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Psychoaktiv im Netz : Polizei gelingt Schlag gegen Drogenring

Diverse Zusatzstoffe, Verpackungen und Produktionsmittel sind im bayerischen Kriminalamt zu einer Präsentation einer Drogenproduktionsstrecke aufgebaut. Unter anderem wurden auch einige Luxusprodukte aus der Wohnung eines Drogenproduzenten ausgestellt. Bild: dpa

Die bayerische Polizei stellt ihre Ergebnisse im bislang größten Ermittlungsverfahren gegen psychoaktive Stoffe vor: Der Drogenring belieferte rund 20.000 Kunden, der Haupttäter verdiente 60.000 Euro pro Monat.

          Die „Früchte der Tat“ des Hauptbeschuldigten, wie es der Ansbacher Oberstaatsanwalt Michael Schrotberger formuliert, stapeln sich am Donnerstag auf und unter einem Konferenztisch im bayerischen Landeskriminalamt (LKA): unter anderem kirschrote Louis-Vuitton-Slipper, goldverzierte Versace-Teller, ein kinotauglicher Flachbildfernseher und Gucci-Sonnenbrillen. Rund 60.000 Euro hatte der 32 Jahre alte mutmaßliche Haupttäter, der das Thema Ausbildung nach einem Realschulabschluss auf sich beruhen ließ, durch Drogengeschäfte im Monat zur Verfügung.

          Karin Truscheit

          Redakteurin im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Der Mann ist nach Angaben des LKA und der Staatsanwaltschaft Ansbach der führende Kopf eines Händlerrings, der Kunden in Deutschland und der ganzen Welt mit synthetischen Cannabinoiden versorgte. In ganz Deutschland sei es das „bislang größte“ Ermittlungsverfahren gegen eine Organisation, die mit sogenannten NPS (neuen psychoaktiven Substanzen) handelte, sagt der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) am Donnerstag bei der Vorstellung der Ermittlungsergebnisse.

          Rund 1,2 Tonnen der hochgefährlichen Mischungen wurden an etwa 20.000 Kunden verkauft. Gegen 42 Tatverdächtige wird zur Zeit ermittelt, fünf von ihnen sind in Untersuchungshaft.

          Fünf Beamte mit Vergiftungserscheinungen

          Wie gefährlich diese Substanzen schon im passiven Konsum sind, erklärt der Erste Kriminalhauptkommissar Walter Bogenreuther mit einem Beispiel: Als Polizisten eine Wohnung gewaltsam öffnen mussten, in der diese Stoffe konsumiert und produziert wurden, mussten fünf Beamte mit Vergiftungserscheinungen ins Krankenhaus.

          Die erheblichen Gefahren – Herz-Kreislauf-Beschwerden, Psychosen (oft verbunden mit massiver Aggressivität), Kollaps und Tod – stehen im krassen Gegensatz zum einfachen und günstigen Erwerb im Internet. Zwischen zehn und 30 Euro kosten die glitzernden Drei-Gramm-Tütchen, die als „Kräutermischungen“ angeboten wurden und oft mit Horror-Clowns verziert sind. Die Konsumenten wissen nicht, was wirklich in den Tüten ist. Als Trägerstoff dient Nutzhanf oder Damianakraut. Die mit Lösungsmitteln vermischten NPS werden dann mit den Trägerstoffen in einem Mixer zubereitet. Danach werden die fertigen Mischungen portioniert und in Tüten verpackt.

          „Ich werd' noch ein ganz Großer“

          Auf die Spur des Drogenrings kam die Polizei durch die Mitarbeiterin eines Paketshops in Nordrhein-Westfalen. Ihr war im März 2017 der Geruch von vier Paketen aufgefallen. Als Absender konnte eine Person im Kreis Ansbach ermittelt werden. Auf den nun als Haupttäter geltenden Mann kam die Kriminalpolizei in Ansbach nicht zuletzt, weil er schon 2013 wegen Drogendelikten verurteilt worden war. Damals habe er geprahlt: „Ich werd’ noch ein ganz Großer.“ Das sagte der Oberstaatsanwalt am Donnerstag nicht ohne Genugtuung: „Das hat sich nun bewahrheitet.“

          Der Mann stellte demnach die NPS in eigens angemieteten Wohnungen her. Zuletzt wohnte er in München. Von März 2017 bis zu seiner Festnahme ein Jahr später hat er mehr als eine Million Euro umgesetzt. Er wurde lange vor seiner Festnahme überwacht, um auch das gesamte Netzwerk aufdecken zu können. In mehr als 30 Online-Shops wurden die Stoffe beworben und verkauft.

          NPS, deren Grundsubstanzen oft aus China stammen, haben den Rauschgiftmarkt in den vergangenen Jahren regelrecht überflutet. Schwierig ist nicht zuletzt die unterschiedliche Gesetzeslage in verschiedenen Ländern: Substanzen, die in Deutschland verboten sind, können in Spanien oder den Niederlanden legal sein. Die Gefährlichkeit der Substanzen war jedoch dem Hauptverdächtigen bekannt. Er trug nach den Schilderungen bei der Zubereitung immer eine Maske. Zudem habe er gesagt, dass er „das Zeug“ nie selbst konsumiert habe. Er sei ja nicht blöd.

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