https://www.faz.net/-gum-8bph5

Automaten-Sprenger gefasst : Millionen Euro Schaden, aber null Euro Beute

  • Aktualisiert am

Zuletzt wurden deutschlandweit häufiger Geldautomaten aufgesprengt. Die Zerstörungskraft zeigt dieses Bild aus dem niedersächsischen Hambühren. Bild: dpa

Die Polizei hat eine Bande gefasst, die mindestens 13 Geldautomaten aufgesprengt haben soll. Die Raubzüge waren teuer und gefährlich – aber Beute machten die Panzerknacker kein einziges Mal.

          Mit Telefonüberwachung und verdeckten Ermittlungen hat die Polizei eine mutmaßliche Bande von Panzerknackern geschnappt. Die drei Männer sollen für 13 Geldautomaten-Sprengungen vor allem am Niederrhein verantwortlich sein, wie das Landeskriminalamt (LKA) und die Staatsanwaltschaft Kleve am Mittwoch in Düsseldorf sagten.

          Beute machte das Trio jedoch in keinem Fall, weil es nicht professionell vorging und die Safes auch mit immer heftigeren Explosionen nicht öffnen konnte. Der Sachschaden an Gebäuden gehe allerdings in die Millionen, wie Dietmar Kneib, Dezernatsleiter im LKA, sagte. Die Taten der drei sollen Ende März 2015 in Kranenburg begonnen haben und sich zuletzt immer mehr aus dem Kreis Kleve entfernt haben.

          In den vergangenen Monaten wurden allein in NRW mehr als 60 Geldautomaten gesprengt. Für einen Teil kommen nach Einschätzung der Ermittler auch mindestens zwei reisende Tätergruppen aus den Niederlanden in Betracht.

          Die drei Männer im Alter von 26, 27 und 33 Jahren wurden am frühen Mittwochmorgen in Dorsten im nördlichen Ruhrgebiet festgenommen. Sie saßen in einem Auto etwa 30 Meter vom - wie die Ermittler vermuten - nächsten Tatort entfernt. Das wäre nach Polizeiangaben ihre 14. Tat gewesen. Zuvor waren Polizisten den Männern verdeckt stundenlang über die Straßen des Niederrheins nach Dorsten gefolgt.

          „Es gab immer kürzere Intervalle“, sagte der LKA-Ermittler Kneib über die Tatserie. Eine versuchte Geldautomaten-Sprengung mit hohem Sachschaden am Dienstag in Nettetal, für die auch diese drei Männer verantwortlich sein sollen, hatte die Ermittler besonders aufgeschreckt: Die Wucht der Explosion hatte den Vorraum einer Filiale völlig in Trümmer gelegt - aber wieder hatten die Täter keine Beute gemacht.

          Polizeibekannte Täter

          „Es näherte sich Weihnachten“, so die Polizei, die vermutete, dass die Täter Geschenke kaufen wollten und deshalb schnell zuschlagen würden. Hinweise auf ein Täterfahrzeug und ein Handy brachte die Fahnder auf die Fährte

          „Wir sind überzeugt, dass es uns gelungen ist, eine Bande trockenzulegen“, sagte Günter Neifer von der Staatsanwaltschaft Kleve. Alle drei Männer seien polizeibekannt: Einer sei strafrechtlich sogar erheblich in Erscheinung getreten, unter anderem wegen Körperverletzung. Belastendes Material stammt auch von Kameras, an den Tatorten - Gegenstände wie eine Gasflasche oder Farbspray seien bei den Männern wieder entdeckt worden.

          Das Trio soll am Donnerstag in Kleve dem Haftrichter vorgeführt werden. Dem Zugriff sei eine Vielzahl von verdeckten Ermittlungen vorausgegangen. Unklar sei auch, ob jetzt die komplette Bande dingfest gemacht worden ist.

          Die Ermittler sind sicher, dass sie damit die dritte Bande von Geldautomaten-Gangstern ermittelt haben: Mitte Dezember nahm die Polizei im Rhein-Sieg-Kreis bei Bonn nach einem Verkehrsunfall zwei Männer fest, in deren Auto Gasflaschen zur Sprengung von Geldautomaten entdeckt wurden. Sie sollen mindestens siebenmal zugeschlagen haben - allerdings immer ohne Beute. In Hamm wurde Anfang November eine Bande gestoppt, die sich auf Geldautomaten im Eingangsbereich einer Baumarkt-Kette spezialisiert hatte. Auch ihnen werden sieben Taten angekreidet.

          Weitere Themen

          „Wir hatten Angst um unser Leben“

          LGBT-Parade in Polen eskaliert : „Wir hatten Angst um unser Leben“

          Steine fliegen, Hooligans prügeln: Im polnischen Nordosten ist eine Parade von Schwulen und Lesben in Gewalt untergegangen. Ein junger Pole erzählt der F.A.Z. von dem Tag – und seinen Erfahrungen mit Diskriminierung in Polen.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.