficken. Dann ficke ich deine Mutter. Dann ficke ich deine Frau. Dann ficke ich deine Kinder. Und wenn ich mit denen fertig bin, dann ficke ich dich. Hast du mich verstanden, du kleiner Hurensohn?“
Ein gemeinsamer Freund habe ihn einschüchtern sollen
Vor Gericht sagt Ferchichi, diese Sätze, insbesondere über seine verstorbenen Eltern und seine Familie, hätten ihn „so sehr gekränkt und verletzt“, dass ihm die Tränen gelaufen seien: „Das war mit das Schlimmste, das er zu mir sagen konnte. Und es war auch so gemeint.“
Vier Stunden soll sich der Januarabend gezogen haben, in dessen Folge sich auch die anderen Schlüsselmomente aus der Anklage zugetragen haben sollen. „In der Hitze des Gefechts“, sagt Ferchichi, habe Arafat Abou-Chaker nach der noch teilweise mit Wasser gefüllten Flasche vor sich auf dem Tisch gegriffen und sie seinem langjährigen Partner ins Gesicht geschlagen. „Tat’s weh?“, will der Vorsitzende Richter wissen. „Naja“, antwortet Ferchichi, „es war unangenehm.“ Er tue sich allerdings mit der Antwort schwer: „Seit drei Jahren machen sich Leute darüber lustig, dass ich nur mit einer halbvollen Wasserflasche geschlagen wurde“.
Kurz darauf habe Abou-Chaker einen gemeinsamen Freund in das Büro zitiert, um Ferchichi einzuschüchtern: Veysel K., ein bekannter Gewalttäter angeblich aus dem Umfeld eines anderen Berliner Clans und ein damaliger Vertrauter Ferchichis, habe die ebenfalls schon oft zitierte Ansage bekommen: „Dieser Hund dort, das ist mein Hund. Und ich gehe mit diesem Hund Gassi. Und du wirst mit diesem Hund keinen Kontakt mehr haben.“ Allerdings habe K. sich nicht beeindrucken lassen, fast genüsslich berichtet Ferchichi, wie der Freund „wie so ein Retter in der Not“ den Abou-Chakers nicht nur Paroli geboten, sondern Arafat Abou-Chaker eine „Luftpumpe“ genannt und geradezu herausgefordert habe. K. habe ihn sogar aus seiner Zwangslage zu befreien versucht: „Niemand in diesem Raum hat dir was zu sagen: Du stehst jetzt auf und kommst mit raus.“
Nach dem Abend habe er eine Therapie begonnen
Der Gangsta-Rapper jedoch blieb sitzen. Im Gericht spricht er von Angst und davon, dass er die ganze Situation als bedrohlich und den besonnenen Nasser als seine „Lebensversicherung“ empfunden habe. Nach dem Abend begann er nach eigener Auskunft eine Psychotherapie, die er bis heute zweimal wöchentlich in Anspruch nimmt. „Ich war paralysiert auf dieser Couch“, sagt Ferchichi. Nach einer weiteren Schimpftirade greift Arafat Abou-Chaker nach einem Stuhl und wirft, Ferchichi kann sich so wegducken, dass er nicht viel abbekommt. Schließlich wird er mit der Ansage entlassen: „Du gehst nach Hause. In der Zwischenzeit wartest du wie ein Hund, welchen Preis du bezahlen wirst.“ Und wenn er diesen „Preis“ nicht bezahle, „wirst du weiter bezahlen bis an dein Lebensende“.
Anis Ferchichi sagt, noch am selben Abend habe er sich mit seiner Frau gestritten, die ihn zur Polizei habe schicken wollen. „Jeder behauptet, dass ich ein Einunddreißiger bin und mit der Polizei ins Bett gehe“, sagt Ferchichi mit Blick auf Vorwürfe aus der Rapper-Szene und dem Abou-Chaker-Umfeld, er sei ein Verräter und habe den Schutz der Polizei gesucht. Er hingegen sei überzeugt gewesen, seine „einzige Aussicht auf irgendein Herauskommen“ habe darin bestanden, die Forderungen seines langjährigen Geschäftspartners zu erfüllen – obwohl er damit rechnete, dass es um „Millionen“ gehen würde.
Seine Frau hingegen habe ohne sein Wissen noch in derselben Nacht Arafat Abou-Chaker gedroht, sie werde zur Polizei gehen und ihn und seine Brüder ins Gefängnis bringen. „Bist du noch ganz sauber?“, will Ferchichi daraufhin gesagt haben. Darauf sei er erst mal für zehn Tage nach Afrika geflogen.