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Talkshow-Gast: Jürgen Rudloff 2012 in Berlin bei der Sendung „Günter Jauch“ Bild: dpa

Jürgen Rudloff verurteilt : „Ein sauberes Bordell in dieser Größe ist nicht vorstellbar“

Jürgen Rudloff verstand es, den Eindruck zu erwecken, dass Prostitution ein normales Geschäft sei. Die Richter des Stuttgarter Landgerichts kamen zu einem völlig anderen Befund.

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          In den Talkshows stellte sich Jürgen Rudloff über Jahre als Bordellbetreiber mit sauberer Weste vor. Seine Bordelle in Stuttgart und Saarbrücken nannte er „Wellnessoasen“. Er verstand es, den Eindruck zu erwecken, dass Prostitution ein normales Geschäft sei und er eigentlich nur ein Zimmervermieter. In seinen Erzählungen war Prostitution nur „saubere Sexarbeit“.

          Rüdiger Soldt

          Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

          Nach 55 Verhandlungstagen kamen die Richter des Stuttgarter Landgerichts zu einem völlig anderen Befund: Sie zeichneten von den Geschäftspraktiken des seit 1979 in der Branche tätigen und wegen Raubes vorbestraften Mannes ein ernüchterndes Bild. Das Gericht wies nach, dass Rudloff mit Rockerbanden kooperierte, damit im „Paradise“ überhaupt genügend Prostituierte anwesend waren.

          Die Rocker trieben Geld ein und züchtigten die Frauen, wenn sie nicht parierten. „Ein sauberes Bordell in dieser Größe ist nicht vorstellbar“, sagte der Vorsitzende Richter am Mittwoch. Geschäftsführer eines Bordells müssten schon dann zur Verantwortung gezogen werden, wenn sie mit „Billigung von Menschenhändlern und Zuhältern“ Frauen in ein Bordell schickten; selbst dann, wenn die Betreiber von den konkreten Drangsalierungen keine Kenntnis hätten, so der Richter.

          Das Gericht verurteilte den 65 Jahre alten Rudloff und seinen 52 Jahre alten, früheren „Marketingleiter“ Michael Beretin wegen Beihilfe zu Zuhälterei und wegen Beihilfe zu schwerem Menschenhandel. Rudloff bekam eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren, sein Marketingleiter erhielt drei Jahre und drei Monate. Rudloffs ehemaligen Steuerberater verurteilte die Strafkammer zu einer einjährigen Bewährungsstrafe.

          In dem Strafverfahren wiesen Richter und Staatsanwaltschaft nach, dass in den beiden Bordellen zwischen März 2008 und Dezember 2014 mindestens 17 Prostituierte den Gewaltattacken von Menschenhändlern und Zuhältern ausgeliefert waren. Auch die Vorsitzende des Stuttgarter Prostituiertenhilfe-Vereins „Sisters“, Sabine Constabel, hält das Urteil für politisch wegweisend: „Künftig können sich Bordellbetreiber nicht mehr damit rausreden, dass sie nur Zimmer vermieten. Mit der Mär der sauberen Prostitution wurde aufgeräumt.“

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