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Brunner-Prozess : Internist bescheinigt gesundes Herz

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Der Hauptanklagte Markus S. (Mitte) und seine Verteidiger im Gerichtssaal Bild: AFP

Dominik Brunner hatte nach Angaben seines Internisten und seiner ehemaligen Freundin, einer Ärztin, kein krankes Herz. Vor dem Münchner Landgericht ging es am Dienstag auch um die „Steuerungsfähigkeit“ des Hauptangeklagten, der nach der Tat 1,46 Promille Alkohol im Blut hatte.

          Der Hauptangeklagte im Mordprozess Dominik Brunner war nach seiner Festnahme am Münchner S-Bahnhof Solln so stark angetrunken, dass seine „Steuerungsfähigkeit unter Umständen beeinträchtigt“ gewesen sein könnte. Der damals 18 Jahre alte Markus S. habe neben Spuren von Cannabis auch 1,46 Promille Alkohol im Blut gehabt, teilte der Vorsitzende Richter Reinhold Baier am Dienstag mit. Bei der Blutentnahme zwei Stunden nach der Tat sei sein Gang sicher und das „Denkvermögen geordnet“, aber seine Sprache verwaschen gewesen. Der ein Jahr jüngere Mitangeklagte Sebastian L. war nüchtern.

          Brunners Freundin Petra P. beschrieb ihren ehemaligen Lebensgefährtin als gesund. „Er hatte keine gesundheitlichen Probleme“, sagte die 51 Jahre alte Ärztin am Dienstag vor dem Landgericht München. Er habe niemals über Herzbeschwerden geklagt. „Das hätte er mit erzählt.“ Sie habe ihn zudem nie aggressiv erlebt - „aufgeregt vielleicht, aber nie aggressiv“.

          Auch nach Angaben seines langjährigen Internisten hatte Brunner keinerlei Herzkrankheit. „Vom Herzen her war alles in Ordnung bei ihm“, sagte der Arzt Josef Bauer am Dienstag. EKG-Tests in den Jahren 1997, 2002, 2007 und zuletzt im Mai 2009 hätten eine gute körperliche Belastbarkeit und keine Auffälligkeiten gezeigt. Das Herz sei zwar „grenzwertig groß“, aber für einen Sportler normal gewesen. Herzklappen und Pumpleistung seien in Ordnung gewesen, sagte der Internist. „Wir haben niemals Medikamente verordnet.“ Brunner hatte nach bisherigen Berichten ein vergrößertes Herz und soll daher an Herzstillstand gestorben sein und nicht direkt an den Verletzungen der beiden Angreifer.

          Ein Foto des Verstorbenen Dominik Brunner

          In dem Mordprozess wirft die Staatsanwaltschaft den beiden jugendlichen Angeklagten vor, den Manager im vergangenen September am S-Bahnhof München-Solln mit Schlägen und Tritten aus Rache getötet zu haben, weil er vier Schüler vor ihnen in Schutz genommen hatte.

          Fünf Wiederbelebungsversuche

          Zwei Rettungssanitäter berichteten, sie seien am 12. September 2009 gegen 16.20 Uhr auf dem Bahnsteig in Solln eingetroffen und hätten Brunner leblos am Boden vorgefunden - ohne Atmung, ohne Puls, ohne Pupillenreflex und blau im Gesicht. Weil der Rachen blutig gewesen sei, sei eine Intubation zur Beatmung erst beim zweiten Versuch geglückt. Immer wieder sei ein Herzkammerflimmern aufgetreten, das auch mit Stromstößen eines Defibrillators nicht dauerhaft zu beheben gewesen sei. „Wir haben es etwa fünf Mal geschafft, ihn kurz wiederzubeleben“, sagte einer der Rettungssanitäter, der Medizinstudent ist. Eine Stunde lang hätten sie und wenig später ein Notarzt auf dem Bahnsteig versucht, Brunner mit Herzmassage und Beatmung zu reanimieren. Aber das Herz sei immer wieder stehengeblieben. Brunner sei nicht mehr zu Bewusstsein gekommen.

          Äußerlich habe Brunner wenig Verletzungen gehabt, sagten die beiden Zeugen. Ihnen sei Blut am Mund, zwei kleine Blutungen an der Stirn und eine Wunde am Hinterkopf aufgefallen.

          Markus S. und Sebastian L. sind angeklagt, den 50-jährigen Brunner am S-Bahnhof Solln totgeprügelt und -getreten zu haben, weil er vier Schüler vor einem Raubüberfall verteidigt hatte. Sie haben die Schläge gestanden, aber jede Tötungsabsicht bestritten. Das Urteil soll am 6. September verkündet werden.

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