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Bodenfelde : Jan O. plante weitere Morde

  • -Aktualisiert am

„Jeden Tag eins bis mich erwischen” - Jan O., mit verdecktem Kopf, wird zum Amtsgericht geführt Bild: dapd

Das Internet spielte nicht nur eine wichtige Rolle bei der Kontaktanbahnung, der mutmaßliche Doppelmörder von Bodenfelde brüstete sich mit seiner Tat sogar im Netz. Die Polizei prüft, ob der Beschuldigte auch für andere Morde in der Region verantwortlich ist.

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          Der wegen Doppelmordes an zwei Jugendlichen verhaftete Jan O. hat eines seiner Verbrechen im Internet kommentiert, wie ein Polizeisprecher am Donnerstag bestätigte. Nach Berichten der „Hannoverschen Allgemeinen“ soll er auf seiner mittlerweile gesperrten Seite im Netzwerk Facebook geschrieben haben: „Gestern Mädchen geschlachtet“. Er habe zudem mit den Worten „Jeden Tag eins bis mich erwischen“ weitere Opfer angekündigt. Der Leiter der Northeimer Kriminalpolizei, Andreas Borchert, sagte, alles deute darauf hin, dass er weiter gemacht hätte; dafür gebe es objektive Hinweise. Schon zuvor hatte Borchert gesagt, Jan O. habe „das Potential zum Serienmörder“. Kurz vor dem Mord an Tobias habe der Tatverdächtige zudem weitere Jugendliche angesprochen. „Er hat immer mal wieder Kontakte versucht, ohne dass es zu tragischen Folgen gekommen ist.“

          Die Polizei prüft derzeit, ob der Verhaftete möglicherweise für andere Taten in der Region oder früher an anderen Orten verantwortlich sei. Der 26 Jahre alte arbeitslose O. will sich erstmals an diesem Freitag zur Sache einlassen, möglicherweise, so sein Verteidiger, in Form eines Geständnisses. Er ist dringend verdächtig, Anfang vergangener Woche die 14 Jahre alte Nina und am Samstag den 13 Jahre alten Tobias in ihrem Heimatort Bodenfelde erstochen und erwürgt zu haben. Nina wird an diesem Freitag, Tobias am Samstag beigesetzt. Als Tatmotiv sieht der Haftrichter Mordlust - was als seltenes Tatmotiv für schwere Gewaltverbrechen gilt. Als Mordlust bezeichnet die Justiz, wenn ein Täter im Tötungsvorgang selbst Befriedigung findet, wobei die Opfer austauschbar sind. Jan O., der psychologisch untersucht werden soll, kannte offenbar vor der ihm zugeschriebenen Tat weder Nina noch Tobias.

          Erzieher kamen nicht zurecht mit ihm

          In mehreren sozialen Netzwerken suchte O. gezielt nach Mädchen im Alter zwischen zehn und 16 Jahren, die „mehr als nur quwatschen“ wollten - seine Zeilen sind von Rechtschreibfehlern durchzogen. Sich selbst nennt er „stolzer arbeitslohser“, aber auch „Rentner“.

          Die versiegelte Eingangstür zur Wohnung des mutmaßlichen Täters
          Die versiegelte Eingangstür zur Wohnung des mutmaßlichen Täters : Bild: dapd

          Schon in der Sonderschule in seinem Heimatort Uelzen und später in zahlreichen Erziehungsheimen kamen die Eltern, seine Großmutter und die Erzieher mit ihm nicht zurecht. Er fiel aber nur wegen häufiger Diebstähle auf, niemals wegen Gewaltdelikten. Nach einer Einweisung in eine geschlossene Drogenentziehungseinrichtung nahe Bodenfelde galt er zu Jahresbeginn zunächst als „ausreichend stabilisiert“, wurde dann aber rasch mit Alkohol, Rauschgift und Diebstählen rückfällig. Nach einer Verurteilung zu einer Haftstrafe wegen Eigentumsdelikten war er auf Bewährung frei.

          Die 46 Jahre alte Mutter des mutmaßlichen Mörders, die nach eigenen Angaben in psychiatrischer Behandlung ist, sagte der „Allgemeinen Zeitung“ Uelzen, in ihrer Ehe sei Gewalt Alltag gewesen. Jans Vater habe sie vor dessen Augen immer wieder geschlagen. „Ich will seine Taten nicht entschuldigen, aber mein Sohn ist auch ein Opfer“, sagte sie. „Ich hasse ihn nicht, ich stehe zu ihm - egal, was er getan hat.“ Der Vater dagegen sagte, er sei schon früher mit seinem Sohn nicht fertig geworden, Jan habe schon in der zweiten Klasse Mitschüler geschlagen. Die Ehe der Eltern wurde schon vor Jahren geschieden.

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