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Bistum Speyer : Pfarrer aus Nigeria nach Anfeindungen vom Amt abgezogen

  • Aktualisiert am

Der Speyerer Dom: Das Bistum musste seinen aus Nigeria stammenden Pfarrer abziehen, da es zu massiven Anfeindungen gegen ihn kam. Bild: dpa

Einbrüche, zerstochene Autoreifen, vermutlich rassistische Anfeindungen und eine Morddrohung haben den Pfarrer Patrick Asomugha und seine Gemeinde veranlasst, sein Amt aus Sorge um seine Gesundheit niederzulegen. Asomugha kommt aus Nigeria.

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          Das Bistum Speyer hat den katholischen Priester Patrick Asomugha nach wiederholten, massiven Anfeindungen und einer Morddrohung von seinem Amt als Administrator der Gemeinde Queidersbach abgezogen. Die Entscheidung sei gemeinsam mit dem Priester getroffen worden, teilte Generalvikar Andreas Sturm am Freitag mit. Er solle nun eine andere Aufgabe in dem Bistum übernehmen. „Die Sorge für den Schutz und die Gesundheit von Pfarrer Asomugha macht diesen Schritt unumgänglich“, so das Bistum Speyer.

          Asomugha, der aus Nigeria kommt und die Pfarrei Heiliger Franz von Assisi seit 2017 leitete, werde die Pfarrei bis Montag verlassen. „Es wäre unverantwortlich, Pfarrer Asomugha weiterhin der Bedrohung auszusetzen“, begründete Sturm die Entscheidung. „Ich kann unter diesen Umständen meinen Aufgaben als Pfarrer in Queidersbach nicht mehr nachkommen“, erklärte Asomugha dazu selbst, auch wenn er dies bedaure. „Die Angriffe gegen meine Person machen es nahezu unmöglich, in Queidersbach ein normales Gemeindeleben zu führen.“

          Zuletzt hatten laut Bistum im März Unbekannte eine Morddrohung auf dem Garagentor des afrikanischen Pfarrers hinterlassen. Kurz darauf wurden zwei Glasflaschen mit mutmaßlich alkoholischem Inhalt vor der Eingangstür des Pfarrhauses zertrümmert, in dem Asomugha im Obergeschoss wohnt. Seit Mitte vergangenen Jahres gab es immer wieder Anfeindungen gegen ihn: Zweimal wurde in das Pfarrhaus eingebrochen – mit erheblicher Sachbeschädigung. Im Herbst wurden die Reifen von Asomughas Autos zerstochen.

          Die Ermittlungen der Polizei dauern dem Bistum zufolge an. Das Polizeipräsidium Westpfalz nimmt die Drohungen ernst. „Ereignisse in der Vergangenheit zeigen ja, dass bereits Straftaten begangen wurden“, sagte ein Sprecher der Sicherheitskräfte in Kaiserslautern am Freitag der Deutschen Presse-Agentur.

          Asomugha soll im Laufe des Sommers eine neue Aufgabe im Bistum Speyer übernehmen. Der Pfarrer hatte in den vergangenen Monaten immer wieder zur Versöhnung aufgerufen. Im Oktober gab es in Queidersbach einen Solidaritätsgottesdienst, bei dem rund 600 Menschen ein Zeichen gegen Rassismus setzten. Der Diözesanvorstand des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) Speyer äußerte sich erschüttert über den Vorfall. Bei den Bedrohungen Asomughas habe es sich wohl um rassistisch motivierte Taten gehandelt. Man sei darüber entsetzt, dass Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe, Herkunft oder sonstigen Eigenschaften aus Angst ihren Beruf nicht mehr ausüben könnten oder ihre Stelle verlassen müssten. „Wenn das in unserem kirchlichen Kontext geschieht, schämen wir uns zutiefst. Jede Form von psychischer und physischer Gewalt gegen Menschen verurteilen wir“, hieß es in einer am Freitag verbreiteten Mitteilung. In der Kirche und der Gesellschaft dürfe es keinen Platz für Rassismus geben.

          Die katholische Deutsche Bischofskonferenz bestätigte dem Evangelischen Pressedienst, dass es auch in anderen deutschen Bistümern ähnliche Fälle von Rassismus gegen katholische Pfarrer anderer Herkunft und Hautfarbe gegeben habe. Über zentrales Zahlenmaterial verfüge die Bischofskonferenz aber nicht, Informationen könnten nur die einzelnen Bistümer und Erzbistümer liefern, sagte Sprecher Matthias Kopp.

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