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Drogenschmuggel in Brasilien : Über die grüne Grenze

Brasiliens größte Verbrecherorganisation beansprucht den Norden Brasiliens für sich, der zu einer wichtigen Schmuggelroute geworden ist. Bild: dpa

Im Norden Brasiliens floriert der Rauschgiftschmuggel dank Helfern aus Venezuela. 19 von ihnen wurden nun festgenommen – sie sind mutmaßliche Mitglieder von Brasiliens größter Verbrecherorganisation.

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          Die Anklagen der Staatsanwaltschaft des nordbrasilianischen Bundesstaats Roraima gegen eine Reihe von Verbrechern lassen aufhorchen. Bei 19 der Verhafteten handelt es sich um Venezolaner. Alarmierend ist jedoch ein anderer Umstand: Sie sind alle mutmaßliche Mitglieder des Primeiro Comando da Capital (PCC), Brasiliens größter Verbrecherorganisation. Das PCC kontrolliert einen Großteil des brasilianischen Rauschgiftmarkts sowie des Exports von Brasilien nach Europa.

          Tjerk Brühwiller

          Korrespondent für Lateinamerika mit Sitz in São Paulo.

          Seit einigen Jahren beansprucht die Organisation den Norden Brasiliens für sich, der zu einer wichtigen Schmuggelroute geworden ist. Eine Folge der Territorialkämpfe mit rivalisierenden Gruppen waren mehrere blutige Massaker in Gefängnissen der Region, zwei davon in den Jahren 2016 und 2017 in einer Haftanstalt im nördlichen Bundesstaat Roraima, der an Venezuela grenzt, mit Dutzenden von Toten.

          Eine der mächtigsten Verbrecherorganisationen im Land

          Wie immer klarer wird, setzt das PCC im Kampf um die Vorherrschaft in Roraima auf Hilfe aus Venezuela. Es handelt sich bei den Venezolanern nicht um Neueinsteiger, die unter den zahlreichen Migranten rekrutiert werden, sondern in der Regel um erfahrene Kriminelle, die auch in Venezuela tätig waren oder weiterhin sind. Laut der Aussage eines der Verhafteten, der innerhalb der Hierarchie des PCC eine ansehnliche Position erlangt hat, soll sich die Zahl der Venezolaner in Diensten des PCC auf mehr als 700 belaufen. Es gibt Hinweise auf eine Zusammenarbeit zwischen dem PCC und der venezolanischen Organisation Tren de Aragua, die zu den mächtigsten Verbrecherorganisationen im Land zählt.

          Auch Mitglieder der venezolanischen Organisation Pranato wurden in den vergangenen Jahren in Brasilien aufgegriffen. Nach Angaben der brasilianischen Staatsanwaltschaft sind die meisten der Straftäter über die venezolanische Südgrenze nahe der Stadt Santa Elena de Uairén nach Brasilien gelangt. Hunderttausende Venezolaner haben diesen Grenzübergang in den vergangenen Jahren passiert, um der Krise in ihrem Land zu entkommen. Die grüne Grenze in der Region gilt als sehr durchlässig.

          Handel durch ranghohe Mitglieder der Armee

          Während der dünnbesiedelte Bundesstaat Roraima als Absatzmarkt weniger interessant sein dürfte, gilt er als immer wichtiger werdender Korridor für den Schmuggel von Waffen und Rauschgiften sowie anderer Waren. In Venezuela werden zwar kaum Drogen produziert. Allerdings hat sich der Schmuggel von Rauschgiften aus Kolumbien durch Venezuela als äußerst einfach entpuppt. Vieles deutet darauf hin, dass der Handel durch ranghohe Mitglieder der venezolanischen Armee erleichtert wird. Auch der Erwerb von großkalibrigen Waffen soll relativ einfach sein in Venezuela. Einen Hinweis auf den zunehmenden Waffenschmuggel über Roraima liefert auch die Zahl der Beschlagnahmungen von Gewehren und anderen schweren Waffen, die im vergangenen Jahr in Roraima stark gestiegen ist.

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