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Bundeskriminalamt berichtet : Kokain treibt die Kriminalität

  • -Aktualisiert am

Rekorde beim Kokainschmuggel: Insgesamt wurden 2019 mehr als zehn Tonnen Kokain in Deutschland beschlagnahmt. (Archivbild) Bild: dpa

Die Zahl der Straftaten im Zusammenhang mit Rauschgiften steigt kontinuierlich an. Der internationale Handel wird dabei von organisierten Netzwerken dominiert. Von einer Legalisierung mancher Stoffe hält der BKA-Präsident aber wenig.

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          Die Rauschgiftkriminalität hat in Deutschland schon im neunten Jahr in Folge zugenommen. Zu diesem Schluss kommt das Bundeskriminalamt (BKA) in seinem Lagebericht 2019, den der Präsident der Polizeibehörde, Holger Münch, gemeinsam mit der Drogenbeauftragten der Bundesregierung, Daniela Ludwig (CSU), am Dienstag in Berlin vorstellte. Vor allem die Zahl der Delikte im Zusammenhang mit Kokain stieg demnach an. So stellte der Zoll im Hamburger Hafen im Juli des vergangenen Jahres 4,5 Tonnen Kokain auf einem Containerschiff aus Uruguay sicher, die bislang größte Einzelmenge. Dieser Fund weise auf ein Überangebot an Kokain aus Südamerika hin, sagte Münch. Insgesamt wurden 2019 mehr als zehn Tonnen Kokain in Deutschland beschlagnahmt – auch das ein Rekord.

          Synthetische Rauschgifte wie Amphetamin und Methamphetamin werden zunehmend auch in Deutschland selbst hergestellt. So hob die Polizei im vergangenen Jahr 31 illegale Rauschgiftlabore aus, ein Anstieg von rund 63 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Hersteller änderten ständig die Rezeptur der Rauschgifte, was eine Identifizierung der Labore erschwere, so Münch. Vertrieben werden die Rauschgifte zunehmend über das Internet. Im Darknet wähnen Konsumenten und Vertreiber sich in anonymer Sicherheit: Bezahlt wird mit Kryptowährungen wie Bitcoin, die Rauschgifte werden per Post an Packstationen geschickt. Dadurch, dass kein persönlicher Kontakt zwischen Dealer und Käufer mehr nötig sei, falle die Hemmschwelle vieler, Rauschgifte zu kaufen, so Münch. Das Internet sei aber kein rechtsfreier Raum. Daher habe das BKA vergangenes Jahr eine eigene Abteilung für Cybercrime gegründet. Diese habe unter anderem die Online-Plattform „Chemical Revolution“ zerschlagen, einen der größten Rauschgiftvertreiber Deutschlands.

          Ludwig: Prävention ist essentiell

          Der internationale Rauschgifthandel ist nach Angaben Münchs schon lange keine Kleinkriminalität mehr, sondern wird von gut organisierten, grenzüberschreitenden Netzwerken dominiert. Außerdem ziehe der Handel mit Rauschmitteln allerlei Folgedelikte nach sich – von Geldwäsche bis hin zu Morden. Um der Lage Herr zu werden, stehe das BKA eng mit Nachbarstaaten in Kontakt.

          Neben Repression sei aber auch die Prävention von Rauschgiftkonsum essentiell, sagte Ludwig. Beides müsse Hand in Hand gehen. Der Rückgang des Handels mit Crystal Meth in den vergangenen Jahren habe gezeigt, wie erfolgreich Präventionsarbeit sein könne. Man müsse gerade mit Kindern und Jugendlichen ins Gespräch kommen, damit diese Rauschgifte ablehnten. Über Alkohol und Tabak werde ständig geredet. Man müsse aber auch die Scham ablegen, über illegale Rauschgifte zu sprechen, so Ludwig. Auch mit Suchtkranken müsse es einen offeneren Umgang geben, um einer Stigmatisierung vorzubeugen.

          Von der Legalisierung von gewissen Rauschgiften, wie zum Beispiel Cannabis, hält der BKA-Präsident wenig. Derartige Versuche in anderen Ländern hätten gezeigt, dass die Konsumentenzahlen dadurch eher ansteigen als zurückgehen würden. Bundesregierung und BKA seien allerdings im Gespräch über alternative Modelle wie die Entkriminalisierung von Rauschgiftdelikten, wie sie etwa in Portugal erfolgreich umgesetzt wurde. In der Praxis sei dies auch in Deutschland schon der Fall, sagte Münch. So sei der Besitz von Cannabis hierzulande zwar strafbar, es komme aber nur in sehr geringem Ausmaß zu Verurteilungen.

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