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Bestechung in China : Die rote Gefahr

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Nichts in die Tüte: Mit solchen Umschlägen muss nun sorgsam umgegangen werden Bild: Getty

In China deutet ein roter Umschlag immer einen wertvollen Inhalt an. Geschäftspartner drücken damit ihre Wertschätzung aus. Jetzt soll Schluss sein mit den Hong Bao: Der Staatschef wittert Korruption.

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          Es kommt kein Weihnachtsmann und schon gar kein Christkind, aber auch in China ist die Zeit des Jahreswechsels eine Zeit der Geschenke. Nach alter Tradition pflegt man mit den „Jahresgeschenken“ Beziehungen, vor allem zu Geschäftspartnern, man macht sich Höherstehende geneigt und zeigt sich dankbar gegenüber Freunden. Dabei großzügig zu sein fällt leicht, denn selbst bezahlen muss man nicht.

          Geschenke kommen auf die Rechnung des Betriebs oder der Behörde. Damit soll jetzt Schluss sein. Seit der chinesische Parteichef Xi Jinping vor einem Jahr die Kampagne gegen die Korruption losgetreten hat, folgt eine Verbotsliste der anderen. Zuerst traf es die verschwenderischen öffentlichen Ausgaben für Bankette und Dienstreisen, jetzt sind auch die öffentlich finanzierten Geschenke dran, die zu den Feiertagen überreicht werden.

          Ledertaschen, Smartphones und iPads

          Für die Ämter und vor allem für die Staatsunternehmen sind die „Aufmerksamkeiten“ ein gewaltiger Ausgabeposten. Mit klassischen Geschenken wie Tee, Leckereien, Zigaretten und Schnaps ist es längst nicht mehr getan. Immer teurer und immer aufwendiger werden die Geschenke, die zum westlichen und kurz darauf zum chinesischen Neujahr verteilt werden. Eine ganze Industrie hat sich auf Produktion und Vertrieb von Geschenken in aufwendigen Verpackungen spezialisiert.

          Während kleinere Ämter und Betriebe noch Teetassen und Füller verschenken, greifen vor allem Chinas gigantische Staatsbetriebe tief in die öffentlichen Taschen. Nach Berichten chinesischer Zeitungen machen sie zum Jahresende in rauhen Mengen Geschenke im Wert von umgerechnet mehreren hundert Euro, vor allem Ledertaschen, Smartphones und iPads.

          Je höher die Kader, desto wertvoller die Geschenke

          Dann gibt es da auch noch die Einladungen zu Konferenzen und Tagungen zum Jahresende. Sie finden möglichst in einem touristisch reizvollen Gebiet statt und sind vom Programm her nicht allzu anstrengend. Für viele Teilnehmer ist denn auch der wichtigste Teil die Registrierung zu Beginn, bei der sie die große Tüte mit den „Konferenzmaterialien“ samt Geschenk bekommen. Je höher die Kader, desto wertvoller die Geschenke.

          Chinesische Medien berichteten von einer Tagung zur „Urbanisierung“, zu der eine Provinz die Parteichefs kleinerer und mittlerer Städte eingeladen hatte. Die Parteifunktionäre erhielten ein Hemd und eine Hose eines in Chinas beliebten Designers, und damit auch alles passte, hatte der Veranstalter im Tagungshotel gleich einen Laden des Designers eingerichtet, in dem die richtige Kleidergröße eingetauscht werden konnte.

          Hong Bao haben teuren Uhren den Rang abgelaufen

          Viele Funktionäre und Angestellte von Staatsbetrieben betrachten die Geschenke zum Jahresende schon als Teil ihrer Zuwendungen. Den Korruptionsbekämpfern ist das ein Dorn im Auge. Sie sagen, die Geschenke belasteten die öffentlichen Haushalte und bereiteten der Korruption den Boden. Ein Untersuchung von Korruptionsfällen habe ergeben, dass bestechliche Beamte ein Drittel ihrer Geschenke und ihres Bestechungsgelds in der Zeit des Jahreswechsels angenommen hätten, ein schlechtes Beispiel für die Gesellschaft.

          Über die richtig großen Geschenke wird weniger berichtet, die von Privatleuten an Funktionäre. Sie sind schwieriger nachzuweisen, aber es sind beträchtliche Summen im Spiel. Für hohe Kader sind Mitgliedskarten in Golf-Clubs und Spas und Einkaufsgutscheine für Supermärkte und Internet beliebt. Die „roten Umschläge“, Hong Bao, in denen Geld oder Gutscheine überreicht werden, haben den teuren Uhren dabei den Rang abgelaufen.

          Der Import von Luxus-Uhren ist geschrumpft

          Uhren gelten als gefährlich, weil schon Funktionäre wegen ihrer protzigen Exemplare der Bestechlichkeit angeklagt wurden. Bekannt wurde der Fall eines Provinzbeamten aus Shanxi. Auf einem offiziellen Foto, das ihn im Dienst zeigte, war eine Uhr im Wert von umgerechnet zehntausend Euro zu erkennen, die er sich von seinem Gehalt als städtischer Beamter kaum hätte leisten können. Er erhielt 14 Jahren Freiheitsstrafe. Eine private Website mit Fotos solcher „Uhren-Kader“ wurde dann aber von der Zensur geschlossen.

          Für die Geschenkindustrie und ihre Zulieferer im Ausland sind dies schlechte Nachrichten. Der Import von Luxus-Uhren ist nach Angaben der Branche in diesem Jahr um ein Drittel geschrumpft. Aber auch die Hersteller kleinerer Geschenke in China klagen. Selbst der Absatz von Kalendern und Neujahrskarten sei zurückgegangen. Einige Beobachter spotten schon, dass Chinas geringeres Wirtschaftswachstum in diesem Jahr auf die Anti-Korruptions-Kampagne der Regierung zurückzuführen sei.

          Keine teuren Speisen bei offiziellen Anlässen

          Schon im vergangenen Jahr hatte Parteichef Xi Jinping mit seinen „Acht Regeln gegen Verschwendung“ verfügt, dass es keine großen Bankette auf Staatskosten mehr geben solle. Restaurants und Hotels der gehobenen Klasse klagen seither über große Einnahmeeinbußen. Nach den Bestimmungen dürfen jetzt bei offiziellen Essenseinladungen teure Speisen wie Haifischflossensuppe und Schwalbennester nicht mehr serviert werden.

          Zigaretten und Schnaps gibt es auch nicht mehr, und der Absatz des in China seit neuestem beliebten französischen Rotweins geht zurück. Die Funktionäre der Behörden und Staatsbetriebe haben die Zeichen der Zeit richtig gedeutet und halten sich in diesem Jahr zurück. Einige Kader in Anhui haben jetzt sogar öffentlich gelobt, dass sie keine „roten Umschläge“ annehmen werden. Die Provinz Sichuan geht dennoch auf Nummer Sicher und verschickt zum Jahresende SMS an die Funktionäre, um sie an die neue Sparsamkeit zu erinnern.

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