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Schule in Bremerhaven : 21-Jähriger nach Armbrust-Angriff festgenommen

Einsatzkräfte sperren den Bereich um das Lloyd Gymnasium in Bremerhaven ab Bild: dpa

Ein junger Mann geht mit mehreren Waffen in eine Schule in Bremerhaven und verletzt eine Frau schwer. Den Tatverdächtigen nimmt die Polizei in Schulnähe fest.

          2 Min.

          Am Donnerstag ist in Bremerhaven ein junger Mann um kurz nach neun Uhr morgens in das Lloyd-Gymnasium eingedrungen und hat mit einer Armbrust auf eine Mitarbeiterin der Schulverwaltung geschossen. Die Schule, eine gymnasiale Oberstufe, löste unmittelbar darauf Amok-Alarm aus. Eine Schülerin berichtete der F.A.Z., dass über Lautsprecher mehrfach die Durchsage „Herr Koma, bitte kommen sie“ zu hören war. „Koma“ ergibt rückwärts gelesen das Wort „Amok“ und ist ein vereinbarter Warn-Code für die Lehrer des Gymnasiums, die sich daraufhin mit ihren Schülern in den Klassenräumen verschanzten.

          Reinhard Bingener
          Politischer Korrespondent für Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Bremen mit Sitz in Hannover.
          Philipp Johannßen
          Redakteur vom Dienst bei FAZ.NET.

          Bei dem Täter handelt es sich um einen 21 Jahre alten Mann, der nach Auskunft der Polizei bereits kurz nach der Tat, um 9.22 Uhr,  unweit der Schule in der Bremerhavener Innenstadt festgenommen werden konnte. Auf einem Video ist zu sehen, wie sich der ganz in schwarz gekleidete Mann an einer Straßenkreuzung aufhält. Neben ihm liegt seine Armbrust. Noch bevor die Einsatzkräfte eintreffen, legt der Mann sich auf den Boden und führt die Hände hinter dem Rücken zusammen, als wolle er sich bereitwillig festnehmen lassen. Die Passanten, die auf der belebten Straße vorbeigehen, waren sich der Gefahrenlage augenscheinlich nicht bewusst. Ein Mann ruckelte sogar mit seinem Fuß an der Armbrust herum. Kurze Zeit später halten Polizeifahrzeuge an der Kreuzung und der Mann lässt sich widerstandslos festnehmen.

          Die Staatsanwaltschaft teilte am Donnerstagnachmittag mit, dass der Täter insgesamt vier Waffen bei sich getragen hat: die Armbrust, eine Schreckschusswaffe sowie ein größeres und ein kleineres Messer. Beim Täter liege eine „spezielle psychische Disposition“ vor, sagte Oberstaatsanwalt Oliver Constien. Nach der Festnahme des mutmaßlichen Täters habe man in dessen „Umfeld“ Hausdurchsuchungen durchgeführt, sagte Constien. Hinweise auf die Beteiligung weiterer Täter gebe es bisher nicht. In den Stunden nach der Tat kursierten in der Hafenstadt und im Netz entsprechende Gerüchte über einen oder mehrere weitere Täter. Die Ermittlungsbehörden äußerten, die „vielen Falschmeldungen“ hätten „nicht gerade zu einer Beruhigung der Lage beigetragen“.

          Unklar ist bisher, in welcher Beziehung der mutmaßliche Täter zum Lloyd-Gymnasium sowie zum Opfer der Tat steht. Dies werde gegenwärtig geprüft, teilten die Behörden bei einer Pressekonferenz am frühen Abend mit. Der festgenommene junge Mann macht bisher von seinem Schweigerecht Gebrauch. Das Opfer wurde nach der Tat in ein Krankenhaus eingeliefert. Nach Darlegung eines Sprechers der Stadt Bremerhaven hat die ältere Frau viel Blut verloren und wurde operiert. Staatsanwalt Constien sagte, gegen den Festgenommenen werde wegen des Verdachts des versuchten Mordes ermittelt. „Wir hoffen, dass es beim Versuch bleibt und die Geschädigte diese Tat überlebt.“

          Weniger Schüler als üblich vor Ort

          Aufgrund von Abitur-Nachprüfungen hielten sich zum Tatzeitpunkt nur 140 statt der üblichen 560 Schüler und Lehrkräfte im Lloyd-Gymnasium auf. Diese mussten fast fünf Stunden in den Räumen ausharren, während Polizeibeamte und Spezialkräfte aus Bremen das Schulgelände nach weiteren möglichen Tätern durchsuchten. Erst gegen 14 Uhr gab die Polizei Entwarnung, woraufhin Schüler und Lehrer das Gebäude verlassen  durften und von Notfallseelsorgern und Rettungskräften betreuten wurden.

          Am Freitag soll es keinen regulären Unterricht am Lloyd-Gymnasium geben. Stattdessen werde es für alle Schüler und Eltern ein Angebot geben, um  über die Geschehnisse zu sprechen und diese zu verarbeiten, sagte Schuldezernent Michael Frost. Zudem ist ein psychologische Beratungshotline eingerichtet worden. Am Lloyd-Gymnasium in Bremerhaven, einer gymnasialen Oberstufe, ist am Donnerstagmorgen Amok-Alarm ausgelöst worden. Eine Frau sei schwer verletzt worden, schwebe aber nicht in Lebensgefahr, sagte ein Pressesprecher der Stadt der F.A.Z. Bei der Frau handele es sich um eine Mitarbeiterin der Schulverwaltung. Sie wurde in ein Krankenhaus gebracht. Über weitere Opfer sei den Behörden bisher nichts bekannt.

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