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Brand in Ludwigshafen : Polizeischutz für Feuerwehrleute

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Feuer in Ludwigshafen: Spekulationen, Fragen und Misstrauen Bild: ddp

Nach dem Feuer in einem Ludwigshafener Mehrfamilienhaus mit neun Toten kommen neue Details ans Licht: Das Haus wurde vor dem Brand mit Nazi-Symbolen beschmiert, Feuerwehrleute stehen nun unter Polizeischutz.

          3 Min.

          Drei Tage nach dem verheerenden Feuer in einem Ludwigshafener Mehrfamilienhaus mit neun Toten gibt die Polizei auf Bitten der Feuerwehr einzelnen Feuerwehrleuten Personenschutz. Das teilte der Ludwigshafener Polizeichef Wolfgang Fromm mit. In einer Gaststätte war am Dienstag ein am Einsatz beteiligter Feuerwehrmann von einem Mann türkischer Herkunft angegriffen worden. Auch Feuerwehrfahrzeuge wurden bespuckt. Der Ludwigshafener Bürgermeister Zeiser wehrte sich gegen Vorwürfe unter anderem aus der türkischen Presse, die Feuerwehr sei zu spät am Einsatzort angekommen. Die ersten Feuerwehrleute seien nach zwei Minuten eingetroffen.

          Unterdessen haben erste Untersuchungen zur Brandursache in dem Gebäude begonnen. Die Experten konnten am Morgen erstmals das bislang extrem einsturzgefährdete Haus betreten, wie eine Sprecherin der Polizei in Ludwigshafen mitteilte. Genaue Ergebnisse der Untersuchungen werden allerdings erst in mehreren Tagen erwartet. Die Ermittler gehen sowohl dem Verdacht einer Brandstiftung als auch der Möglichkeit eines technischen Defekts als Ursache des Feuers nach.

          Verdacht der Brandstiftung

          An den ersten Untersuchungen zur Brandursache waren den Angaben der Polizei zufolge unter anderem Sachverständige des Landeskriminalamtes (LKA) und des Bundeskriminalamtes (BKA) beteiligt. Auch Spürhunde waren demnach im Einsatz. Die Untersuchungen sind ein wichtiger Teil der umfangreichen Ermittlungen zur Brandursache. Das Feuer war am Sonntagnachmittag in dem von türkischen Familien bewohnten Haus ausgebrochen.

          Ein Polizist untersucht mit einem Spürhund die Trümmer

          Der Verdacht der Brandstiftung beruht vor allem auf den Aussagen zweier Mädchen, die das Feuer überlebten. Sie bestätigten gegenüber den Ermittlern, sie hätten einen Mann im Hauseingang gesehen, der dort in einem Kinderwagen das Feuer gelegt habe. Danach sei er weggelaufen.

          Vor dem Brand von Ludwigshafen soll es nach türkischen Presseberichten rechtsradikale Drohungen gegen die türkischen Hausbesitzer gegeben haben. Die Familie sei nach ihrem Einzug in das Ludwigshafener Eckhaus von jungen deutschen Rechtsradikalen bedroht worden, meldete die Zeitung „Zaman“ unter Berufung auf Angehörige der Opfer im südosttürkischen Gaziantep. Die Ludwigshafener Familie habe die Drohungen aber nicht ernst genommen. Der Polizeisprecher wollte sich dazu nicht äußern.

          Gebäude war mit Nazi-Symbolen beschmiert

          Das weitgehend zerstörte Gebäude ist offenbar vor dem Feuer mit Nazi-Symbolen beschmiert worden. Neben dem Eingang zum einem türkischen Kulturverein im Erdgeschoss des Gebäudes findet sich zwei Mal die Aufschrift „Hass“, wobei die beiden letzten Buchstaben jeweils im Stil der SS-Runen geschrieben sind. Wie Polizeisprecher Michael Lindner erklärte, wurden die Schmierereien vor dem Brand angebracht, da das Gebäude seit dem Feuer von Polizei und Feuerwehr ringsum abgesperrt sei. Bevor der türkische Kulturverein in das Haus gezogen war, beherbergten die nun vom Kulturverein angemieteten Räumlichkeiten einen Skinhead-Treffpunkt, später dann eine normale Gastwirtschaft.

          Mehrere türkische Zeitungen berichteten zudem, dass in der Nähe des Brandortes in Ludwigshafen ein türkenfeindlicher Spruch an eine Wand gesprüht worden sei. Der Ludwigshafener Polizeisprecher bestätigte, dass dies vor mehr als einem Jahr der Fall gewesen sei.

          Türkei verfolgt Ermittlungen

          In der Türkei werden die Ermittlungen zur Brandursache mit großer Aufmerksamkeit verfolgt. Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan will am Donnerstag im Rahmen eines ohnehin geplanten Deutschlandbesuches nach Ludwigshafen kommen. Er wird dabei auch vom rheinland-pfälzischen Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) begleitet, wie ein Sprecher der Landesregierung mitteilte. Die Türkei entsandte auch türkische Experten nach Deutschland, die die Ermittlungen der deutschen Behörden begleiten sollen.

          Islamische Organisationen kritisierten Beck dafür, dass er am Montag bei einem Besuch in Ludwigshafen gesagt hatte, es gebe nach dem Stand der Ermittlungen keine Hinweise auf einen ausländerfeindlichen Hintergrund. Die Äußerungen seien „sehr verfrüht“ gewesen, weil es viele verschiedene Anhaltspunkte und Vermutungen gebe, sagte der Generalsekretär des Islamrates, Burhan Kesici, dem „Münchner Merkur“ (Donnerstagsausgabe). Der Sprecher der Türkisch-Islamischen Union (Ditib), Bekir Alboga, sagte der Zeitung, Brandstiftung auszuschließen, bevor die Ermittlungen beendet seien, sei „eine völlig falsche Botschaft an die Öffentlichkeit.“

          Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) reagierte irritiert auf kritische Äußerungen aus der Türkei an den deutschen Ermittlungsbehörden. „Es gibt für niemanden den geringsten Anlass, der deutschen Polizei zu misstrauen“, erklärte der GdP-Vorsitzende Konrad Freiberg. Die nach Deutschland entsandten türkischen Beamten seien Beobachter und könnten sich von der professionellen Arbeit der Polizei überzeugen.

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