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Illegale Pokerrunden : Am Abend wurde der Fisch zum Hai

In dem Raum, in dem nun gepokert wurde, stand Gerümpel herum, alte Tischplatten lehnten an den Wänden, es gab keine Heizung, und an den Tischen saßen Arbeitslose und junge Auszubildende. „Schlechte Klientel“, sagt Müller, „die hatten nur 200 Euro in der Tasche und spielten sehr vorsichtig.“ Er selbst riskierte wie immer viel und verlor gleich am ersten Abend 2000 Euro. Als er gehen wollte, bot ihm der Betreiber an, dass er jeden Freitag und Samstag 50 Prozent vom Umsatz erhalte, wenn er nur regelmäßig wiederkomme. „Er sagte, dass ich durch meine risikoreiche Spielweise Spieler anlocke. Ich habe mich gewundert. Weil der Betreiber an guten Abenden 1500 Euro Umsatz machte.“ Der Umsatz des Betreibers speist sich aus den Einsätzen der Spieler. Etwa fünf Prozent davon bekommt der Betreiber. Müller kennt einen illegalen Club im Ruhrgebiet, da macht der Betreiber jeden Abend 5000 Euro. Steuerfrei, weil illegal.

Zerwürfnisse können lebensbedrohlich werden

Müller wurde also die rechte Hand des Chefs. Nach wie vor spielte er jeden Abend und verlor in den Monaten nach dem Deal 30.000 Euro. Die Wende kam im November letzten Jahres, als es eines Abends zum Streit mit dem Betreiber kam. Der habe gegen ihn spielen wollen, er aber nicht gegen ihn, sagt Müller, wegen dessen Hitzigkeit. Weil er sich geweigert habe, sei der Betreiber dann auch tatsächlich ausgerastet. Seitdem beleidige, bedrohe und belästige er ihn und seine Eltern.

Zu Zerwürfnissen kommt es in der Welt des Pokers immer wieder. Da sind die Betreiber, die den Spielern Geld leihen. Was, wenn die es nicht zurückzahlen können? Da sind - bei Profispielern - die Investoren, die besonders gute Spieler sponsern und dafür einen Teil ihres Gewinns erwarten. Was, wenn die gesponserten Spieler zu oft verlieren? Ein 29 Jahre alter deutscher Profi, Johannes Strassmann, ertrank diesen Sommer im slowenischen Ljubljana im Fluss. Er war einer der besten Spieler Europas. Warum er starb, können sich weder seine Eltern noch seine Freunde erklären. Seit mehr als zwei Jahren ist außerdem Philipp Hochhuth, ebenfalls Profispieler, verschwunden. Der damals 23 Jahre alte Apothekersohn tauchte nach einem Turnier im kroatischen Dubrovnik nicht mehr auf.

Müller sagt, der Betreiber schulde ihm Geld - nicht etwa er dem Betreiber. 3000 Euro, die habe er ihm mal geliehen. „Ich werde die wohl nie zurückbekommen und auch nicht das Geld, das ich anderen Pokerfreunden geliehen habe.“ Es hört es sich an, als rede er über Spielgeld. Als sei das alles nicht so wichtig. Es ist nicht ganz klar, ob dies ein Erfolg der Therapie ist, die er inzwischen abgeschlossen hat, oder ob Müller schon immer so war und deswegen überhaupt zum Pokerspieler werden konnte. Er sagt, er habe seine Spielsucht inzwischen überwunden und verdiene sein Geld nun mit der Werbung, die auf den von ihm betriebenen Internetseiten für Jugendliche plaziert werde. Heute könne er sich sogar darüber ärgern, dass er so viel Geld verloren habe. Auch diesen Ärger merkt man ihm im Gespräch nicht an. Ein Bekannter von ihm hat mal zu Müller gesagt, er sei der beste Verlierer, den er je getroffen habe. Könnte sein, dass der Bekannte recht hatte.

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