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Brandstiftung in Rhein-Main : Angst vor dem Feuerteufel

Fassungslos stehen die Feuerwehrmänner vor dem brennenden Goetheturm – ein Wahrzeichen Frankfurts komplett zerstört. Bild: dpa

Seit einem halben Jahr gehen regelmäßig Bauwerke in Frankfurt in Flammen auf. Wer macht so etwas? Und was steckt hinter diesen Taten? Wir haben eine Psychologin gefragt.

          6 Min.

          Als der Goetheturm in Flammen aufging, stand der Feuerteufel möglicherweise ganz in der Nähe und betrachtete sein Werk. Der Goetheturm. 43 Meter raffiniert aneinandergeschraubtes Holz. Die Balken so angeordnet, dass der Turm nach oben hin immer schmaler wird. Das Bauwerk im Stadtwald im Süden Frankfurts war kein Ausflugsziel von Touristen. Dorthin kamen seit Generationen die Frankfurter selbst. Eltern mit ihren Kindern, Liebespaare, Spaziergänger, die dann die 196 Stufen emporstiegen bis zur Plattform, von wo aus sie einen Blick über die Stadt hatten wie an sonst keinem anderen Ort. Eine Art Wahrzeichen war dieser Turm, und in jener Nacht zum 12. Oktober fiel er den Flammen schneller zum Opfer, als man es auch im Nachhinein überhaupt realisieren kann.

          Katharina Iskandar
          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Als die ersten Einsatzwagen der Feuerwehr wenige Minuten nach dem ersten Notruf um Viertel nach drei eintrafen, sahen sie den Turm schon von weitem brennen wie eine Fackel. Schon da wussten sie, dass an diesem historischen Holzbauwerk nichts mehr zu retten ist.

          Noch kein Täterprofil erkennbar

          Seitdem rätselt die Stadt, wer zu dieser Tat fähig war. Denn der Goetheturm war nicht der erste Brand eines besonderen Bauwerks in Frankfurt in diesem Jahr. In der Nacht zum 1. Mai ging ein Pavillon im Koreanischen Garten in Flammen auf. Einen Monat später, am frühen Morgen des 1. Junis, der Chinesische Pavillon im Bethmannpark. Beide Gebäude waren einmalig, aus Holz gebaut, standen exponiert in gepflegten Grünanlagen. Dort, wohin sich die Frankfurter zurückziehen, wenn sie Ruhe suchen in der Stadt. In der Nacht zum 3. Juli brannte ein Aussichtsturm bei Kelkheim im Taunus, nur wenige Kilometer von den Toren Frankfurts entfernt. Als schließlich der Goetheturm zerstört wurde, fragten sich nicht nur die Bürger, sondern auch die Polizei, was als Nächstes kommen könnte. Gibt es noch eine Steigerung?

          Goetheturm : „Wer nicht oben war, ist kein echter Frankfurter.“

          Die Antwort bekamen sie vor einer Woche, in der Nacht auf den 23. Oktober. Wieder in der Nacht, wieder um drei Uhr, hat ein Kindergarten gebrannt. Eine Holzkonstruktion. Die Einrichtung gehörte zur Freien Waldorfschule und lag mitten in einem Wohngebiet. Der Täter hat das Feuer an der Rückseite gelegt, die an einem kleinen, von Bäumen gesäumten Stichweg liegt. Auch diesmal war die Feuerwehr schnell vor Ort. Doch das Gebäude wurde völlig zerstört. Eine Ruine, die nur noch erahnen lässt, was dort einmal war.

          Noch ist sich die Polizei nicht sicher, ob es in allen fünf Fällen derselbe Täter war. Sie vermuten es, weil die Brände jeweils um dieselbe Uhrzeit immer an zwei bestimmten Wochentagen auf ähnliche Weise gelegt wurden. Akribisch geplant und professionell. Ein Trittbrettfahrer wäre vermutlich dilettantischer vorgegangen. Allerdings wissen sie nicht, nach wem sie suchen müssen. Ein Einzeltäter? Eine Gruppe Jugendlicher? Ein Bürger der Stadt, der mitten im Leben steht? Oder einer, der sich „abgehängt“ fühlt, am Rande dieser Gesellschaft?

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