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Erfurt : Missbrauch in Kirche – Jurist soll für Bistum Akten prüfen

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Insgesamt 30 Ordner mit zusätzlichen Akten sollen in Erfurt durchgearbeitet werden. Bild: dpa

Im Zuge der Missbrauchsaufarbeitung im Bistum Erfurt soll ein unabhängiger Jurist zusätzliche Akten zu Geistlichen analysieren. Darunter sollen auch Protokolle und Beschwerdebriefe fallen.

          Das Bistum Erfurt lässt im Zuge seiner Missbrauchsaufarbeitung zusätzliche Akten in umfangreicherem Maße von einem unabhängigen Juristen überprüfen. Bischof Ulrich Neymeyr beauftragte den 71 Jahre alten pensionierten Oberstaatsanwalt Franz Trost aus Fulda, alle über die Personalakten hinausgehenden Akten mit personenbezogenen Angaben zu Geistlichen zu analysieren, wie die bischöfliche Pressestelle am Dienstag mitteilte. Die Personalakten waren bereits im Zuge der im September veröffentlichten Studie der Deutschen Bischofskonferenz über den sexuellen Missbrauch Minderjähriger durch Kleriker erfasst worden.

          Anlass für die zusätzliche Aktendurchsicht war der im Dezember bekannt gewordene Fall eines Priesters aus dem Bistum Erfurt, dem mehrfacher sexueller Missbrauch eines Minderjährigen vorgeworfen wird. In seiner Personalakte gab es laut Bistum keine Hinweise dazu, allerdings fand sich außerhalb eine Aktennotiz des damaligen Personalverantwortlichen aus dem Jahr 1989 über Vorwürfe, der Priester habe „homosexuelles Verhalten Jugendlichen gegenüber“ gezeigt. Das Bistum erstattete Anzeige. Während das staatliche Verfahren im Januar wegen Verjährung eingestellt wurde, läuft das kirchliche Verfahren noch.

          „Ich will Klarheit. Das schulden wir den Opfern sexuellen Missbrauchs“, begründete Neymeyr seinen Entschluss, zusätzliche Akten prüfen zu lassen. Dabei handelt es sich um sogenannte Nebenakten der Personalverantwortlichen, insgesamt 30 Ordner. Sie enthalten Materialien, die keinen Eingang in die Personalakte gefunden haben, etwa Beschwerdebriefe, Bittgesuche, Protokolle, Durchschläge, Schriftverkehr, Gesprächsnotizen. Was in die Nebenakte und was in die Personalakte Eingang findet, entscheidet jedes Bistum selbst. Dazu gibt es innerhalb der Deutschen Bischofskonferenz bisher kein Standardverfahren. Die Forscher der bundesweiten Missbrauchsstudie hatten diesen Umstand als Manko kritisiert.

          Auf dem Gebiet des 1994 gegründeten Bistums Erfurt sind bislang zehn Priester bekannt, die im Zeitraum von 1946 bis 2014 Kinder und Jugendliche sexuell missbraucht haben. Bei den Betroffenen handelt es sich um zehn Jungen und zwei Mädchen, die zum Tatzeitpunkt zwischen acht und 20 Jahre alt waren. Die Mehrzahl der Taten wurde bis 1980 verübt.

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