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Blume als Rauschmittel : Hortensien-Diebstahl in großem Stil

  • -Aktualisiert am

Begehrtes Diebesgut: Der Hortensie wird Rauschwirkung nachgesagt Bild:

Im Raum Hannover werden Hortensien aus Gärten geklaut. Die Diebe wollen offenbar Blüten und Blätter rauchen, denn dem Strauchgewächs wird Rauschwirkung nachgesagt. Jetzt ermittelt die Polizei.

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          Frühlingsgefühle machen offenbar auch vor Kleinkriminellen nicht halt. Die Polizei in der Wedemark bei Hannover beschäftigt sich in diesen Tagen mit Blumendieben. Aus Gärten und Vorgärten der Gemeindeteile Elze, Mellendorf und Brelingen verschwanden Hortensien. Mehr als 60 Fälle wurden im Laufe einer Woche beim Kommissariat Mellendorf zur Anzeige gebracht. Gestohlen wurden Äste, Zweige und bisweilen ganze Pflanzen der Blume, die im 18. Jahrhundert aus Asien nach Europa kam – und jetzt neu entdeckt wird.

          Die Behörden diagnostizieren allerdings keine neue Zuneigung zum nostalgischen Flair des lila, weiß oder blau blühenden Strauchgewächses. Vielmehr machen sie die Rauschwirkung, die der Hortensie nachgesagt wird, verantwortlich. „In der Marihuana-Szene scheint sich das Gerücht zu halten, dass Triebe, Blüten und Blätter der Hortensie beim Rauchen eine Wirkung entfalten, die der von THC ähnelt“, sagt ein Sprecher des Landeskriminalamts in Hannover. Wichtiger als das vielleicht entstehende Glücksgefühl ist der Polizei der Hinweis auf mögliche Schädigungen: „Das Verbrennen der Hortensie setzt hochgiftige Blausäuren frei.“ Auch Beklemmungszustände und zentralnervöse Störungen könnten nach dem Konsum auftreten.

          Hortensien werden schon seit den neunziger Jahren geklaut

          Der Diebstahl von Hortensien kommt immer wieder vor. Das Phänomen ist den Behörden seit Ende der neunziger Jahre bekannt. „Schon vor zehn Jahren wurde der Diebstahl von Trieben in Niedersachsen und Schleswig-Holstein gemeldet“, sagt der Polizeisprecher aus Hannover. „Aber es wurde kein flächendeckendes Problem daraus.“

          Das brandenburgische Rathenow zum Beispiel fiel dem Blumendiebstahl vor knapp acht Jahren zum Opfer. Udo Schaller erinnert sich. Noch am Vorabend habe er sich mit seiner Frau darüber beraten, wie man mit der Hortensie verfahren solle, bevor mit dem Winter der Frost komme. Am nächsten Morgen hätten dann etliche Zweige gefehlt, seine Frau habe ihn gefragt, was denn mit den Pflanzen passiert sei. „Wir sind zwar schon ein paar Jahre verheiratet, aber wir reden noch miteinander. So wurde uns bald klar, dass Diebe dahinter stecken mussten.“

          Strafe für Hortensien-Diebstahl: Rasenmähen

          Auch die Nachbarn waren betroffen, überall in der Stadt sollen die Hortensien gefehlt haben. Es habe viel Aufregung gegeben, ein Dieb sei jedoch nie überführt worden, und nach dieser einen Saison sei in Rathenow wieder Ruhe eingekehrt.

          Davon ist die Gemeinde Wedemark noch weit entfernt. Nachdem die „Hannoversche Allgemeine Zeitung“ über den Blumenklau in großem Stil berichtet hatte, kündigte ein Leser auf der Internetseite der Zeitung an, von nun an hinter seinen Büschen Stellung zu beziehen: „Aber wehe ich erwische einen!“ Für diesen Fall droht er damit, dass es die beliebten Zweige bei ihm nur gegen Gegenleistung gibt: Rasenmähen.

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