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Berlin : Obdachloser nach Brandanschlag in Koma versetzt

Blumen und Solidaritätsbekundungen liegen am Cajamarca-Platz am S-Bahnhof Schöneweide. Bild: dpa

Nach dem Brandanschlag auf zwei Obdachlose in Berlin gibt es erste Beschreibungen der Tat durch Zeugen. Eines der Opfer soll am Nachmittag des Tattages Streit mit einem Mann gehabt haben.

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          Nach der Brandattacke auf zwei Berliner Obdachlose verfolgt die Polizei erste Spuren und Hinweise. Demnach soll einer der beiden Obdachlosen am Nachmittag des Tattages Streit mit einem Mann gehabt haben, der nach Zeugenaussagen angeblich russisch sprach. Die beiden Männer, deren Name mit Lothar D. und Andy V. angegeben werden, lebten nach einem Bericht der „Berliner Zeitung“ seit Jahren auf der Straße; und das freiwillig, wie Anwohner berichten. Für sie sei es ein Stück Freiheit gewesen.

          Peter Carstens

          Politischer Korrespondent in Berlin

          Am Sonntagabend waren die beiden vor dem S-Bahnhof Schöneweide von einem bislang Unbekannten mit brennbarer Flüssigkeit übergossen und angezündet worden. Ein Zeuge sprach von einem Benzinkanister. Die Stichflamme beim Entzünden sei drei Meter hoch gewesen. Passanten organisierten Feuerlöscher aus einem benachbarten Imbiss und erstickten die Flammen. Auch ein Hund wurde aus den brennenden Habseligkeiten gerettet.

          Die schweren Brandverletzungen der beiden Männer werden auf einer Spezialstation im Unfallkrankenhaus Marzahn behandelt. Die Polizei bestätigte, dass einer von ihnen inzwischen ansprechbar sei, sein jüngerer Freund schwebe aber weiter in Lebensgefahr und wurde in ein künstliches Koma versetzt. Berlins Sozialsenatorin Elke Breitenbach (Linke) nannte die Tat am Dienstag einen „bestialischen Mordversuch“. Bei den Ermittlungen sollen auch eventuelle Aufnahmen von Überwachungskameras ausgewertet werden.

          Weil unter den Obdachlosen inzwischen mehrere hundert Polen sind, will nun eine polnische Sozialorganisation in Berlin tätig werden. Viele der Betroffenen seien Alkoholiker, Drogenabhängig und oft sehr krank. Man wolle sie zur Heimkehr nach Polen bewegen. Nach einem Bericht der „Berliner Zeitung“ geht die polnische Regierung von 2000 Personen aus, die ohne Unterkunft in Berlin leben und auch von der Notversorgung und hygienischen Minimalangeboten keinen Gebrauch machen.

          Das geplante Engagement von zwei polnischen Sozialarbeitern stößt in der Hauptstadt auf zögerliche Zustimmung. Der Senat lege nach den Worten einer Sprecherin der Sozialverwaltung Wert auf Absprachen. „Die Spielregeln für den Umgang mit Wohnungslosen in dieser Stadt bestimmen noch immer wir.“ Wobei nicht deutlich wurde, welche Regeln in der diesbezüglich weithin regellosen Hauptstadt das sein sollen.

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