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Bankraub : Millionencoup mit „militärischer Präzision“

Bild: Reuters

Spektakuläre Raubzüge haben in Großbritannien seit dem legendären Postraubzug von 1963 Tradition. Doch die 2,6 Millionen Pfund, die Ronald Biggs und Co. seinerzeit erbeuteten, sind ein Pappenstil gegen die 50 Millionen, die Tätern jetzt in die Hände fielen. Drei wurden aber schon gefaßt.

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          Zwei Tage nach dem größten Bargeldraub in der Geschichte Großbritanniens hat die Polizei drei Personen festgenommen. Eine 41 Jahre alte Frau wurde am Freitag morgen im Gebäude eines Finanzdienstleisters im Südosten Englands gefaßt, als sie mit 6000 Pfund Bargeld ein Bankkonto eröffnen wollte. Bankangestellten war sie verdächtig erschienen.

          Claudia Bröll
          Freie Afrika-Korrespondentin mit Sitz in Kapstadt.

          Einen 29 Jahre alten Mann und eine 31 Jahre alte Frau nahmen die Ermittler am Donnerstag abend in Südlondon fest. Sie verdächtigen beide, mit den Tätern in Verbindung zu stehen. Außerdem fand die Polizei drei Autos, die für die Tat benutzt wurden. Von dem weißen Lastwagen, der womöglich mit Millionen Geldscheinen unterwegs ist, fehlte immer noch jede Spur.

          Sind die Täter schon durch den Ärmelkanal geflohen?

          Sechs bewaffnete Männer hatten in der Nacht zum Mittwoch bis zu 50 Millionen Pfund (rund 70 Millionen Euro) aus einem Bargelddepot im englischen Kent, 50 Kilometer südöstlich von London, geraubt. Getarnt als Polizisten, hatten sie den Manager des Depots, den 51 Jahre alten Colin Dixon, sowie seine Frau Lynn und ihren acht Jahre alten Sohn entführt und mehr als sechs Stunden gefangengehalten. Mit gezogener Waffe zwangen sie den Manager, ihnen Zugang zum Depot zu verschaffen.

          So unscheinbar, so voller Geld: Ausgeraubtes Depot in Tonbridge
          So unscheinbar, so voller Geld: Ausgeraubtes Depot in Tonbridge : Bild: AP

          Im Depot setzten sie 14 Sicherheitsangestellte außer Gefecht. Innerhalb kürzester Zeit luden die Täter einen 7,5-Tonnen-Lastwagen mit ihrer Beute voll und fuhren davon. Der bislang größte Bargeldraub im Vereinigten Königreich ereignete sich 2004, als der Tresor der Northern Bank in Belfast ausgeräumt wurde und 26,5 Millionen Pfund verschwanden. Die Ermittler vermuten, daß sich die Bande längst auf den europäischen Kontinent abgesetzt hat, möglicherweise durch den Ärmelkanal-Tunnel. Eine internationale Fahndung wurde eingeleitet, 100 Beamte der britischen Polizei arbeiten an dem Fall. Häfen und Flughäfen wurden alarmiert. Die Sicherheitsfirma Securitas, der das Depot gehört und die für den Schaden haftet, hat eine Belohnung von zwei Millionen Pfund für Hinweise auf die Täter und die Beute ausgesetzt. Mittlerweile sind mehrere hundert Hinweise aus der Bevölkerung eingegangen.

          Unterstützung durch Depot-Mitarbeiter?

          Die Polizei vermutet, daß die Räuber von Mitarbeitern des Depots unterstützt wurden. Die Adresse und der Tagesablauf der Familie des Managers seien den Entführern genau bekannt gewesen, außerdem hätten sie sich sofort in den Lagerhallen zurechtgefunden. Sämtliche Beschäftigte des Depots wie auch ehemalige Mitarbeiter werden jetzt von Polizisten vernommen. Auch mögliche Verbindungen zum Überfall auf die Northern Bank prüft die Polizei. Das Verbrechen sei mit „militärischer Präzision von einer professionellen Bande“ verübt worden, sagte Assistant Chief Constable Adrian Leppard von der Polizei in Kent. Der überfallene Manager und seine Frau, von denen der Presse bislang nur ein älteres Hochzeitsfoto zugespielt wurde, stehen nach den Angaben noch immer unter Schock, ebenso ihr Sohn.

          Über den genauen Umfang der Beute kann weiter nur spekuliert werden. Es soll Tage dauern, bis das gesamte Geld im Depot gezählt ist. Mindestens 25 Millionen Pfund wurden geraubt, die Polizei hält einen Betrag von bis zu 50 Millionen Pfund für möglich. In dem Depot, dem größten in Großbritannien, lagert die Bank von England Bargeld, bevor es an Banken verteilt wird.

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