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Bundeskriminalamt-Statistik : Mehr Polizisten werden Opfer von Angriffen

  • Aktualisiert am

Die Polizei löst eine Berliner Demo auf. (Symbolbild) Bild: Laif

Laut BKA-Statistik steigt die Gewaltbereitschaft gegenüber Polizeibeamten. Besorgniserregend sei vor allem der sprunghafte Anstieg von versuchten und vollendeten Tötungsdelikten. Die Täter sind vor allem Deutsche.

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          Die Gewalt gegen Polizistinnen und Polizisten nimmt weiter zu. Mehr als 84.800 Polizeibeamte sind im vergangenen Jahr gewalttätig angegriffen worden, wie das Bundeskriminalamt (BKA) am Donnerstag in Wiesbaden mitteilte. Das seien knapp 4.500 Opfer (sechs Prozent) mehr als im Vorjahr. Die Zahl der registrierten Gewalttaten, die sich häufig gegen eine ganze Polizeistreife richteten, nahm leicht um 325 auf knapp 39.000 zu. Damit haben nach Angaben des BKA die Fall- wie auch die Opferzahl bei der Gewaltkriminalität gegen Polizeibeamte Höchstwerte erreicht.

          Besorgniserregend sei vor allem der sprunghafte Anstieg von versuchten und vollendeten Tötungsdelikten gegen Polizisten, teilte das BKA mit. 114 Beamte seien im vergangenen Jahr Opfer solcher Verbrechen geworden, 42 mehr (58 Prozent) als im Vorjahr. Bis auf einen Mord seien die Tötungsdelikte im Versuchsstadium geblieben. Auch seien deutlich mehr Polizisten Opfer von gefährlichen und schweren Körperverletzungsdelikten geworden. Ihre Zahl stieg um 469 auf 2.749, was einer Zunahme um mehr als 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Die Zahl der Polizisten, die nach der BKA-Statistik tätlich angegriffen wurden, nahm um zwölf Prozent auf mehr als 29.200 zu.

          70 Prozent der Angriffe von Deutschen

          84 Prozent der Gewalttäter gegen Polizeibeamte waren Männer, 70 Prozent Deutsche. Drei Viertel von ihnen waren bereits der Polizei bekannt. Mehr als jeder Zweite stand während der Tat unter Alkoholeinfluss. Ein Zusammenhang zwischen dem Anstieg der Gewalttaten und Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen könne allein aus den Zahlen nicht hergestellt werden.

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          In elf Bundesländern stiegen die Gewalttaten gegen Polizisten an, in absoluten Zahlen am stärksten in Berlin um 356 Fälle (elf Prozent), relativ am stärksten in Thüringen um knapp 37 Prozent (282 Fälle mehr). Rückläufige Zahlen gab es in Nordrhein-Westfalen, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und dem Saarland. Bei der Häufigkeit der registrierten Gewalttaten gegen Polizeibeamte wiesen - wie bereits 2018 und 2019 - die Stadtstaaten Berlin, Hamburg und Bremen die höchsten Belastungen im Verhältnis zur Bevölkerungszahl auf. Die geringste Belastung gab es in Hessen.

          Seit 2012 ist die Zahl der Gewalttaten gegen Polizeibeamte nach der BKA-Statistik um 20 Prozent und die Anzahl der Opfer sogar um 42 Prozent gestiegen. Auch wenn es im vergangenen Jahr aufgrund der Pandemie deutlich weniger Einsätze wegen Großveranstaltungen wie beispielsweise Fußballspiele oder Konzerte gegeben habe, habe die körperliche Gewalt gegen Polizisten zugenommen. Diese Entwicklungen verdeutlichten eine zunehmende Gewaltbereitschaft gegenüber Polizisten in der Bevölkerung, folgerte das BKA.

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