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Razzia in Berlin : Münzraub, Bankraub, Geldwäsche

Auch an dem spektakulären Bankraub in Berlin soll ein Mitglied des Clans beteiligt gewesen sein. Bild: dpa

In Berlin geht die Polizei gegen eine arabische Großfamilie vor. Den Mitgliedern wird eine ganze Bandbreite von Straftaten zur Last gelegt. Auf die Schliche kamen ihr die Ermittler durch eine unvorsichtige Handlung.

          Die Mühlen der Berliner Justiz mahlen langsam, aber manchmal kommt doch etwas Größeres zwischen ihre Räder. So etwas wie die 77 Immobilien, die eine stadtbekannte arabische Familie unter zumindest fragwürdigen Umständen und mit möglicherweise geraubten Werten finanziert hat. Das jedenfalls behaupten die Staatsanwälte, die viele Monate in Sachen Geldwäsche ermittelt haben und am vergangenen Freitag einen Schlag landeten, wie es ihn noch nicht gegeben hat. Ob es sich am Ende um einen spektakulären Erfolg gegen die wuchernde Organisierte Kriminalität in der Hauptstadt handelt oder eine Luftnummer der Strafverfolger, die vor Gericht keinen Bestand hat, das werden weitere Ermittlungen zeigen. Erwartet werden auch Auseinandersetzungen mit den Verteidigern der derzeit 16 Beschuldigten, die fast alle miteinander verwandt sind. Sollten die Indizien und Beweise ausreichen, drohen bis zu fünf Jahre Haft, vor allem der Einzug der beschlagnahmten Immobilien, die sich bis auf eine brandenburgische, alle in der Hauptstadt befinden.

          Peter Carstens

          Politischer Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Die Familie, deren mehrere hundert Angehörige Wurzeln im Libanon haben und vor Jahrzehnten als Bürgerkriegsflüchtlinge nach Berlin kamen, lebt überwiegend im Bezirk Neukölln und operiert von dort aus in teils legalen, vielfach aber auch illegalen Geschäften. Mehreren jungen Angehörigen der Großfamilie wird derzeit der Raub einer rund 100 Kilogramm schweren Goldmünze aus dem Bode-Museum im vorigen Jahr zur Last gelegt. Der Prozess hat aber noch nicht begonnen.

          300 Schließfächer einer Sparkassen-Filiale aufgebrochen

          Abgeschlossen hingegen ist ein Verfahren wegen eines spektakulären Bankraubs in Berlin-Mariendorf. Dort hatten im Oktober 2014 die Täter, unter ihnen ein Mitglied der erwähnten Familie, rund 300 Schließfächer einer Sparkassen-Filiale aufgebrochen und auch den Tresor gesprengt. Während die Täter gefasst und verurteilt wurden, blieb die Beute, fast zehn Millionen Euro, verschwunden. Ebenso fehlt von der Goldmünze, Wert mehrere Millionen Euro, aus dem Berliner Bode-Museum noch jede Spur. Die Ermittler nehmen an, dass die Münze „Big Maple Leaf“, die aus Gold bestand, eingeschmolzen wurde.

          Was den Mariendorfer Bankraub betrifft, so blieben die Ermittler aufmerksam. Der ermittelnde Staatsanwalt berichtete am Donnerstag, dass vor etwa drei Jahren einer der Brüder des Verurteilten recht überraschend eine Eigentumswohnung erworben habe. Da der Mann bis zu diesem Zeitpunkt überwiegend von Sozialleistungen wie Hartz IV und Kindergeld gelebt hatte, fiel das auf. Woher kam das plötzliche Geld – war es eventuell aus der Sparkassen-Beute? Mit dieser Frage begannen Ermittlungen wegen des Verdachts der Geldwäsche.

          Nach Angaben der Berliner Staatsanwaltschaft stellten sich die Nachforschungen zu Überweisungen, Einsichtnahmen in Grundbücher und Überprüfungen zu Bareinzahlungen als ein Puzzlespiel heraus, aus dem sich allmählich ein Bild formte. Immer neue Namen tauchten auf, immer neue Verhaltensmuster. Und zu neuen Immobilienkäufen wurde Geld aus dem Ausland auf Berliner Konten überwiesen. Ob es sich bei genanntem „Ausland“ um den Libanon handelt, woher die Familie kam, wollten die Staatsanwälte bei einer Pressekonferenz nicht sagen, aus ermittlungstaktischen Gründen.

          Nach Überzeugung der Berliner wurde in großem Stil Geld aus kriminellen Aktivitäten in legales Eigentum umgewandelt, Geldwäsche. Die Immobilien und ebenfalls beschlagnahmte Grundschuldbriefe haben nach erster Schätzung einen Gesamtwert von etwas mehr als neun Millionen Euro. Es gibt allerdings auch eine Beschwerde gegen die Beschlagnahme.

          Gewaltdelikte, Rauschgifthandel, illegales Glücksspiel

          Strafrechtliche Ermittlungen gibt es andauernd, viele Angehörige weniger Familien stehen sehr oft vor Gericht, zur Sprache kommt dabei die gesamte Bandbreite organisierter Kriminalität von Gewaltdelikten über Rauschgifthandel bis zu illegalem Glücksspiel. Doch mit der großangelegten Beschlagnahme der Immobilien hat die Staatsanwaltschaft nun ein neues Kapitel der Verbrechensbekämpfung aufgeschlagen. Zudem durchsuchten mehrere Dutzend Polizisten am vergangenen Freitag 13 Objekte auf der Suche nach weiteren Indizien. Zu den durchsuchten Objekten zählen auch die Arbeitsräume eines Notars sowie Firmenräume.

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          Was gefunden wurde und ob zu den beschlagnahmten Immobilien und Gegenständen auch eine Kleingartenanlage oder eine Einbauküche gehören, wie gerüchteweise bekannt wurde, darüber schwiegen sich die Staatsanwälte ebenso aus wie zu konkreten Fragen nach den Beschuldigten. Inhaftiert wurde jedenfalls im Zusammenhang mit der Aktion niemand, aber es wurde deutlich, dass einige Beschuldigte schon wegen anderer Delikte in Haft sitzen. Für weitere Haftbefehle gebe es keine Grundlage, „an dieser Stelle jetzt noch nicht“, wie der Oberstaatsanwalt äußerte.

          Die Ermittlungen gehen nun in eine neue Phase. Nachdem die Strafverfolger bislang in aller Stille gearbeitet hatten, wird nun offen ermittelt. Weitere Erkenntnisse werden aus den beschlagnahmten Unterlagen erwartet. Man habe zum Abtransport zwar keinen großen Lastwagen benötigt, so ein beteiligter Polizist, es sei aber doch allerlei mitgenommen worden.

          Für die zahlreichen Mieter in den beschlagnahmten Häusern hat die Polizeiaktion erst einmal keine nachteiligen Folgen. Sie zahlen weiter ihre Miete auf die bisherigen Konten, die allerdings beschlagnahmt sind. Mancher könnte allerdings verwundert sein, wenn er nun aus der Zeitung erfährt, bei wem er eingezogen ist.

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