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Betrugsfälle : Bahn geht gegen „Schlepper“ mit Bayern-Ticket vor

  • Aktualisiert am

Zieht Betrüger an: das Bayern-Ticket Bild: dpa

Jedes Jahr verliert die Bahn durch Betrügereien mit ihrem Bayern-Ticket eine halbe Million Euro. Mit Zivilstreifen versucht das Unternehmen, Verstöße zu ahnden.

          Betrügereien mit dem Bayern-Ticket kosten die Bahn nach eigenen Schätzungen jedes Jahr mindestens 500.000 Euro. Hintergrund sei ein „bundesweites Phänomen mit wechselnden regionalen Schwerpunkten“, erklärten die regionalen Pressestellen der Bahn auf Nachfrage. Die von der Bahn als „Schlepper“ bezeichneten Betrüger nutzen eins der Länder-Tickets mehrfach mit immer anderen Mitfahrern und kassieren so immer wieder Geld.

          Eigentlich können mit einem Bayern-Ticket bis zu fünf Reisende einen Tag lang mit Nahverkehrszügen durch Bayern fahren - die Mitfahrer dürfen aber im Laufe der Reise nicht getauscht werden. Das Unternehmen setzt nun verdeckte Ermittler gegen die Betrüger ein. Fahrgastschützer kritisieren dies.

          Bundesweite Zahlen hat die Bahn bisher nicht – vergleichbare Tickets gibt es aber auch in anderen Ländern. Die Bahn geht davon aus, dass in Bayern etwa 30 bis 50 sogenannte Schlepper aktiv sind, wie Reinhard Saß von DB Regio am Mittwoch in München sagte. Laut dem Unternehmen nehmen die Betrüger jeden Tag, an dem sie im Einsatz sind, etwa 100 Euro ein.

          „Mittel sehr drastisch“

          Die verdeckten Ermittler von DB Sicherheit und DB Regio heften sich an die Fersen der Betrüger. Nach der ersten legalen Fahrt mit einer Reisegruppe machen sich die Schlepper mit neuen Mitfahrern auf die nächste Reise. Bei der Fahrkartenkontrolle im Zug schlagen die Zivilstreifen zu: Bei bisher elf Einsätzen wurden acht Schlepper und 18 Mitfahrer geschnappt. Die Täter wurden wegen Betrugs angezeigt und bekamen Hausverbot für alle Bahnhöfe in Bayern. Die Mitfahrer mussten 40 Euro für das Schwarzfahren bezahlen.

          Heidi Tischmann vom Verkehrsclub Deutschland sieht den Einsatz der Zivilstreifen kritisch: „Die sind gezwungen, hart durchzugreifen, weil sie selbst unter Beobachtung stehen.“ Für Kulanz sei kein Platz. Die Bahn müsse zwar einschreiten, wenn es Betrugsversuche gebe, sagte der Sprecher des Fahrgastverbandes Pro Bahn, Gerd Aschoff. Aber: „Es entsteht der Eindruck, dass die Mittel doch sehr drastisch sind.“

          In Bayern seien die Bayern-Ticket-Betrüger bis vor gut einem Jahr kein Thema gewesen. „Es gibt Kollegen in anderen Regionen, die das schon sehr viel länger angegangen sind“, sagte Bahn-Mitarbeiter Saß. „In Schleswig-Holstein explizit gab es das schon viel früher.“ Aufmerksam wurde die Bahn in Bayern durch Medienberichte sowie Hinweise von Mitarbeitern und Kunden, die sich über die Schlepper beschwerten.

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