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Bushido sagt weiter aus : „Er meinte, ich sei sein Eigentum“

  • -Aktualisiert am

Anis Ferchichi, bekannt als Rapper Bushido, im August 2020 beim Prozess gegen Abou-Chaker in Berlin Bild: dpa

Rapper Bushido sagt weiter gegen den Berliner Clan-Chef Arafat Abou-Chaker aus. Am Mittwoch beschrieb er ausführlich dessen Einschüchterungsversuche.

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          Für den zwölften Tag seiner Aussage gegen den Berliner Clan-Chef Arafat Abou-Chaker und dessen Brüder hatte der Rapper Bushido sein Outfit passend zum Inhalt seiner Aussage gewählt. In großen weißen Buchstaben prangte auf der Rückseite seiner schwarzen Jacke die Aufschrift „Leave me alone“. Leider konnten nur Journalisten und Zuhörer die Botschaft lesen, da die Abou-Chaker-Brüder, wie im Gerichtssaal üblich, schräg vor dem Zeugen saßen. Die vier Brüder stehen unter anderem wegen schwerer räuberischer Erpressung, Freiheitsberaubung, gefährlicher Körperverletzung, Nötigung, Beleidigung und Untreue vor Gericht. Bushido ist Nebenkläger und Zeuge in dem Prozess.

          Damit die Abou-Chakers ihn und seine Familie in Ruhe ließen, habe er Arafat im März 2018 angeboten, ihm über drei Jahre 1,8 Millionen Euro zu zahlen, berichtet Anis Ferchichi, wie Bushido mit bürgerlichem Namen heißt, am Mittwoch im Landgericht Berlin. Offiziell ging es um eine Abfindung, damit man ihn aus dem Vertrag lasse, sagt der Musiker. Aber in Wirklichkeit habe er das Angebot nur „aus Schutzzwecken“ gemacht. Er habe nie wirklich gedacht, dass Abou-Chaker, sein langjähriger Geschäftspartner, juristisch einen Anspruch auf das Geld habe. Arafat sei ein „Egomane“, der fälschlicherweise glaube, er habe Bushido groß gemacht, so Ferchichi.

          „Er meinte, ich sei sein Eigentum“

          Die 1,8 Millionen Euro scheint Abou-Chaker freilich als zu wenig erachtet zu haben. Glaubt man Ferchichis Aussagen, hatte der Clan-Boss ihn zuvor bei einem Treffen im Januar 2018 nach heftigen Auseinandersetzungen über die geschäftliche Trennung angewiesen „wie ein Hund“ nach Hause zu gehen und auf seine Anweisungen zu warten. Er habe Ferchichi gedroht, entweder akzeptiere dieser den Preis, den er ihm nenne, oder er werde bis an sein Lebensende weiter zahlen. „Er meinte, ich sei sein Eigentum, ich gehöre ihm“, erinnert sich Ferchichi im Gerichtssaal. In dem mehr als vierstündigen Treffen habe Abou-Chaker ihn bei abgeschlossener Tür beleidigt und bedroht. Man habe ihn „psychisch in der Mitte durchbrechen“ wollen.

          Besonders übel nimmt der Rapper seinem Ex-Geschäftspartner die unschöne Drohung „Ich ficke deine tote Mutter, deinen Vater, deine Frau und deine Kinder.“ Ganz ruhig habe Abou-Chaker all seine Familienmitglieder aufgezählt, berichtet Ferchichi. Da sei ihm klar geworden, dass er ihm und seiner Familie Schaden zufügen würde, sollte er sich weigern, die verlangte Summe zu bezahlen. „Bei uns im Rapbereich reicht es eigentlich, die Mutter zu beleidigen, um auszudrücken, dass man ein Problem mit jemandem hat“, erläuterte der Rapper für nicht Sachkundige. Die Aussage Abou-Chakers sei „ehrverletzend“ gewesen und habe ihm die Tränen in die Augen getrieben. Wie der Rapper bereits in früheren Anhörungen eingehend beschrieben hat, soll Abou-Chaker ihn bei demselben Treffen mit einer Wasserflasche und einem Stuhl attackiert haben. Er sei „geplatzt“ vor Wut, beschrieb Ferchichi die Situation. Die Verteidigung bezweifelt die Glaubhaftigkeit dieser Darstellung, zumal es keine weiteren Zeugenaussagen zu dem Treffen gibt.

          Anscheinend brachte nicht nur die Geldfrage Abou-Chaker in Rage, sondern auch der vermeintliche Verrat durch Ferchichi und andere ehemalige Vertraute. Bei dem Treffen sei es um Ansehen gegangen, so der Rapper. „Die Straße redet, man hört viel“, habe Nasser Abou-Chaker, einer der anderen Brüder, die in dem Prozess auf der Anklagebank sitzen, zu ihm gesagt. Arafat Abou-Chaker habe genau wissen wollen, wer sich auf Ferchichis Seite geschlagen habe. Im Gespräch ging es wohl vor allem um Veycel Kilic, einen Kindheitsfreund Abou-Chakers, und Ashraf Remmo, den Ferchichis Frau um Schutz vor dem Abou-Chaker-Clan gebeten hatte. Zu beiden habe er inzwischen keinen Kontakt mehr, so der Rapper. Er führe seit zwei Jahren ein anderes Leben, dazu passten die beiden nicht. Kilic war erst Ende Dezember nach einer Schießerei schwer verletzt ins Krankenhaus eingeliefert worden. Er war unter anderem mit einem weiteren Abou-Chaker-Bruder, Ali Abou-Chaker, unterwegs gewesen.

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