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Brasilien : Drogenhändler will als Frau verkleidet aus Gefängnis fliehen

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Bei genauer Betrachtung wird deutlich, dass mit dem Gesicht irgendetwas nicht stimmt. Bild: dpa

Fast wäre Clauvino da Silva mit Latexmaske und BH verkleidet aus dem Gefängnis gelangt. Doch der große Coup scheitert an seinem ungewöhnlichen Verhalten.

          Clauvino da Silva ist bei dem Versuch gescheitert, in den Kleidern seiner Tochter aus dem Gefängnis auszubrechen. Der Rauschgifthändler sitzt in einer Haftanstalt in Rio de Janeiro eine Freiheitsstrafe von 73 Jahren und zehn Monaten ab, wie das Nachrichtenportal „G1“ berichtet. 2013 war er schon einmal ausgebrochen – durch einen Abwasserkanal. Diesmal versuchte es da Silva durch das Gefängnistor. Als seine Tochter ihn am Samstag besuchte, tauschte er mit ihr die Kleider und setzte eine Latexmaske auf. Auf dem Weg nach draußen aber wurde er von den Wärtern aufgehalten – weil er sich „verdächtig“ verhalten habe.

          Unter der Latexmaske kommt das Gesicht des Drogenhändlers Clauvino da Silva zum Vorschein.

          Auf einem von der Gefängnisverwaltung veröffentlichtem Video ist zu sehen, wie die Justizbeamten ihm zunächst die Brille und eine schwarze Perücke abnehmen und der Häftling sich dann die Silikonmaske vom Kopf zieht. Auf Frage der Wächter nennt er schließlich seinen Namen. Seine Tochter sollte den Plänen zufolge offenbar zunächst im Gefängnis zurückbleiben und sich später bei der Verwaltung melden. Gegen die 19-Jährige wird nun wegen Beihilfe zur Flucht ermittelt.

          Da Silva, seine Tochter und sieben weitere Besucher wurden von der Polizei verhört. Unter den Verdächtigen war auch eine schwangere Frau, die die Gummimaske in das Gefängnis geschmuggelt haben soll. Schwangere werden bei Besuchen in der Regel nicht durchsucht.

          Erster Ausbruch glückte

          Clauvino da Silva alias „Baixinho“ (der Kleine) soll zu dem mächtigen Verbrechersyndikat Comando Vermelho (Rotes Kommando) gehören. Bereits 2013 war er einmal aus dem Gefängnis ausgebrochen, wie die Zeitschrift „Veja“ berichtete. Damals setzte er sich gemeinsam mit 30 anderen Häftlingen ebenfalls während der Besuchszeiten durch einen Tunnel und das Abwassersystem ab. Zunächst gelang es ihm, in einer nahe gelegenen Favela unterzutauchen. Allerdings wurde er einige Wochen später abermals gefasst.

          Nach Einschätzung der Gefängnisverwaltung steht sein neuer Ausbruchversuch in direktem Zusammenhang mit einer Aktion gegen die Führungsriege des Comando Vermelho. Zuletzt waren zahlreiche Handys der Gefangenen beschlagnahmt worden, mit denen sie ihre kriminellen Aktivitäten oftmals aus der Haft weitersteuern. In einem „Akt der Verzweiflung“ habe er nun eine „ungewöhnliche Form der Flucht“ gewählt, hieß es.

          Nach dem gescheiterten Ausbruchversuch wurde „Baixinho“ nun in das Hochsicherheitsgefängnis Laércio de Costa Pelegrino verlegt. Er wird wohl nur eine Disziplinarstrafe erhalten, da er bei dem Fluchtversuch keine Gewalt anwendete. Besuch darf er jetzt aber erst einmal nicht mehr empfangen.

          Aktualisierung: Der brasilianische Häftling, der am Wochenende versucht hatte, in Frauenkleidern aus einem Gefängnis in Rio de Janeiro auszubrechen, ist am Dienstagmorgen tot aufgefunden worden. Wärter entdeckten ihn leblos in seiner Einzelzelle, wie lokale Medien unter Berufung auf die Justizvollzugsbehörden berichteten. Der verurteilte Rauschgifthändler hatte sich demnach mit einem Bettlaken erhängt. Er war in das Hochsicherheitsgefängnis Bangu1 verlegt worden, nachdem er versucht hatte, mit einer Frauenmaske und in den Klamotten seiner Tochter aus einer anderen Haftanstalt zu entkommen. Gefängniswärter enttarnten ihn jedoch und verbreiteten anschließend Videos und Fotos des verkleideten Mannes.

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