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Bombenkoffer : Ruf nach mehr Videoüberwachung wird lauter

  • Aktualisiert am

Hamburg, Dammtorbahnhof: Ein verdächtiger Koffer wird entfernt Bild: dpa

Ein Tüte mit arabischen Schriftzeichen, weißes Pulver, das sich als Speisestärke entpuppt: Sollte mit den mysteriösen Bombenkoffern in Dortmund und Koblenz ein Anschlag vorgetäuscht werden? Nach den Vorfällen mehren sich Forderungen nach einer verstärkten Videoüberwachung.

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          Die Bombenfunde in Dortmund und Koblenz haben eine Debatte über die Sicherheit in Bahnhöfen und Zügen ausgelöst. Unionsfraktions-Vize Wolfgang Bosbach (CDU) sprach sich für mehr Videoüberwachung auf Bahnhöfen aus, um die Sicherheit weiter zu erhöhen. Unterstützung erhielt der Unionspolitiker von der Gewerkschaft der Polizei. GdP-Fachverbandschef Josef Scheuring erklärte in den Lübecker Nachrichten: „Ich bin für eine Videoüberwachung auf allen Bahnhöfen.“ SPD, FDP, Grüne und der Datenschutzbeauftragte wiesen die Forderung zurück. Nach einem Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ wurde in einem der Koffer eine Plastiktüte mit Aufdrucken in arabischen Schriftzeichen entdeckt.

          „Das Wichtigste ist, daß wir modernste Technik einsetzen und genügend Personal zur Gefahrenabwehr zur Verfügung stellen“, sagte Wolfgang Bosbach. GdP-Fachverbandschef Scheuring sprach sich zudem für den Einbau von Kameras in Zügen aus. Die Maßnahme müsse allerdings zunächst datenschutzrechtlich geklärt werden, sagte er“. Möglichkeiten zur Videoüberwachung in Reisezügen der Deutschen Bahn werden angeblich im Auftrag von Bundesinnenminister Schäuble (CDU) schon seit längerem geprüft. Die Studie stehe nicht in Zusammenhang mit den aktuellen Bombenfunden, heißt es in einem Bericht der „Ruhr-Nachrichten“. Die SPD und der Bundesbeauftragte für den Datenschutz, Peter Schaar, lehnen eine solche verschärfte Überwachung ab.

          Sollte eine falsche Spur gelegt werden?

          Die in den Bombenkoffern entdeckte Tüte stammt nach ersten Erkenntnissen der Ermittler aus der libanesischen Hauptstadt Beirut. Die Generalbundesanwältin will sich zu diesen Informationen bisher nicht äußern. Die Bundesanwaltschaft wie aber Berichte zurück, nach denen ein terroristischer Hintergrund eher unwahrscheinlich sei und erklärte, sie ermittle weiter in alle Richtungen. Unklar sei den Fahndern, wie der Fund der Plastiktüte einzuschätzen ist. Es können sich auch um eine Finte handeln.

          Entdeckt wurde ei den Ermittlungen auch die Fahnder ein weißes Pulver, mit dem die Täter möglicherweise einen Giftanschlag vortäuschen wollten. Ein Sprecher der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe bestätigte Medienberichte, wonach eine Tüte mit Speisestärke entdeckt wurde. Die Bundesanwaltschaft gebe aber „keine Bewertung“ des Fundes ab. Sie werde sich nicht an Spekulationen zum Zweck des Pulvers beteiligen. Nach den Terror-Anschlägen vom 11. September 2001 auf das damalige World Trade Center in New York hatten Unbekannte weltweit Päckchen mit dem Milzbranderreger Anthrax verschickt, der in weißer Pulverform vorkommt. Trittbrettfahrer hatten zudem vor allem in den Vereinigten Staaten auch harmloses weißes Pulver verschickt, um einen Anschlag vorzutäuschen.

          Die Bundesanwaltschaft ermittelt wegen der in zwei Regionalzügen in Dortmund und Koblenz gefundenen Sprengsätze weiterhin gegen unbekannt wegen eines möglichen terroristischen Hintergrunds. Unklar ist aber nach wie vor, ob ein Terroranschlag oder eine Erpressung der Bahn geplant war. Möglicherweise handelt es sich auch um die Tat eines verwirrten Menschen.

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