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Goldnest gestohlen : War es wieder die Familie R.?

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Die Polizei hat mehrere Objekte durchsucht. (Archivbild) Bild: dpa

Vor zwei Jahren wurde eine riesige Goldmünze aus einem Berliner Museum gestohlen. Das Gold ist spurlos verschwunden, mehrere junge Männer stehen vor Gericht. Ein aktueller Diebstahl erinnert an den Fall. Wieder ging es um Gold.

          Nach dem dreisten Diebstahl eines Kunst-Vogelnestes aus purem Gold aus einer Berliner Grundschule fahndet die Polizei nach den Tätern. Am Mittwochnachmittag wurden bereits mehrere Häuser und ein Auto unter anderem in Ortsteilen von Neukölln durchsucht. Nach verschiedenen Medienberichten ermittelt die Polizei im Milieu der arabischstämmigen Clans. Die Polizei sucht Zeugen, die in der Nacht zu Mittwoch an der Schule in Berlin-Marzahn etwas Verdächtiges wie fremde Autos, Menschen oder laute Geräusche bemerkt haben.

          Der Wachdienst der Fuchsberg-Grundschule in Berlin-Marzahn hatte den Diebstahl des Kunstwerks „Goldenes Nest“ in der Nacht zum Mittwoch bemerkt. Der reine Materialwert der 74 Zweige aus 814 Gramm Feingold beträgt 30.000 Euro.

          Laut dem „Tagesspiegel“ sollen Observationsteams der Polizei wenige Tage vor dem Einbruch Mitglieder der arabischen Großfamilie R. im Umfeld der Schule beobachtet, die Schutzmaßnahmen aber nicht verschärft haben. Mitglieder dieser Familie stehen gerade wegen des Raubs einer goldenen Münze aus dem Bode-Museum vor Gericht. Jetzt steht der Clan wieder im Visier der Ermittler, auch die Villa von Clanchefs Issa R. wurde durchsucht, wie er gegenüber der „Bild“-Zeitung mit folgendem Kommentar bestätigte: „Der Vorwurf ist lächerlich. Jedes Mal, wenn in dieser Stadt Gold verschwindet, soll ich schuld sein.“

          Das Nest wurde nach Angaben des Künstlers Thorsten Goldberg „in einem gläsernen Wandsafe“, der Teil des Kunstwerks ist, aufbewahrt. Diese massive Vitrine ist in die Wand des Schulgebäudes eingelassen. Durch die Scheibe war das Goldnest so auch von außen sichtbar.

          Das Kunstwerk wurde im Rahmen eines Wettbewerbs zum Neubau der Schule angefertigt. Bei öffentlichen Gebäuden ist vorgeschrieben, dass ein kleiner Teil der Kosten für „Kunst am Bau“ ausgegeben wird. „Diese Regel ist gut, wir werden sie auch nach diesem Vorfall nicht aufweichen“, sagte eine Pressesprecherin der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen dazu. „Kinder sollen Kunst in Schulen nicht nur aus Büchern kennenlernen.“

          Die Fuchsberg-Grundschule wurde im Herbst eröffnet. Erst nach 14 Jahren hätte die Vitrine geöffnet werden dürfen. Das Nest hätte dann sofort zerstört werden müssen. So hatte es der Künstler bestimmt. Im November gab es einen ersten Einbruchsversuch, im Februar sollen Einbrecher es abermals versucht haben.

          Dem „Tagesspiegel“ sagte der Künstler: „Das Kunstwerk war besser gesichert als die Goldmünze im Bode-Museum.“ Es habe elektronische und mechanische Vorkehrungen gegen Diebstahl gegeben. Aus dem Bode-Museum auf der Berliner Museumsinsel war 2017 eine 100 Kilogramm schwere Goldmünze im Wert von drei Millionen Euro gestohlen worden. Mehrere Mitglieder einer arabischstämmigen Großfamilie stehen deswegen derzeit vor Gericht.

          Der Schulstadtrat von Marzahn-Hellersdorf, Gordon Lemm (SPD), sagte dem „Tagesspiegel“, die öffentliche Wirkung des Gold-Nestes sei von der Jury des Kunst-Wettbewerbs möglicherweise unterschätzt worden. „Das Material weckt wohl eher kriminelle Energien.“

          Die Polizei in Berlin und Nordrhein-Westfalen versucht seit dem vergangenen Jahr, härter gegen kriminelle Mitglieder der Clans vorzugehen. In NRW stellte die Landesregierung am Mittwoch das bundesweit erste Lagebild zur Clan-Kriminalität vor. Demnach soll es 104 kriminelle Clans geben. Allein in den Jahren 2016 bis 2018 sollen diese für rund 14 000 Straftaten verantwortlich sein, begangen von 6500 Verdächtigen.

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