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Aufregung in Bolivien : Elfjährige vergewaltigt – Kirche verhindert Abtreibung

„Kinder sind keine Mütter“: Demonstrantinnen vor dem Krankhenhaus in Santa Cruz, in dem die Elfjährige behandelt wurde. Bild: EPA

In Bolivien vergewaltigt ein 61 Jahre alter Mann eine Elfjährige. Sie wünscht sich zunächst eine Abtreibung. Dann aber stimmen Kirchenvertreter das Kind um. Der Fall wühlt das Land auf.

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          Ein Dreivierteljahr muss sie das Grauen ertragen. So lange lebt sie bei dem 61 Jahre alten Vater ihres Stiefvaters. Erst als ihre Tante von dem Missbrauch erfährt, entkommt sie ihrem Peiniger. Da ist sie schon schwanger, von ihm. Und das bereits seit mehr als fünf Monaten.

          Tim Niendorf
          Politikredakteur.

          Der Fall erschüttert Bolivien und ein Streit entflammt entlang einer Frage, die das religiöse südamerikanische Land spaltet: Soll das Mädchen abtreiben, oder nicht? 

          Die Elfjährige selbst entscheidet sich zunächst für die Abtreibung, und auch ihre Mutter ist einverstanden. Dann aber melden sich katholische Kirchenvertreter bei der Familie, suchen das Gespräch und versuchen, Mutter und Tochter umzustimmen. „Die einzige Lösung ist es, die beiden Leben mit Liebe zu retten, zu schützen und zu unterstützen“, sagen sie. Niemand dürfe zu einer Abtreibung gezwungen werden, auch nicht angesichts des Missbrauchs, lässt die bolivianische Bischofskonferenz mitteilen. Aktivistinnen sind da anderer Meinung. „Kinder, nicht Mütter“, rufen sie in Santa Cruz vor dem Krankenhaus, aus dem das Mädchen nach einer Untersuchung schließlich entlassen wird. „Der Vergewaltiger wird belohnt“, sagt eine Demonstrantin. Und das Mädchen, das noch sein ganzes Leben vor sich habe, werde bestraft. Es fehle an Solidarität mit ihr, und auch an Empathie.

          Peiniger sitzt im Gefängnis

          Am Ende setzt sich wohl die katholische Kirche in Bolivien durch. Die Familie des Mädchens, sagt ein Kirchenvertreter, habe eingewilligt, die Schwangerschaft aufrechtzuerhalten. Die Kirche werde ihr Versprechen erfüllen, das Mädchen medizinisch und psychologisch zu unterstützen. „Das Leben hat gewonnen.“

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          Dieser Sichtweise widersprechen nicht nur die Demonstrantinnen. Auch Innenminister Eduardo del Castillo kritisiert die Rolle der Kirche in dem Fall, ohne die Institution beim Namen zu nennen. „Wenn ein elfjähriges Mädchen gezwungen wird, ein Kind zur Welt zur bringen, das Ergebnis einer Vergewaltigung ist, werden alle seine Rechte verletzt“, schreibt er auf Twitter.

          Das Mädchen, auf das ganz Bolivien gerade blickt, ist mittlerweile in einer kirchlichen Unterkunft untergebracht. Sein Peiniger sitzt im Gefängnis. Erst vor wenigen Jahren war auch die Schwester der Elfjährigen missbraucht worden, in diesem Fall von ihrem leiblichen Vater, der ebenfalls im Gefängnis sitzt.

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