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Große Razzia im Ruhrgebiet : Nadelstiche in der Nacht

Es handele sich um die bisher größte Razzia gegen kriminelle Familien-Clans in Nordrhein-Westfalen, sagt Innenminister Herbert Reul (CDU), der sich an diesem Abend nicht nur in Bochum, sondern auch in Duisburg und – tief in der Nacht – dann auch in der Essener Diskothek „Essence“ persönlich ein Bild vom Einsatz macht. Essen gilt neben Bremen und Berlin als Hochburg krimineller libanesisch-türkischer Großfamilien. Die Straftaten reichen von Schutzgelderpressung über Geldwäsche und Rauschgiftkriminalität bis hin zu schweren Gewaltdelikten mit Schusswaffengebrauch. „Wir senden heute wieder einmal eine klare Botschaft“, sagt der von einer Traube von Kamerateams umringte Reul. „Bei uns gilt nicht das Gesetz der Familie, sondern das Gesetz des Staates.“ Kriminelle Clan-Mitglieder sollten merken, dass der Staat sie nicht in Ruhe schalten und walten lasse. „Zu keiner Zeit und an keinem Ort.“

Die Großrazzia passt gut zur Nulltoleranz-Strategie, welche die schwarz-gelbe Landesregierung seit ihrem Amtsantritt im Sommer 2017 verfolgt. Dabei arbeiten die nordrhein-westfälischen Strafverfolger auch intensiv mit anderen Landesbehörden zusammen. Im Oktober ging die Polizei in einem Großeinsatz in Nordrhein-Westfalen und Sachsen gegen Mitglieder eines Seitenarms des Miri-Clans vor. Drei Clan-Mitglieder wurden im Ruhrgebiet festgenommen, ein vierter Mann, der sich als „Patron“ bezeichnet, wurde in Auerbach im Vogtland gefasst. Die Ermittler werfen den vier Brüdern vor, gewerbs- und bandenmäßig mit Kokain und Marihuana gehandelt zu haben. Bei der Durchsuchung im Ruhrgebiet und in Sachsen stieß die Polizei auf mehrere Kilogramm der beiden Drogen.

Auf Rückschläge müsse man sich einstellen

Wie groß die Herausforderungen sind, vor denen die Sicherheitsbehörden im Kampf gegen Familienbanden stehen, hatte Innenminister Reul erst im Dezember deutlich gemacht. Das Treiben von 50 kriminellen Clans in Nordrhein-Westfalen, deren Kontakte nach Erkenntnissen des Landeskriminalamts bis nach Bremen, Berlin und Skandinavien reichen, besorge ihn „extrem“, ihr Agieren sei ein „frontaler Angriff auf den Rechtsstaat“. Vergangene Woche setzte Justizminister Peter Biesenbach (CDU) wie schon zuvor in Duisburg auch in Essen Sonderstaatsanwälte gegen Clan-Kriminalität ein.

Kernaufgabe der beiden neuen Essener Sonderstaatsanwälte soll es sein, die Finanzquellen der kriminellen Großfamilien auszutrocknen. Die zwei Essener Sonderstaatsanwälte arbeiten nicht nur mit der Polizei, der Steuerfahndung, dem Zoll und kommunalen Behörden, sondern auch mit der Zentralstelle für Vermögensabschöpfung bei der Generalstaatsanwaltschaft Hamm zusammen.

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Am Samstagabend betont Innenminister Reul, man dürfe nicht alle Mitglieder von Clans unter Generalverdacht stellen. „Selbstverständlich gibt es in diesen Familien auch viele rechtschaffene Leute. Und es gibt Leute, die vom kriminellen Tun genug haben. Diesen sollten wir in Zukunft auch Ausstiegsangebote unterbreiten.“ Wichtig sei ein langer Atem im Kampf gegen kriminelle Clans. „Das muss kontinuierlich laufen, nachhaltig, eine Show bringt uns gar nichts.“ Auch auf Rückschläge müsse man sich einstellen.

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