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Baby aus Hochhaus geworfen : Polizei sucht nach der Mutter

  • Aktualisiert am

Die Hochhäuser in Osdorf gelten als soziale Brennpunkte Bild: dpa

Ein neugeborenes Mädchen ist aus einem Fenster eines 20-stöckigen Hochhauses geworfen worden und dabei gestorben. Rechtsmediziner gehen davon aus, dass das Baby nach der Geburt gelebt hatte. Jetzt sucht die Polizei die Mutter.

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          Nach dem tödlichen Sturz eines Säuglings aus einem Hamburger Hochhaus sucht die Polizei weiter nach der Mutter. Bis zum Montagnachmittag gab es nach Angaben eines Polizeisprechers zunächst keinerlei Hinweise. Bei der Überprüfung von Müllcontainern aus der Umgebung des betroffenen Wohnhauses im Stadteil Osdorf seien keine Spuren gefunden worden. Auch die Durchsuchung von bislang rund 100 Wohnungen blieb ergebnislos.

          Ein Spaziergänger hatte die Babyleiche am Samstag in einer Plastiktüte auf dem Rasen hinter dem Hochhaus gefunden. Laut den Untersuchungen der Rechtsmediziner hat das Mädchen nach der Geburt noch etwa eine halbe Stunde gelebt. Sie gehen davon aus, dass das Neugeborene durch die schweren Sturzverletzungen starb.

          Speichelproben bei Bewohnerinnen genommen

          Die Ermittler nahmen bei zahlreichen Frauen, die in dem 20 Stockwerke hohen Wohnareal leben, Speichelproben. Ein DNA-Vergleich soll weitere Hinweise erbringen. Dazu wird auch ein DNA-Muster der Mutter erstellt. „Wir sind zuversichtlich, dass wir auf Grund der guten Spurenlage die Mutter finden werden“, sagte der Hamburger Polizeisprecher Ralf Meyer.

          Uwe Hinrichs vom Hamburger Landesverband des Deutschen Kinderschutzbundes sagte im NDR, „Verzweiflungstaten“ von Schwangeren seien trotz einer ganzen Reihe von Beratungsangeboten nie ganz auszuschließen. Es seien häufig verzweifelte, auch ganz junge Mütter, die keinen Rückhalt bei Familien und Freunden haben und nicht von den Beratungsstellen erreicht werden. Die Schwangerschaften würden häufig bis zum letzten Moment verleugnet. „Und wenn das Kind dann geboren wird, dann kommt es sehr häufig zu diesen völlig unnötigen Verzweiflungstaten“, sagte Hinrichs.

          Hochhaussiedlungen gelten als soziale Brennpunkte

          Die Kriminalpolizei werde in den nächsten Tagen den genauen Tatverlauf rekonstruieren, um Hinweise auf das Tatmotiv und das Profil der Frau zu bekommen, heißt es in einer Mitteilung der Polizei.

          Für die weiteren Ermittlungen sei es notwendig, die Anwohner nochmals aufzusuchen und zu befragen. „Die Ermittler vertrauen dabei weiterhin auf die Kooperationsbereitschaft der Bewohner“, heißt es in der Mitteilung. Die Hochhaussiedlungen im Hamburger Stadtteil Osdorf gelten als soziale Brennpunkte.

          Ähnlicher Fall ereignete sich 1998 in Köln

          Ein ähnlicher Fall hatte sich im September 1998 in Köln ereignet. Eine 17 Jahre alte Türkin hatte damals nach einer nächtlichen „Sturzgeburt“ ihren gerade geborenen Sohn aus dem Fenster eines Hochhauses geworfen. Nach drei Wochen gelang es der Polizei, die Mutter zu ermitteln.

          Das Landgericht Köln verurteilte sie zu zwei Jahren Jugendstrafe auf Bewährung. Das Gericht ging davon aus, dass sich die 17-Jährige in einer für sie unlösbaren Konfliktsituation zwischen überlieferten religiösen Werten ihrer Eltern und der Realität befunden habe.

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