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Betrugsmasche : „Sie haben gewonnen! Zahlen Sie jetzt!“

Die Betrüger weiten ihre Taktik am Telefon aus. Bild: dpa

Der „Enkeltrick“ wird vom „Falschen Polizisten“ abgelöst: Betrüger fordern Rentner immer öfter am Telefon auf, Geld für nicht existierende Ermittlungsarbeiten zu zahlen. Es ist nicht die einzige Masche, mit der Kriminelle Erfolg haben.

          Angst oder Freude – mit diesen beiden Gefühlen ködern Betrüger am Telefon ihre zumeist betagten Opfer. War bis vor einiger Zeit der „Enkeltrick“ die am weitesten verbreitete Masche, so wurde diese längst vom „Falschen Polizisten“ abgelöst. Unter diese Betrugsmasche fallen auch angebliche Rechtsanwälte oder Notare. Oft werden Senioren mehrmals von derselben Tätergruppe durch aufeinander aufbauende Taktiken betrogen: zum Beispiel zunächst mit falschen Gewinnversprechen und dann durch den Anruf eines falschen Bankmitarbeiters, der sich zu der „betrügerischen“ Überweisung aus dem Gewinnspiel äußert und weitere Gebühren verlangt.

          Karin Truscheit

          Redakteurin im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Später kann sich dann ein Täter im Gespräch auf eine Strafanzeige beziehen, die das Opfer wegen dieses Betrugs vielleicht gestellt hat. Für die Festnahme „weiterer Täter“ wird dann nochmals Geld verlangt. Die Netzwerke der Täter, die mit der „Gewinnspiel“-Masche vorgehen, sind laut Polizei oft in der Türkei zu finden. Das Geld soll auf in- oder ausländische Konten überwiesen werden, über Anbieter für Bargeldtransfers oder auch durch sogenannte Bezahl-Code-Systeme. Das Münchner Polizeipräsidium hat nun einige Fälle veröffentlicht, um abermals über die Taktik der Täter zu informieren.

          Rentner sollen für „Polizeiarbeit“ zahlen

          Am 9. Oktober dieses Jahres wurde in München gegen elf Uhr vormittags eine 77 Jahre alte Rentnerin von zwei Männern angerufen, die sich als Notare ausgaben. Sie sagten der Frau, dass sie bei einem Preisausschreiben den zweiten Platz belegt und mehr als 100.000 Euro gewonnen habe. Um die Gebühren für den Gewinn zu bezahlen, sollte sie mehrere tausend Euro in die Türkei überweisen – was sie auch tat. Ebenso wie eine 81 Jahre alte Münchnerin. Am 16. Oktober erhielt sie den Anruf eines „Polizeibeamten“. Nach dessen Worten wurde ein Einbrecher festgenommen, der einen Zettel mit ihrem Namen bei sich trug. Damit die Polizei einen „weiteren Täter in der Türkei“ fassen könne, sollte sie zweimal einen Betrag von mehr als tausend Euro in die Türkei überweisen. Auch sie überwies das Geld.

          Die Variante „Strafanzeige“ stellte die Münchner Polizei in folgendem Fall fest: Ein 70 Jahre alter Rentner hatte im Jahr 2014 Anzeige erstattet, da er Opfer eines Betrugs geworden war. Drei Jahre später, am 24. Oktober dieses Jahres, rief ihn nun ein „falscher Polizist“ an. Der „Beamte“ sagte ihm, dass es schon zu Festnahmen gekommen sei und er nun auch noch dabei helfen könne, dass in der Türkei ein „weiterer Täter“ festgenommen werde. Er wurde aufgefordert, einen Betrag von mehreren tausend Euro in die Türkei zu überweisen. Als er jedoch den gleichen Betrag noch einmal überweisen sollte, wurde er misstrauisch und erstattete Anzeige.

          Drohung mit Inkassoverfahren

          Und vor einer Woche erst rief ein „Mitarbeiter einer Rechtsanwaltskanzlei“ mittags einen 84 Jahre alten Rentner an: Er sei mit den „Mitgliedsbeiträgen“ für ein Gewinnspiel seit mehreren Jahren im Rückstand, so die Forderung. Um die Angelegenheit „außergerichtlich“ zu klären, sollte er einen vierstelligen Betrag überweisen. Der Mann überwies das Geld. Auf diese Weise wurde schon im Mai ein 67 Jahre alter Rentner um sein Geld betrogen. Er solle Rechnungen aus „Glücksspielverträgen“ aus den zurückliegenden Jahren begleichen, behauptete der Anrufer damals. Ihm wurde mit einem „Inkassoverfahren“ gedroht, sollte er den Betrag von mehreren tausend Euro nicht überweisen.

          Wenig später erhielt der Mann einen weiteren Anruf: Er habe bei einem Gewinnspiel 250.000 Euro gewonnen. Um an das Geld zu kommen, müsse er jedoch noch „Gebühren“ in Höhe eines vierstelligen Betrages bezahlen. Später kamen weitere Forderungen für „Steuern“, „die Verwahrung“ sowie „den Transport der Gewinnsumme“ dazu. Der so betrogene Mann überwies das Geld sowohl auf deutsche als auch auf türkische Konten.

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