https://www.faz.net/-gum-a18he

Niederländischer Bandenkrieg : Hier war alles zur Folter vorbereitet

Die insgesamt sieben Container waren auch schallisoliert. Bild: dpa

Der Fund einer in einem Schiffscontainer versteckten Folterkammer ist selbst für die niederländische Polizei harter Tobak. Der Hauptverdächtige soll eine zentrale Rolle im Kokainschmuggel gespielt und eine Todesliste geführt haben.

          2 Min.

          Wenn kriminelle Banden gegeneinander Krieg führen, kennt die Gewalt kaum Grenzen. Die niederländische Polizei ist in dieser Hinsicht einiges gewöhnt, sie hat es immer wieder mit mächtigen Clans im Rauschgifthandel zu tun. Doch was Ermittler Ende Juni in einer Lagerhalle im Süden des Landes fanden, verschlug selbst den hart Gesottenen unter ihnen die Sprache: sechs Gefängniszellen und eine Folterkammer, alles in Schiffscontainern versteckt. Jetzt haben sie erstmals Fotos und ein Video von dem Einsatz eines Sonderkommandos veröffentlicht.

          Thomas Gutschker

          Politischer Korrespondent für die Europäische Union, die Nato und die Benelux-Länder mit Sitz in Brüssel.

          Darauf ist ein alter Zahnarztstuhl zu erkennen. An den Armlehnen sind Gurte befestigt, auf der Fußstütze liegt ein Paar Handschellen. Der Container ist von innen mit Isolierfolie ausgekleidet – mutmaßlich, um den Schall zu dämpfen oder um zu verhindern, dass der Inhalt mit einer Wärmebildkamera sichtbar wird. Die Beamten fanden außerdem Astscheren, Astsägen, Zangen, Klebeband, Kapuzenmützen und schwarze Säcke, die man jemandem über den Kopf stülpen kann. Für sie besteht kein Zweifel: Hier war alles zur Folter vorbereitet.

          Ermittler hatten die Lagerhalle in Wouwse Plantage in der Provinz Nördliches Brabant schon länger ins Visier genommen. Sie stießen darauf, nachdem es der niederländischen und französischen Polizei in einer gemeinsamen Aktion gelungen war, den verschlüsselten Telefondienst Encrochat zu hacken. Der wurde von vielen Kunden aus dem Milieu der organisierten Kriminalität genutzt. Die Behörden konnten plötzlich 20 Millionen verschlüsselte Nachrichten mitlesen. In mehreren europäischen Ländern wurden daraufhin Hunderte Verdächtige festgenommen und 19 Rauschgiftlabore ausgehoben, wie die EU-Justizbehörde Eurojust mitteilte.

          In den Chats stießen Ermittler auf Fotos von dem mutmaßlichen Folterstuhl und auf Nachrichten, die auf geplante Entführungen und Folterungen schließen ließen. Die Betreffenden wurden vorgewarnt und in Sicherheit gebracht. Die Täter und verdächtige Gebäude wurden observiert, schon seit Mitte April. Als die Container in der Lagerhalle nahezu fertig präpariert waren, griff die Polizei zu – dort und an zwölf weiteren Orten. Sie nahm sechs Männer fest und stellte mehrere Waffen sicher. Außerdem fanden die Beamten gestohlene Polizeiuniformen, kugelsichere Westen und Stoppschilder – zur Vorbereitung einer Entführung, wie sie vermuten. Die Festgenommenen stehen im Verdacht, Entführung, Geiselnahme, schweren Missbrauch und Erpressung vorbereitet zu haben und einer kriminellen Vereinigung anzugehören.

          Der Hauptverdächtige Robin van O. ist in der Szene gut bekannt. Er soll eine zentrale Rolle im Kokainschmuggel gespielt haben, wodurch er zum Gegenspieler von Ridouan T. wurde. Der sitzt seit Ende vorigen Jahres in Haft und wird verdächtigt, zehn Personen getötet zu haben. Bis zu seiner Verhaftung in Dubai stand er ganz oben auf der niederländischen Fahndungsliste. Wie niederländische Medien berichteten, führte er selbst eine Todesliste, auf der Robin van O. stand. Es gab mehrere Angriffe auf O., darunter 2018 einen Sprengstoffanschlag auf ein Fitnessstudio in Utrecht. Daraufhin tauchte O. unter und schloss Allianzen mit anderen kriminellen Gruppen. Die Polizei glaubt, dass er die Lagerhalle mit dem Foltercontainer eingerichtet hat – womöglich, um sich an T.s Bande zu rächen. Das Container-Gefängnis wurde in den Chats jedenfalls genauso genannt wie das Hochsicherheitsgefängnis, in dem T. auf seinen Prozess wartet.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Er gibt weiter die Richtung vor: Markus Söder am Donnerstag mit Melanie Huml.

          Test-Panne in Bayern : Söders Grenzen

          Der CSU-Ministerpräsident schüttelt sich kurz. Dann ist Bayern wieder spitze. War etwas? Zum ersten Mal in seiner Amtszeit könnte Markus Söder Bayern als Heimat tatsächlich groß genug sein.
          „Das Eis ist gebrochen“: Trump erhält im Weißen Haus Applaus von Mitarbeitern zu dem Abkommen.

          Israel und Arabische Emirate : Es geht um eine Allianz gegen Iran

          Ein doppelter Gewinn für Netanjahu: Israel nimmt diplomatische Beziehungen zu den Vereinigten Arabischen Emiraten auf und setzt dafür eine Annexion aus, die ohnehin heikel war. Doch auch andere profitieren.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.