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Gegen illegale Rodungen : Brasilien setzt die Armee im Regenwald ein

An einer illegalen Abholzungsstelle wird ein Bagger zerstört. (Archivbild) Bild: Reuters

Die Soldaten sollen die illegale Abholzung bekämpfen, die insbesondere in Naturschutzgebieten und Indianerreservaten zugenommen hat. Die politischen Signale werden indes als widersprüchlich gewertet.

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          In Brasilien schreitet die Abholzung des Amazonas-Regenwaldes voran. Nach Angaben des Nationalen Instituts für Raumforschung (Inpe) schrumpfte die Waldfläche in den ersten vier Monaten des Jahres um 1200 Quadratkilometer, das sind 55 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Signifikant war auch der Anstieg der Abholzung in Naturschutzgebieten und Indianerreservaten. Mit dem Ende der Regenzeit im Mai nehmen die Rodungen erfahrungsgemäß weiter zu.

          Tjerk Brühwiller
          Korrespondent für Lateinamerika mit Sitz in São Paulo.

          Als Sofortmaßnahme zur Bekämpfung illegaler Aktivitäten hat die brasilianische Regierung der Armee einen Einsatzbefehl erteilt. Die „Operation Grünes Brasilien 2“ soll die Inspekteure der brasilianischen Umweltbehörde und anderer Institutionen koordinieren und unterstützen. „Ich streite einen Anstieg der Abholzung nicht ab“, sagte Vizepräsident Hamilton Mourão, der seit April dem Rat für das Amazonasgebiet vorsitzt. Er sei jedoch vom Erfolg des Militäreinsatzes überzeugt. Brasilien setzte schon im vergangenen Jahr auf die Armee, als während der Periode der Brandrodungen heftige Kritik aus dem Ausland kam. Während damals der Fokus auf der Brandbekämpfung lag, gelte die Operation nun der Bekämpfung krimineller Aktivitäten, sagte Mourão. Der Militäreinsatz werde bis Ende 2022 fortgesetzt. Den Einsatz der Armee sowie den Umstand, dass wichtige Posten in den Umweltbehörden zusehends mit Reservisten und Militärs besetzt werden, erklärte Mourão auch mit Kostengründen.

          Die politischen Signale werden indes als widersprüchlich gewertet. So liegt dem Kongress ein Gesetzentwurf vor, mit dem der Landbesitz in Amazonien geregelt werden soll. In der Vorlage sind auch umstrittene Punkte wie eine Legalisierung besetzter Staatsflächen enthalten, die laut Gesetz nicht genutzt werden dürfen. Per Dekret übertrug der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro zudem die Kompetenz über die Vergabe von Forstkonzessionen im Amazonasgebiet vom Umwelt- an das Landwirtschaftsministerium. Außerdem ist die Regierung weiter bestrebt, Indianergebiete für die wirtschaftliche Nutzung – zum Beispiel den Bergbau – zugänglich zu machen. Mourão plädierte für eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung Amazoniens, die Hand in Hand mit dem Schutz des Regenwalds gehe. Dafür brauche Brasilien Geld und Technologie aus dem Ausland.

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